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Periodical volume 30.Dezember 1899 Nr, 52

Full text: Der Bär Issue 25.1899

m Kupfer getrieben worden. Auch die Figur des >eg»enden Christus, 
die beim Hiuaufwiuden verunglückt war, ist wiederhergestellt worden. 
Dem Schriftsteller Dr. Georg Voß ist vom Grobherzog von 
Weimar der Profcssortitel verliehen worden. 
Das Palais des Fürsten Pleß, Wilhelmstraße 78, das der jetzt 
76jährige Fürst 1873—1876 erbauen liest, ist zum Verkauf gestellt. 
Märkische Chronik. 
Mariendorf. Der Prediger Ferdinand Richter ist aus Anlast 
seines 50jährigen Amtsjubiläums von der Theologischen Fakultät in 
Berlin zum Ehrendoktor ernannt ivorden. 
Stralau. Die Spreetunuelbahn, die vom Schlesischen Bahn 
hof nach Treptow fährt, wurde am 18. Dezember dssiu Verkehr 
übergeben. 
Teltower Kanal. Der Teltower Kreistag hat die Vorlage über 
den Teltower Kanal einer Kommission zur Vorbereitung überwiesen. 
Nack der Vorlage hat der Staat das Recht, vom zehnten Jahr der 
Eröffnung au den Kanal gegen 60"/„ der Herstellungskosten vom Kreise 
zu kaufen. Es regt sich eine starke Opposition gegen den Kanalbau, der 
den Teltower Kreis finanziell schwer belasten würde, namentlich in 
Friedenau, Wilmersdorf und Schmargendorf, die aus dein Kanal keinen 
unmittelbaren Vorteil ziehen können. 
Deutsch-Wilmersdorf. Die Gemeindevertretung hat einstimmig 
beschlossen, bei der Stnatsregiernng um Verleihung der Stadtrechte 
nachzusuchen. Wilmersdorf zählt mehr als 25000 Einwohner. 
Maler und Knnstschriftsteller Hugo Ernst Schmidt. — 3. Augusts 
Vcrlagsbuchhändler Reimund Mitscher. — 6. August: Landschafts 
maler Professor August Nothnagel (im78. Lebensjahr). — 19. August: 
Professor William Pierson, Geschichtsschreiber. — 8. September: 
Ferdinand Hirschwald, Bcrlagsbuchhändler. — 8. September: Pro 
fessor Wilhelm Amberg, Genre- und Porträtmaler zim 77. Lebens 
jahr). — 12. September: Vcrlagsbuchhändler Moeser. — 17. Sep 
tember: Schriftsteller Rudolf Kneifet. — 30. September: Karl Ruß, 
Naturhistoriker und Ornithologe. — 30. September: Kunsthistoriker Pro 
fessor Dr. Dobbert. — 6. Oktober: Professor Gustav Fcckcrt, Litho 
graph (im 80. Lebensjahr). — 15. Oktober: Dietrich Reimer, Vcr 
lagsbuchhändler (im 82. Lebensjahr). — 21. Oktober: Professor Albert 
Ben ecke, früherer Direktor der Sophienschule (im 74. Lebensjahr). — 
28. Oktober: Schriftstellerin Franziska von Kapff-Essenther (stürzte 
sich aus dem Fenster). — 11. November: Professor August Flohr. — 
15. November: General der Jnfnuierie Theodor von Stichle (im 
76. Lebensjahr). ,— 17. November: Justizrat Dr. Horwitz, langjähriger 
Stadtverordneter. — 4. Dezember: Stadtverordneter und Zeitungsvcrleger 
Leopold Ullstein. — 7. Dezember: Gräfin Oriola, Palastdame der 
Kaiserin Augnsta. — 16. Dezember: Seuatspräsident Wi lhelm Rommel 
(im 62. Lebensjahr). 
Kleine Mitteilnnnen. 
Dahlem, das kleine Dörfchen in der Nähe der Reichshauptstadt, 
hat sich seine dörfliche idyllische Ruhe auch ins zwanzigste Jahrhundert 
hiuübergerettet. Es ist bisher von der Bauspckulativn verschont ge- 
Prikchard Street in Johannesburg. 
Berliner Totenschau des Jahres 1899. 
31. Januar: Schriftstellerin Elise Freiin von Hohenhausen 
(im 87. Lebensjahre). — 3. Februar: Anialic Joachim (Deutschlands 
hervorragendste Lieder-und Oratoriensängerin). — 6. Februar: Reichs 
kanzler Graf Eaprivi (auf Skyren bei Krossen, im 68. Lebensjahr). 
— 15. Februar: Bildhauer Hermann Friedrich Wittig (im 80. Le 
bensjahr). — 18. Februar: ,Kommerzienrat Otto Dcllschau (im 
65. Lebensjahr). — 20. Februar: Oberstabsarzt und Schriftsteller Karl 
Lange, Pseudonym Philipp Galen (im 86. Lebensjahr zu Potsdam). 
— 14. März: Professor Heymann Steinthal (ini 76. Lebensjahr). 
— 14. März: Ludwig Bambergcr, Parlamentarier und politischer 
Schriftsteller (im 76. Lebensjahr). — 16. März: Schauspieler Hermann 
Müller von, deutsche» Theater (erschost sich im Grnnewald). — 30. März: 
General der Artillerie Justus von Drcsky (im 81. Lebensjahr). — 
31. März: Juliane Dvry (Schriftstellerin, stürzte sich aus dem Fensterj. 
— 21. April: Professor Heinrich Kiepert, Geograph und Kartograph 
(im 81. Lebensjahr). — 22. April: Professor Friedrich Junge, 
Direktor des Friedrich Werderschcn Gymnasiums. — 27. April: Raffaöla 
Pattini, Opernsängerin (im 34. Lebensjahr). — 2. Mai: Eduard 
von Simson, Reichstags- und Reichsgcrichtspräsidcnt (im 89. Lebens 
jahr). — 16. Mai: Gymnasialdirektor a. D. Wilhelm Schwartz (im 
78.Lebensjahr). —18. Mai: GeheimerOber-PostratDr. Otto Damback. 
— 8. Juni: Landschasismnlcr Professor Otto von Kameke. — 11. Juni- 
Bildhauer Gustav Adolf Landgrebe. — 14. Juni: Ballett-Komponist 
Peter Ludwig Hertel. — 19. Juni: Prediger August Rust (im 
87. Lebensjahr). — 28. Juni: Schriftsteller Karl Homann (ertrank 
in der Havel bei Sakrow). — 9. Juli: Oberpräsident Heinrich von 
Achenbach (zu Potsdam im 70. Lebensjahr). — 16. Juli: Jeannette 
Schwerin. — 21. Juli: Bildhauer Gustav Kastan. — 25. Juli: 
blieben, allerdings zum Leidwesen der grundbesitzeudeu Dahlemer Bauern. 
Die Idylle ist keine sclbstgcivählte, sie wird dem stillen Orte durch seine 
Weltabgeschiedcuheit auferlegt, da weder die Eisenbahn noch die Straßen 
bahn dahin führt. 
Jahrhundertfeier. Durch Kabinettsordre vom 11. d. M. hat 
der Kaiser befohlen, daß in alle» Erzichungs- und Unterrichtsanstalten 
am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien die Jahrhundertfeier 
begangen werde. Auch die wissenschaftlichen und Kunstanstalten sollen 
diese Feier zu Ende dieses oder zu Anfang des nächsten Vierteljahres 
begehen. Die Frage, wann das Jahrhundert zu Ende gehe, ist von 
allerhöchster Seite mithin ganz im Sinne der volkstümlichen Ansicht 
entschieden worden, die irrtümlicherweise ein Jahr 0 an den Anfang 
unserer Zeitrechnung setzt. Vor hundert Jahren dachte man am 
preußischen Hofe anders über den Jahrhundertanfang. Das geht ans 
solgendem Brief hervor, den der alte Gleim am 19. Oktober 1800 
aus Halberstadt an die Königin Luise richtete: „Allcrdnrchlauchtigste 
Königin, Allergnädigste Landesmutter! Der alte 81jährige Gleim hörte, 
Ew. Königliche Majestät wünschten einen Gesang zu habe», den Sie 
am ersten Tage des neuen Jahrhunderts dem Allergnädigsten 
Landesvater singen könnten! 
Der alte Gleim, von dieser Sage begeistert, machte solch einen 
Gesang! Halten's Ew. Majestät de», alten Patrioten zu Gnaden! Er 
nimmt sich die Freiheit, den Gesang in Abschrift hierbei zu überreichen 
und dessen Komposition, wenn er allerhöchsten Beifall erhält, und die 
Wahl eines guten Komponisten der allergnädigsten Landesmutter unter- 
thänigst zu überlassen, mit getreuster Devotion ersterbend Ew. königliche 
Majestät unterthänigster Knecht der Eanonicus Gleim." 
Die Königin antwortete dem „alten, würdigen Patrioten" am 
30. Oktober 1800 in einem Dankschreiben, es sei, „als wäre das Lied 
in ihrer Seele gedichtet." Aus dtr Datierung dieser Schreiben geht
        
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