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Periodical volume Sonnabend, 21. April 1900 Nr, 16

Full text: Der Bär Issue 26.1900

Der Bar. 
Illustrierte Wochenschrift. 
„Der Bär" erscheint jährlich 52 mal und ist durch alle Buchhandlungen. Zeitungsspeditionen und Postanstalten zu beziehen (Nr. 866 des Postkatalogs) und kostet vierteljährlich 2 M. 50 Pf.» 
jährlich 10 M., Linzelheft 20 Pf. — Inferiivnspreis für die 4 gespaltene Nonpareillezeile oder deren Raun» 50 Pf. — Beilagegebühr: 6 M. pro 1000 Stück inklusive Postgebühren. 
— Inserate und Beilagen werden entgegengenommen voriger Expedition des „Bär", SW., Neuenburgerstraße 14 a, sowie von allen Annoncen-Lrpeditionen. — Fernsprecher: IV. Nr. 3651. 
26. Jahrgang. Sonnabend, 21. April 1900. §tf. 16. 
Berliner Wandetmlder. 
Uns der Welt 
heaterpremiören und Erstinszenierungen giebt es eigentlich 
nur noch in den größten Kunstzentren, vor allem in der 
Reichshauptstadt, da die Provinz sich hauptsächlich von 
den approbierten Erfolgen nährt und mit völlig eingerichteten, von 
hier bezogenen Regiebiichern arbeitet. Inwieweit Kollege Lessing 
es Scheins. (II.) 
schlängelten und kreuzten, als Vorschriften für Pose und Bewegung 
der Schauspieler. Ich habe lange nicht begreifen können, wie der 
Ausgleich zwischen dem begeisterten Schassen des Künstlers mit dem 
strengen Einhalten der vorgeschriebenen Posen sich vollzieht und 
kann es mir auch heute nur so erklären, daß die erstere nicht so 
(Nach einer Ausnahme von Ernesto Tesdorpf, Kunstverlag in Lübeck.) 
an den Vorbereitungen einer Nenausführung beteiligt war, weiß 
ich nicht, für mich waren sie der bessere, wenn auch nicht ersprieß 
lichere Teil meiner dramaturgischen Laufbahn. 
* * * 
Vierzehn Tage vor einer Neueinstudierung oder Erstaufführung 
verschwand der Direktor. „Er arbeitete". Das Resultat seiner 
täglichen und nächtlichen Mühen war das Regiebuch. Ich habe 
es immer nur mit einer gewissen heiligen Scheu in die Hand ge 
nommen. Auf den durchschossenen Seiten war die Scene markiert, 
Vierecke und Halbmonde bezeichneten die Stellung der Möbel, 
zwischen denen sich seltsame Schlangenlinien und Pfeile hindurch 
übermäßig groß ist, daß sie das letztere wesentlich behindern könnte. 
Auch meine Scheu vor dem Regiebuch legte sich, nachdem ich in 
Erfahrung gebracht, daß es seine Herstellung zumeist der mechanischen 
Vorarbeit des „Oberregisseurs" verdankte, während der Direktor 
sich für die Anstrengungen der letzten drei Proben — ausruhte. 
Auf diesen Proben habe ich das Regiebuch eingesehen. Es war ebenso 
rasch verschwunden, wie der Direktor während seiner Ausarbeitung. 
* * * 
Die „Jungfrau von Orleans" sollte neu einstudiert werden. 
Von Zeit zu Zeit erschien in meinem Bureau der Dekorations 
maler mit einem jener kleinen Theatermodelle, die den Puppen-
        
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