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Periodical volume Sonnabend, 24. März 1900 Nr, 12

Full text: Der Bär Issue 26.1900

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abgebildet imb beschrieben. Heute lassen wir die Marken zu 2, 3 und 
ö Mark in etwas vergrößertem Maßstabe folgen. Tiesc Marken ent 
halten figurenreiche Bildwerke, von denen z. B. die 5 Mark-Marke allein 
bl Figuren zählt. Tie Marke zu 2 Mark ist blau und zeigt zwei alt- 
germnnischc Krieger, die einander die Hände reichen und Freundschaft 
schwören^ fie solle» wohl Norde» und Süden des Reiches darstelle». 
Ueber den Kriegern schwebt die Siegesgöttin und hält die neu erkämpfte 
Kaiserkrone hoch. Die Unterschrift lautet: „Seid einig, einig, einig!" 
Die Marke» zu 3 und 5 Mark sind nach bekannten Gemälden des 
2 Mark-Marke. 
3 Mark-Marke. 
5 Mark-Marke. 
Malers Pape hergestellt. Die 3 Mark-Marke ist schieferviolett sein eigen 
tümliches Gran) und zeigt die Enthüllung des Kaiscr-Wilhelm-Denknials 
in Berlin am Tage der Ccntenarfeicr. Tie Inschrift im oberen Rande 
lautet: „1797. 22. Marz. 1897." Das Fünfmarkmcrtzeichen ist karmoisin- 
rvt und hat schivarzen Rand. Das Bild stellt den Kaiser im Weiften 
Saal des Berliner Schlosses in dem Augenblick dar, da er die Fahne 
des 1. Gardereginients senkt und ausruft: „Ein Reich, ein Volk, ein 
Gott!" Diese Worte bilden die Inschrift der Marke. 
Vereins-Nachrichten. 
Berliner Gymnastallrhrer-Verein. 
In der Febrnarsitzung des Berliner Gymnasiallehrer-DcrcinS teilte 
der Vorsitzende, Professor Lortzing mit, dnft das Provinzial-Schul- 
kvllegium auf die Bitte des Vereins in» Verlegung des Konfirmanden- 
nnterrichts in schulfreie Zeit erwidert habe: eine solche Verlegung 
lasse sich, wie die hierüber stattgefundcnen Verhandlungen gezeigt hätten, 
zur Zeit nicht ermöglichen: aiich wurden durch diese Verlegung allein 
die in der Eingabe hervorgehobenen Schwierigkeiten kaum beseitigt 
werden, da die Stunde» Dienstag und Freitag von 11 bis 12 Uhr auch 
für den katholischen Religionsunterricht bestimmt seien. Ter Vorsitzende 
berichtete ferner über eine Unterredung, die eine Abordnung 
akademisch gebildeter Lehrer an dcii Mädchenschulen Berlins 
mit Herrn Geh. Rat Dr. Wätzoldt gehabt hat. Ans dieser Unterredung 
geht hervor, dnft Herr Geh. Rat Wätzoldt in seinen Besprechungen mit 
der Deputation des Preußischen Vereins akademisch gebildeter Lehrer 
an den genannten Schulen über die These, das; an jeder vvllentwickelte» 
höhere» Mädchenschule auch Stellen für seminaristisch gebildete Ober 
lehrer geschaffen inerden müßten, gar nicht verhandelt hat und ihr 
auch gar nicht hätte zustimmen können, da diese Forderung noch über 
die ministeriellen Verfügungen hinausgeht. In demselben Sinne hat 
sich Herr Geh. Rat Wätzoldt auch dem Vorsitzenden gegenüber ausge 
sprochen, der ihm in einer besonderen Unterredung die im gesamten 
höheren Lehrerstand herrschende Auffassung der Angelegenheit vorgetragen 
und dabei betont hat, daß dieser Stand das größte Gewicht darauf 
legt, die ihm als unterscheidenden Titel vcrlichendc Amtsbezeichnung 
„Oberlehrer" ansschlieftlich den akademisch gebildeten Lehrern erhalten 
zu sehen. Nach einer kurzen Hinweisung des Vorsitzenden auf eine im 
Januarheft der Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik er 
schienenen Erwiderung von Lexis auf die letzte Schrvedcrsche Schrift 
„Im Kamps ums Recht" zeigte Herr Oberlehrer Mellmann einige von 
Hansen zur Unterstützung des naturwissenschaftlichen und 
geographischen Unterrichts herausgegebene Bilder vor. 
Dargestellt werden ans den bis jetzt erschienenen fünf Tafeln Land 
schaften, die für die eine oder andere Pflanzenart charakteristisch sind. 
So sieht man ans der ersten Tafel die Bnnmfarne, auf der zweiten die 
Kokospalme, ans der dritten Bambnsgebüsch, ans der vierten epiphytischc 
Pflanzen, und endlich auf der fünften die Dattelpalme in natur- 
wahren lnach Photographien angefertigten) Bildern, die Herr Pro 
fessor Hansen auf seinen Reisen gesammelt hat. Dadurch, das; sich die 
DarstcUnng nicht nur ans die betrcsicndc Pflanze selbst beschränkt, 
sondern das; gleichzeitig ganze Landschaften vorgeführt werden, in 
denen die Pflanzen in den verschiedensten Formen und Entwicklungs 
stufen vorkommen, wirken die Bilder belebend auf die Phantasie und 
erregen ein höheres Interesse, als die mehr oder weniger trockenen 
weil zu schematischen Abbildungen, die bis jetzt bekannt sind. 
Den Schluß der Verhandlungen bildete eine sehr eingehende Be 
sprechung der von den Herren Bartels und Dr. Hantzschcl in der 
vorigen Sitzung über die Abschlußprüfung an den Vvllanstallen 
aufgestellten Thesen. Diese wurde» schließlich in folgender Form ange 
nommen: 1. Es ist danach zu streben, daß die Abschlußprüfung an 
Vollanstalten wieder abgeschafft werde. 2. So lange sie in Kraft bleibt, 
ist sie noch mehr als bisher einer gewöhnlichen Versetznngsprüfnng an 
zugleichen. Insbesondere sind nur diejenige» Schüler, deren Versetzung 
nach Obcrseknnda zweifelhaft ist, zur mündlichen Prüfung heranzuziehen. 
3. Bei der mündliche» Prüfung sind nur solche Stellen aus fremd 
sprachlichen Schriftstellern vorzulegen, die nicht in der Klasse gelesen 
worden sind. 
Bttcherlisch. 
Tie Provinz Brandenburg in Wort und Bild. Herausgegeben 
von dem Pestalozzi-Verein der Provinz Brandenburg. Mit vielen 
Abbildungen. Berlin W. Verlag von Julius Klinkhardt. 1900. 
Eleg. gebd. 6 M., brosch. 4,50 M. 
Das Interesse für die viclgcschmähte Mark Brandenburg hat sich 
in den letzten Jahrzehnten erheblich gesteigert) man hat allmählich entdeckt, 
daß auch die sandige Mark ihre Reize, ihre Schönheiten hat, und das 
Bestehen zahlreicher märkischer Touristenvereine, die alljährlich den 
Pilzen gleich auftauchen, zeigt, daß man damit begonnen hat, die 
Mark nach allen Richtungen hin zu durchstreifen. Die Touristen wollen 
aber nicht bloß wandern und die landschaftlichen Reize genießen, sie 
wollen auch über die Gegenden, die sie durchziehen, näher unterrichtet 
sein, sie wollen wissen, was sich in diesem oder jenem Landstrich alles 
ereignet hat, welche Bedeutung die mannigfachen Bauwerke und Kunst- 
denkmäler haben, wie das märkische Volk lebt, und was es treibt, kurz, 
sie find sehr neugierig, oder sagen mir lieber, wißbegierig, und möchten 
über märkische Geschichte, Kultur- und Kunstgeschichte, Volkskunde, wirt 
schaftliches Leben, Handel und Verkehr und so manches andere aufgeklärt 
werden. Zwar lassen es sich die historischen Vereine, die es ja in 
jedem Winkel der Mark giebt, sehr angelegen sein, die Besucher ihres 
Städtchens und ihrer Gegend über solche Dinge zu unterrichten; aber 
es ist nicht jedermanns Sache, sich erst an Ort und Stelle mit der Be 
deutung einer Ortschaft in geschichtlicher oder volkswirtschaftlicher Hinsicht 
bekannt zu machen, man will vorher in diese Mysterien eingeweiht sein, 
und dazu bedarf es umfassender, volkstümlich geschriebener Werke, die 
in knappen Umrissen all das vorführen, was man in einer bestimmten 
Landschaft oder in einem Kreise an hervorragenden und wissenswerten 
Dingen finden kann. 
An solchen Werken ist aber zur Zeit in der Mark Brandenburg 
noch ein fühlbarer Mangel. Freilich fehlt es nicht an Büchern, aus 
denen man genügend Kenntnis über alle oben erwähnten Punkte 
schöpfen kann, wir brauchen nur an Fidicins „Territorien", an 
Bergaus „Inventar", an Fontanes „Wanderungen" und ähnliche 
Werke zu erinnern, aber ihr Studium oder ihre Lektüre erfordert für 
die Zwecke eines Touristen zu viel Zeit, und wendet er die Zeit wirklich 
daran, so weiß er schließlich so viel, daß er nicht aus noch ein weiß. 
Es fehlte eben an einem übersichtlichen und umfassenden Buch über die 
Mark Brandenburg. 
Diesem Mangel sucht nun das oben genannte Werk abzuhelfen, das 
eine ganze Anzahl landschaftlicher, geschichtlicher, kulturhistorischer und 
volkswirtschaftlicher Aufsätze enthält) es giebt über die darin berührten Ge 
genden und Ortschaften genügenden Aufschluß, und da die Schilderungen 
meist von ortsangesessenen Personen, zum großen Teil von Schullehrern, 
verfaßt sind, so darf man erwarten, daß sic zuverlässig sind. Aus 
reichend für die erwähnten Zwecke ist das Buch allerdings auch nicht, 
da es nur einen Teil der Mark behandelt, vermutlich ist aber eine 
Fortsetzung geplant, so daß nach und nach eine gewisse Voll 
ständigkeit erreicht wird. Und eine Fortführung des Unternehmens 
wäre sicher zu wünsche») denn das vorliegende Material ist so 
übersichtlich geordnet und ivird in so angenehmer, leicht faßlicher Form 
dargeboten, daß es zu bedauern wäre, wenn dem märkischen Volk nicht 
auch ans anderen Teilen der Provinz Brandenburg ähnliche Schil 
derungen zngängig gemacht würden. Ist auch so manches, was das 
Werk bringt, allgemeiner bekannt, so enthält cs doch wiederum vielerlei, 
was selbst dem Eingeweihte» neu und willkommen ist, und wer hinnns- 
wandcr» will in jene dort geschilderten Gegenden, der wird in dem 
Werke des Interessanten und Belehrenden genug finden. Auch mannig 
fache allgemeine unterrichtende Aufsätze bietet der herausgebende Verein 
seinen Lesern dar, über die Bodcngcstalt der Mark und ihre» Zustand 
in der vorgeschichtlichen Zeit, über die Wasserverhältnissc und über die 
verschiedenen Flnßlänfe, Luche und Brüche, über die Bewohner in 
Vorzeit und Jetztzeit, über märkische Bauernhäuser und ähnliches. 
Neben historischen und kulturgeschichtlichen Hinweisen ist bei den ein 
zelnen Schilderungen auch auf die gewerbliche Thätigkeit der Bewohner 
und ans besonders hervortretende Industriezweige der betreffenden Orte 
Rücksicht genvnimen worden, wodurch das Werk einen dauernden Werl 
erhält. Sicherlich ivird das Buch Anklang in de» weitesten Kreisen 
des märkischen Volles finden, vor allein wird es ei» Lieblingsbnch der 
heranwachsenden Jugend werden. G. A. 
Die Freunde des „Bär" 
bitten wir, unserer Zeitschrift in ihren Bekanntenkreise» 
Eingang zu verschaffen durch Benutzung der Sldressenlistc, 
die wir dieser Nummer beigelegt haben. Ter vielseitige 
Inhalt des „Bär" und die vortrefflichen Illustrationen 
rechtfertigen unsere Bitte, deren Erfüllung den Lohn in sich 
trägt, das? dadurch eine gute, Geist und Geschmack bildende 
Lektüre immer weiteren Kreisen zugänglich gemacht wird. 
«eraiiiniorttlckier Redakteur: Dr. M. Soliicintfliio Berti». — Truck und Beriaq: Friedrich Schirmer, Berti» SW Rcueuburger Striche Hu.
        
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