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Periodical volume Sonnabend, 17. März 1900 Nr, 11

Full text: Der Bär Issue 26.1900

Verantwortlicher Redakteur: I)r. M. Folticineano Berlin. — Druck und Verlag: Friedrich Schirmer, Berlin SW Neneiivnrger Straße 14a, 
Bestellgeld erhoben. Die Briefe dursten 5 /i Lot wiegen und wurde» für 
1 Silbergroschen auch in die nächste Umgebung Berlins (bis 2 Meilen 
Entfernung) befördert,' bei 2 bis 4 Meilen kosteten sie l 1 /,, bei 4 bis 
7 Meilen 2 Silbcrgroschen, bei 7 bis 10 Meilen 27 2 Silbcrgroschen, 
bei 10 bis 15 Mellen 8 Silbergroschen, bei 20 bis 30 Meilen 5 Silber 
groschen, und von da ab für 5 Meilen je 1 Silbcrgroschen mehr, so daß 
man für einen Brief nach Köln nicht weniger als 16 Silbergroschen Porto 
zahlen mußte. Trotz dieser hohen Portosätze war der Briefverkehr sehr 
lebhaft, wenn man die damalige Einwohnerzahl berücksichtigt. Im 
Komponist Groben -Hofmann. 
Jahre 1828, dem ersten der Berliner Stadtpost, wurden 231000 Stadt 
briefe befördert, 1829 bereits 320000 Stndtbriefe. Im Jahre 1831 liefen 
5 Millionen Briefe in Berlin ein — für die damalige Zeit' ein überaus 
stattlicher Verkehr, der den sonst so kritischen Berlinern die anerkennende 
Bemerkung abnötigte, daß das Postwesen unter dem Gcneralpostnicister 
von Nagler „beinahe nichts mehr zu wünschen übrig lasse." —e. 
Bei den Kelten war Anfang 'des ersten Jahrhunderts v. Chr. 
das Bier unter dem Namen „Korma" noch das eigentliche Volksgetränk, 
während die oberen Klassen schon den Wein von Massilia tranken. 
Auch später wird das keltische Bier nicht selten erwähnt; es erhielt sich 
in Nordfrankreich, Belgien und den britischen Jvscln während des 
römischen Kaiserreiches bis zum Mittelalter und von da 6t§. auf den 
heutigen Tag. Kaiser Julian, der cs mit eigenen Augen gesehen 
und geiviß auch mit eigener Zunge gekostet hatte, der aber an der 
klassischen Denkart und Sitte hielt, verhöhnte den Pariser Psendo- 
Bäcchus in einem Epigramm: 
Auf den Wein aus Gerste. 
Du willst der Sohn des Zeus, willst Bacchus sein? 
Was hat der Nektarduftende geinein 
Mit Dir, mein Bock? Des Kelten Hand, 
Dem keine Traube reift im kalten Land, 
Hat ans des Ackers Frucht er Dich gebrannt. 
So nenne Dich auch nur nach Demeter und nicht nach Bacchus. 
Der ist geboren aus des Himmels Glanz, 
Der Feuergott, der Geistge, fröhlich Laute, 
Du bist der Sohn des Malzes, der Gebkaute. 
Wortspielereien in Grabschriften. In ?lnkȟpfung an die 
Berliner Grabschriften neuer (Nr. 47) und alter Zeit (Nr. 50) noch 
einige andere ans preußischen Landen! In der Marienkirche zu Stendal . 
stehen (standen?) auf eineni Lcichcnstcin folgende Worte: „O Leser! 
Bei dem Grabe des seligen Jakob Aehrcubcrg siehe drei Achren! Dabei 
gedenke dieser dreifachen Ernte! Er ging aus zur Erntezeit zu Bcrcndt 
bei Werben den 2. Julius 1689 und wuchs zur vollen Achre, erfüllt 
mit den Früchten des Geistes. Er neigte sich zu einer Ncbenähre, die 
war Jungfer Anne Sophie Stcchcrian, vereinigte sich mit ihr, daß sechs 
Sprößlinge daraus wuchsen, wovon bald drei verwelkten; drei wachsen 
noch im Segen Gottes. Aber cs folgte eine trübe Ernte, da der knöch-- 
lichte Mäher diese Aehre abhieb. Doch waren bald die Engel Gottes 
da und führten sie als Weizen in Gottes Scheuer den 11. Julius 1732.'< 
— Die Pfarrkirche zu Tangermünde soll folgende Grabschrist zeigen: 
„Der Hochwohlgebohrne Georg Ernst von Röhl, König!. Prenß. Fahnen 
junker, ward geboren den 18. August 1713, zur geistlichen Ritterschaft 
wohl angeführt, erlangte zu Kriegsdiensten wunderbare Geschicklichkeit. 
Aber der König, aller Könige nahm in der Martinwoche 1728 eine selige 
Revue mit ihm vor, da er nicht in 3 Monaten exerziert, sondern in 3 Tagen 
schwerer Krankheit seine Exerzitien der Buße, des Glaubens und der 
Hoffnung wohlgemacht." — In der Kirche von Salzwedel soll ein 
Leichcnstcin diese Aufschrift führen: „Eile nicht, Wandersmann, als (wie) 
auf der Post: auch die geschwindeste Post erfordert Verzug im Post 
hause. Hier ruhen die Gebeine Herrn Mathias Schützer, König!. 
Preuß. 25 jähriger, unterthänigst treu gewesener Postmeister zu Salz 
wedel. Er kam allhier 1656 als ein Fremdling än. Durch die heilige 
Taufe wurde er in die Postkarte zum himmlischen Kanaan eingeschrieben. 
Darauf reifete er in der Lebenswallfahrt durch Schulen und Akademien 
mit löblichem Verzug. Hernach bei eingetretenem Postamte und anderen 
Berufssorgen bewiest er sorgfältig sein Christcnamt; bei vorkommenden 
Unglückspostcn richtete er sich nach dem göttlichen Troslbriefe. Endlich 
bei seiner Lcibesschwachheit, dem gegebenen Zeichen der Todespost/ 
machte er sich fertig. Die Seele reifete den 2. Juni 1711 hinauf tut 
Paradies, der Leib hernachmalen in dieses Grab. Gedenke, Leser, bei 
dieser Wallfahrt beständig an die prophetische Todespost. Bestelle dein 
Hans/ denn du wirst sterben und nicht lebendig bleiben!" 
Vereins-Nachrichten. 
Märkischer Sängerbund. Berliner Bereinigung. Die nächste 
Liedertafel findet statt am Montag, den 26. März 1900 in den „Konkordia- 
Festsälen", Andreasstraße 64. Probe Donnerstag,, den 22. März er., 
abends 9 Uhr, im Restaurant Krebs, Ohmstraße 2 (Kaiser-Saal). Die 
Gesamtgesänge sind: 1. Gott grüße Dich, Jahrgang 1872, 2. Nachtigall, 
Jahrgang 1900, 3. Du bist mein Leben, Jahrgang 1900, 4. Vom 
Bodensec, Jahrgang 1872. Männergesangvercine, die das 46. Volks 
gesangsfest in Prenzlan als Gäste mitmachen wollen, sind herzlich will 
kommen und wollen sich beim Vorstand der Berliner Vereinigung des 
Märkischen Sängerbundes, Max Neuniann, Schmidstraße 2, pt., melden. 
Berliner Verein vom Rolen Rreux. In der am 5. März d. I. 
abgehaltenen Generalversammlung des Berliner Vereins vom Noten 
Kreuz gab der Vorsitzende, Herr Kommerzienrat Emil Jacob, ein er 
freuliches Bild der Thätigkeit des Vereins. Die Zahl der Mitglieder 
ist von 1050 ans 1300 gestiegen, demgemäß sind die Kasscnverhältnisse 
befriedigende. Die Hauptausgabe des Vereins bildete die Anschaffung 
von Ausrüstnngs- und Bekleidungsgegenständcn für 100 Erkrankte und 
Verwundete im Gesamtwerte von 4000 M. Der Verein besitzt heute 
eine pollständige Ausrüstung für 200 Kranke und hofft diesen Er- 
iverbungen auch in diesem Jahre weitere nach Maßgabe seiner Mittel 
folgen zu lassen. Schließlich machte der Vorsitzende die Mitteilung, daß 
die Berliner Tnrnerschaft gegen Ende April d. I. zum Bcsteir des 
Berliner Vereins vom Roten Kreuz ein großes Schauturnen mit 
lebenden Bildern im Zirkus Busch, der um diese Zeit frei sei, ver 
anstalten werde. Der Vorstand der Berliner Turncrschaft bezwecke durch 
diese Veranstaltung, die Blicke weiterer Kreise auf die im ganzen zu 
wenig beachtete Thätigkeit der Turnerschaft im Dienste des Volksivohls 
zu lenken, und der Vorstand habe dieses hochherzige Anerbieten der 
Berliner Turner mit großem Dank angenommen. In der unmittelbar 
auf die Generalversammlung folgenden konstituierenden Sitzung wurde 
einstimmig das Präsidium in seiner bisherigen Zusammensetzung wieder 
gewählt und zwar Herr Kommerzienrat Emil Jacob zum ersten Vor 
sitzenden, Herr Kommerzienrat Kcttner, Major a. D., zum stellvertretenden 
Vorsitzenden, Herr Polizeidircktor Maurer, Hanptmann a. D., zum 
Schriftführer, Herr Kommerzienrat Ferdinand Manheinier zum Schatz 
meister und Herr Bankier Fritz Behrens znm Stellvertreter. 
Vttchertisch. 
Plattdütsch Leederbok. Rntgebcn von den Allgem. Plattdütschen 
.Verband. Viert Up lag': Preis 75 Pf. Verlag: Hilfsvercin 
deutscher Lehrer, Berlin dl., Lottnmstraßc 10. 
Durch diese Sammlung kerniger niederdeutscher Lieder, die der 
Allgemeine Plattdeutsche Verband herausgegeben hat, ist dcti platt 
deutschen Landsleuten Gelegenheit gegeben, in frohen Kreisen auch in 
den Lauten ihrer „Mnddcrsprache" frohe und ernste Weisen ertönen zu 
lassen. Eine Notetibeilage für die nicht allgemein bekannten Melodien 
erhöht die Zweckmäßigkeit des Büchleins, das durch den Verlag „Hilfs 
verein deutscher Lehrer", Berlin dl., Lotttimstraßc 10, für den 
Preis von 75 Pf., sowie durch jede Bnchhaudlitng zu beziehen ist. 
Abrif; der Bnrgenknnde von Hofrat Dr. O. Piper. Sammlung 
Göschen. Nr. 119 in elcg. Livbd. 80 Pfennig. 
Der als erste Autorität auf dem Gebiete der Bnrgcnkunde an 
erkannte Verfasser bietet eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse 
feiner Studien. 
Bei dem wachsenden Interesse, das in neuerer Zeit unseren 
Burgresten entgegengebracht wird, mag das Büchlein, das als 
selbständiges Werk auch neben der größeren „Bnrgenknnde" des Ver 
fassers seinen Wert hat, vielen willkommen sein, die sich nur über die 
Grundzüge dieses ForschnitgSgebietes ausreichend und vor allem aus 
zuverlässiger Quelle belehren wollen. 
Theodor Fontane: Aus England und Schottland. Reise- 
bilder. Geh. 6 M., geb. 71. Verlag von F. Fontane & (So.,. 
Berlin W. 85. 
In der Vorrede zum 1. Band seiner „Wanderungen durch die 
Mark" sagt Theodor Fontane: „Erst die.,Fremde lehrt uns, was wir an 
der Heimat besitzen. Das hab ich an mir selber erfahren, und die ersten 
Anregungen zu den Wanderungen durch die Mark sind mir auf 
Streifereien in der Fremde gekommen." Diese „Streifereien in det 
Fremde" nun sind es, die der Dichter in den beiden, hier in einem 
Baude vereinigten Büchern mit unvergleichlicher Anmut und dem ihm 
eignen Sinne für alles Landschaftlich-Schötie, Historisch-Merkwürdige und 
Menschlich-Rührende beschrieben hat, und auch nach dem Tode des Ver 
fassers werden seine vielen Verehrer mit Freude nach diesem Jugeud- 
werke greife», aus dem die ganze jugendliche Frische und Empfänglichkeit 
des Dreißigjährigen hcraus'leuchtet.
        
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