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Periodical volume Sonnabend, 10. März 1900 Nr, 10

Full text: Der Bär Issue 26.1900

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mir bic beiden Porträts deS deutschen Reichskanzlers und des 
jungen Fürsten Hohenlohe; in allen andern sieht inan, ivie ein 
Talent all den Konzessionen, die sein Publikum verlangt, ini Begriff 
ist, zu Grunde zn gehen. 
Nach Jahren znm erstenmal begegnet nlis wieder Leo von König 
mit einer Reihe von znm Teil sehr gute» Bildnissen und Genre 
bildern, die zeigen, das; seine Entwicklung einstweilen ganz un 
persönlich in, Sinne der modernen französischen Kunst vor sich geht. 
Die früher als „November-Vereinigung" ausstellende. 
Gruppe zeigt eine kleine AuSstellnng» in der eigentlich mir Philipp 
Frank interessiert, Dettmann aber hart enttäuscht. 
Bei Gnrlitt ist das fesselndste eine Anzahl Landschaften deS 
Müncheners Fritz Baer, die zum Teil sehr schön sind, bei denen 
die allzu robuste Technik aber oft den Genuß recht beeinträchtigt. 
Einige Zeichnungen und Lithographien der Dresdnerin 
Marianne Fiedler zeigen eine intim empfindende Künstlerin von 
starkem Talent. 
und mitempfnnden. Voll zärtlicher Freude blickt die ^Mutter zn 
dem drangvollen Sprößling hinab, der sich ans ihrem Schoße sehr 
natürlich räkelt und aus kindlicher Gewohnheit die Finge, in den 
Mund steckt. Das durch das Umherrutschen verschobene Hemd läßt 
die besonders gelungenen quellenden Formen, die Fettpolster der 
Beinchen sehen. In der ausgesprochenen Beleuchtung treten vielleicht 
Berliner Chronik. 
Am 26. Februar starb in Potsdam im 94. Lebensjahre der Wirt 
liche Geheime Rat Dr. Wiese, der sich um das höhere Schnliveien 
hervorragende Verdienste erworben hat. 
Am 28. Februar starb der Generalleutnant Graf v. d. Grobe». 
Am I. März feierte der Obermeister der Berliner Fleischer-Innung, 
Moritz Schmidt, sein 2.',jähriges Meisterjnbilänm. 
Ter Geschichtsmaler Professor Bernhard Plockhorst feierte am 
2. Mär; seinen 75. Geburtstag; er übt seit 1869 seine künstlerische 
Thätigkeit in Berlin ans. 
Ter Privatdvzent für Archäologie, Professor August Kalkmann, 
ist zum nnstervrdenllichen Professor der Berliner Universität ernannt 
worden. 
Tie zmeihlindertjährige Jubelfeier der Akademie der 
Wissenschaften wird am 19. und 20. März gefeiert werde». Der 
eigentliche Festakt findet am 19. März im Weiße» Saale des könig 
lichen Schlosses statt. 
w Balinfiamp. Der Arbeiter und sei» Sohn. 
sprechend durch das liebevolle Eingehen ans jede Einzelheit, der 
sprechende Ausdruck des Knabenkopfes ist für den Vorwurf sehr 
bezeichnend, ebenso die Haltung des ausgestreckten Armes, die 
der jugendlichen Gestalt einen pathetischen Ernst verleiht. In der 
Gruppe Gomanskqs offenbart sich große Innigkeit der Ausfassnng. 
Ohne Zweifel ist der geureliafte Vorgang vom Künstler miterlebt 
Kleine Mitteilungen. 
Luisens Bannt. Tie Königin Luise pflanzte im Jahre 1799 zn- 
samnien mit ihrem Gemahle Friedrich Wilhelm III. von Preuße» tut 
Garten des Kanzlers Hossmann zu Dieskau einen Ahornbaum. Dieser 
Baum verdorrte plötzlich im Jahre 1806 und blieb kränkelnd und 
trauernd bis znm Jahre 1813; da gewann er int Frühling neues Leben 
und grünte mit verjüngter Kraft, gleichsam ein Bild der damaligen 
Zeit Preußens. Als der Bräutigam der Prinzessin Charlotte, der 
russische Großfürst (spater Kaiser) Nikolaus im Herbst von 1816 nach 
Berlin kam, wurde der Braut auch ein im schönsten Blätterjchmuck 
prangender Kran; von diesem Baum überreicht. 
Die Gruppen auf dem Andreasplatz in Berlin. 
^s ist für die fortschreitende Bethätigung der öffentlichen Kniist- 
S? pflege von Bedeutung, wenn Staat und Bürgerschaft dem Bild 
hauer nicht nur die Hand reichen, tun das Andenken politischer 
Ereignisse und großer Männer zn ehren, sondern auch lediglich, um 
öffentlichen Plätzen und Anlagen eine Zierde zn schaffen, deren 
Herstellung nicht an den schwierige» Apparat großer Monumental 
bauten gebunden ist, und der genrehasten Erfindung den weitesten 
Spielraum gewährt. Die Reichshauptstadt bereichert sich von Jahr 
zn Jahr mit dein Schmucke »euer Denkmäler. Ans dem Andreas 
platz steht eine monnmentale Gartenbank, die durch ihren bild- 
hanerischen Schmuck bemerkenswert ist. Der Entwurf von Banrat 
Blankenstein zeigt drei miteinander verbundene Rondels. An der 
durch Trnppenstnfen erhöhten tiefer liegenden Rische zieht sich eine 
Steinbank entlang. Wo die konkaven Wände abschließen, erheben 
sich auf breitem Postamente plastische Gruppen von den Bildhauern 
E. Gomansky und W. Haverkainp. Das Haverkampsche Bild 
werk knüpft direkt an die Umgebung des Industrieviertels an, es 
verherrlicht die Schönheit, die ans Kraft und Arbeitsfleiß empor 
blüht. So blickt der Junge voll Bewiiudernug zu seinem Baker 
ans, den er mitten in seiner harten Arbeit besucht, um ihm das 
Mittagessen zn bringen. Voll Verlangen streckt er die Hand ans 
nach dem Hammer, den die nervige Faust des Schmieds umfaßt, 
wie wenn er keinen sehnlicheren Wunsch hätte, als „groß zu sein" 
und ebenso den Hammer zn schwingen wie der Vater. Die Aus- 
führnng der Figuren in Tyroler Marmor wirkt insbesondere au- 
E. Goumusky. Mutter und ttind. 
einige Härten zn stark hervor, während Partien, die im Halbto» 
und Schatten liegen, wie die linke Hand der Mutter, alle Fein 
heiten der Modellierungen erkennen lassen. Gomansky war Schüler 
von Professor Siemering und unterstützte de» Künstler bei seinen 
großen Schöpfungen, dem Siegesdenkmal in Leipzig, dem Washiuglon- 
Mvnnment in Philadelphia und dem Lutherdenkmal in Wittenberg, 
indem er mehr und mehr selbständig arbeitete. Haverkainp genoß 
seine Ausbildung» bei Professor Schaper, gewann 1889 den großen 
Staatspreis zn einer zweijährigen Studienreise nach Italien und 
schuf neben Reliefs und Skulpturen für den Altar der Lutherkirche 
in Berlin die Apostelfignreu Petrus und Paulus für die Kaiser 
Wilhelm-Gedächtuiskirche, ferner ein Bismarckdenkmal für Planen 
und eine Statue Friedrichs des Großen für Rathenow.
        
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