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Periodical volume Sonnabend, 31. März 1900 Nr, 13

Full text: Der Bär Issue 26.1900

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das Land schwer zugänglich, allerlei Fließe zerschnitten und trennten 
es, Moore machten den Zugang gefährlich, und die Bevölkerung 
hielt sich stolz zurück von den Geestbewohnern. Sie, die freien 
Friesen, saßen ja, jeder ein Edelmann, auf ihrem Erbe, und die 
Einteilung des Volkes in Adelige und Hörige, wie sie sie aller- 
Fräulein Maria, 
die letzte Regentin des Jeverlandes aus dem Papingageschlecht, geb. '.499, gest. 1575. 
wärts bei den benachbarten Niedersachsen sahen, hatte bei ihnen 
keine Stätte gefunden. 
Weiter vom Meere ab geht die Marsch in die Geest über. 
Die Geest liegt höher als die Marsch, und sie hat eine größere 
Menge von natürlichen Warfstellcn. Die Höhenunterschiede sind 
größer, und es giebt mehr Sand, während in der Marsch ein lehm 
artiger Boden (Klei) vorherrscht. Viel Flußsand giebt der Geest 
stellenweise sogar das Aussehen einer Dünenlandschaft. Auch hier 
haben wir es im wesentliche» mit Anschwemmungen der Flußläufe 
zu thun, aber älterer Zeit, und anscheinend über das ursprüngliche 
Niveau emporgehoben. Weite Moore durchziehen das Land. Wie 
die Flußarme mehr und mehr Sand ablagerten, wie sich vorge 
schobene Sandbänke am Mceresgestade bildeten, hinter denen das 
Wasser allmählich brakig wurde und ins Süßwasser überging, war 
die Möglichkeit erst einer Sumpfbildung und dann der Ansiedelung 
des Torfmooses gegeben, das die flachen, seenartigeu Reste durch 
allmähliches Zuwachsen in Moor umwandelte. Währenddessen 
arbeiteten dann die Flüsse weiter, und der Wind half mit an der 
Gestaltung des Landes. 
Das Jeverland ist teils Marsch, teils Geest. Die Stadt Jever 
selbst steht an einer Stelle, wo beide Landschaftssormen sich be 
rühren. Die alte Stadt erhebt sich auf einer Dünenhöhe der Geest 
mit ihren Abhängen, während ein Stück des davor liegenden länd 
lichen Bezirks auf Moorland liegt. Dieses Moorland ist im 
Bereich der Stadt durchweg in Wiesengrund verwandelt, der aller 
dings, besonders durch seine Niedrigkeit, seine Herkunft deutlich 
verrät. Weiter nördlich geht der Boden, auf dem die Stadt ych 
erhebt, immer mehr in Marschboden über. 
Jever scheint einer der ältesten Orte Frieslands, zu sein. 
Es wird schon im sechsten Jahrhundert nach Christo erwähnt, 
und eine Nachricht aus dem alten ostfriesischen Landrecht besagt, 
daß Karl der Große den Gemeinden „tho Jeveren ende tho 
Stevoren“ (letzteres an der Zuyder-See) das Recht gegeben habe, 
Münzen zu schlagen. Demgemäß müßte Jever damals schon ein 
ür jene Gegend bedeutender Ort gewesen sein. In der That 
besaß Jever das Münzrecht und zahlte davon eine Abgabe an die 
Grafen von Oldenburg, vermutlich die Rechtsnachfolger der Statt 
halter und Grafen Karls des Großen, als 1539 die drei bisher 
getrennten Landschaften Rüstringen, Oestringen und Wangerland 
sich vereinigten. Von dieser Zeit an stand das Jeverland unter 
der eingeborenen friesischen Herrscherfamlie der Papinga (der Name 
ist, wie alle ähnlichen friesischen Worte, auf der ersten Silbe zu 
betonen). Edo Wimken der Aeltere, der Begründer dieser Dynastie, 
war ein tapferer und kluger Mann, der seine Herrschaft nach 
außen und innen zu sichern wußte. Sein Glück und seine Erfolge 
verschafften ihm den Ruf eines Zauberers. Er baute außer 
anderen festen Plätzen — denn vorher hatten die freien Friesen, 
außer den Kirchen, nicht einmal gemauerte Häuser, geschweige denn 
Burgen und Wälle leiden mögen, — das Schloß zu Jever. In 
teressant ist, daß in den friesischen Geschlechtern das Recht der 
Jüngstgeburt galt, so daß auf Edo Wimken im Jahre 1410 
zuerst sein jüngster EuLßl Sibet Papinga, und als dieser 1433 
ohne Leibescrben gestorben war, darauf dessen älterer Bruder 
Hayo Harles folgte. Hayo baute das Schloß zu Jever, 
nanientlich den Turm aus. Hayo Harles war der einzige 
Regent aus der Familie der Papinga, dem es gelang, eine fried 
liche Regierung z» führen. Sowohl die Zeiten seiner Vorgänger, 
wie die seiner Nachfolger, sind voll von Kampfgewühl und allerlei 
Fehden, mit den Butjadiugern, mit den Holländern, den Bremern, 
den Hamburgern, in der letzten Zeit hauptsächlich mit Ostfries- 
land. Unter Tanno Düren (1441—1468) brach dieser Krieg aus, 
und er dauerte bis 1532. Ulrich Cirksena von Greetsyhl hatte 
sich vom deutschen Kaiser 1454 mit Ostfriesland belehnen lassen, 
und in dem Lehnsbrief war, mit absichtlichem Irrtum, Jeoerlaud 
als Teil zu Ostfriesland aufgeführt worden. Dieser Krieg brachte 
alle Gewaltthat, alles Unglück über das Land' Unruhen wurden 
angestiftet, Vasallen wie die Grafen Jkv von Kniphausen und 
5-uIf von Inhausen brachen die Treue, jede mißliebige Bewegung 
Krebihveiher der ,,Getreuen von Jever". 
Geschenk zum achtzigsten Geburtstage des Fürsten Bismarck. 
im Lande, wie das Auftreten der Reformation, wurde ausgenutzt. 
Darüber starb Tanno Düren hinweg (1468), ebenso Edo Wimken 
der Jüngere (1511) und Christoph (1517). Nur Christophs drei 
Schwestern Anna, Maria, Dorothea, junge Mädchen unter zwanzig 
Jahren, blieben von dem glorreichen Geschlecht übrig. Die Lage 
des Landes war verzweifelt. Die Fluten im Jadebusen hatten
        
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