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Periodical volume Sonnabend, 24. März 1900 Nr, 12

Full text: Der Bär Issue 26.1900

kommen — und dann verdient dieser eben nichts besseres als 
das seiner harrende Schicksal — einzig und allein in ihrer 
Schnelligkeit liegt. 
Wie oft diese ihnen freilich im Ernstfälle wirklich zum Siege 
verhelfen wird, ist eine Frage, die 
— wie auch sehr viele andere auf 
diesem Gebiete — vrläufig noch 
nicht beantwortet werden kann. 
Die deutsche Flotte unter 
scheidet neben den eigentlichen 
Torpedobooten noch sogenannte 
„V"-Boote (Divisionsboote), die, 
etwas größer als die übrigen, 
als Führerschiffe eines Ge 
schwaders (Division genannt) von 
je sechs Booten dienen. 
Es seien, um einen Begriff 
'von den scharfen, fast über 
schlanken Linien dieser Fahr 
zeuge zu geben, die Dimensionen 
eines derselben hier verzeichnet. 
Das Divisionsboot „D 10" 
beispielsweise besitzt bei einer 
Länge von 64 Metern eine Breite 
von 5,9 Meter — .das Boot ist 
also rund elfmal so lang als 
breit — der Tiefgang beträgt 
2,3 Meter, das Deplacement 
500 Tonnen, und dabei trägt 
das kleine Fahrzeug Maschinen 
von zusammen 5500 H. P., die 
seinen schlanken Körper mit 
einer Geschwindigkeit von fast 
28 Seemeilen (über 52 Kilo 
meter!) durch die Wogen treiben. 
Fertig sind „v 1" bis „v 10", im Bau befindet sich noch 
ein solches Fahrzeug, „D 11". „D 10" ist übrigens das einzige 
Boot seiner Klasse, welches in England gebaut ist. 
Die kleinen Torpedoboote werden analog den V-Booten mit 
dein Anfangsbuchstaben ihres Erbauers und einer Nummer be 
zeichnet, und zwar haben wir „8"-(Schichau)-Boote (Nr. 1—87), 
„0"-(Ger»iania)-Boote (88—97, teilweise noch im Ban begriffen), 
„V"-(Vulka»)-Bootc (1—9, ein solches Boot s„V 6"j war das erste 
Kriegsschiff in Berlin!), 
„Dir" - (Thornykrost) - 
Boote (1 und 2) sowie 
noch einigeEinzelbauten 
der Weser-Werft und 
der Kaiserlichen Werst 
zu Kiel („X I"). Zwei 
alte, kleine Spicren- 
boote aus dem Jahre 
1885 beschließen den 
Reigen; sie sind aber 
nicht mehr zu rechnen. 
Unter den besonde 
ren Zwecken dienenden 
Schiffen und Fahr 
zeugen steht die Kaiser 
liche Dacht „Hohen- 
zollern", ein großer 
Aviso von 4228 t De 
placement und 22 
Meilen Geschwindigkeit 
obenan, doch kann von 
einer Beschreibung 
dieses sicher allgemein 
bekannten schönen Schiffes wohl abgesehen werden. Die frühere 
„Hohenzollern", jeyt „Kaiseradler" genannt, gehört ebenfalls 
hierher, kommt aber als Raddampfer mir noch für den Friedens 
dienst in Betracht. Auch ist das 1700 t große Fahrzeug 
Kaiser Wilhelm der Grotze. 
Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd. 
Harht Hohenzollern in Norwegen. 
mit 16 Meilen Geschwindigkeit für heutige Verhältnisse zu 
langsam. 
AIs Hafenwachtschiffe finden wir hier auch die alten 
Panzerschiffe „Friedrich der Große", „Preußen", „Kron 
prinz" und „Friedrich Karl" 
wieder, von denen der letztere 
speziell noch als Torpedo-Depot- 
schiff dient. Auch der einzige 
Monitor der deutschen Flotte, 
der noch ans dem Jahre 1864 
stammende „Arminius", ein 
Fahrzeug von 1623 t, findet 
als Hafen schiff Verwendung. 
Vermessungsfahrzeuge für 
Ost- und Nordsee sind die alten 
Kanonenboote „Möwe" und 
„Albatroß", während der 1890 
erbaute 2360 t große Dampfer 
„Pelikan" als Transport 
schiff dient. 
Unter den übrigen kleinen 
Booten und Fahrzeugen für 
Hafen- und Lotsendienst rc. ver 
dienen »och vier Segelkuttcr 
besondere Erwähnung. Es sind 
dies der „Komet" (früher 
„Meteor"), „Lust", „Liebe" 
und „Wille". Wie die Ka 
vallerie-Offiziere der Armee be 
rufen sind, im Reitsport an 
der Spitze zu marschieren, so soll 
der Seeoffizier in dem für unsere 
modernen Marinen überaus 
wichtigen Segelsport tonan 
gebend sein, und um auch weniger 
bemittelten Herren Gelegenheit zu geben, diesen Sport zu pflegen, 
hat die Marine diese drei stattlichen Fahrzeuge erbauen taffen. 
Die großen Schnelldampfer der Handelsmarinen können der 
Kriegsflotte unter Umständeü sehr gute Dienste leisten. Ihre große, 
noch immer im Wachsen begriffene Geschwindigkeit, die bei dem 
„Kaiser Wilhelm der Große" und dem „Kaiser Friedrich III" 
schon 22 Knoten betrügt und bei der neuen „Deutschland" der 
Hambnrg-Amerika-Linie sogar ans 23 Knoten bemessen ist, macht 
sie recht geeignet für 
den Anfklarnngs- und 
Vorpostendienst, und 
auch als leichte Kreuzer 
lassen sie sich recht gut 
verwenden. Freilich 
in einen Kampf mit 
Panzerschiffen oderauch 
nur mit Panzerdeck- 
Schissen können sie sich 
nicht einlassen, vor 
allem schon, weil ihre 
gänzlich ungeschützt bis 
über die Wasserlinie 
emporreichende Ma 
schine durch eine ein 
zige Granate zerstört 
werden kann. 
lieber die Armie 
rung, welche die oben 
erwähnten neuesten 
Hilfskreuzer erhalten 
werden, ist Genaues 
nicht bekannt. Die 
älteren, und zwar speziell die beide» bekannten schönen Schnell 
dampfer der Hamburg-Amerika-Linie, „Fürst Bismarck" und 
„Augusta Viktoria" führen im Kriegsfälle je acht lange 15 cm 
Geschütze, vier lange 12,5 cm, zwei 8,8, zwei 5,7 cm Schnellladcr 
Sviso Heia.
        
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