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Periodical volume 16.Dezember 1899 Nr, 50

Full text: Der Bär Issue 25.1899

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Was MIN der Kronprinz in diese», Feldzüge gelernt und er 
probt gefunden, das tonnte er als König alsbald in den schlesischen 
Kriegen bethätigen. Dazu bot ihm gleich die erste große Schlacht, 
welche sozusagen über den Besitz von Schlesien entschied, die 
Schlacht bei Mollwitz (am 
10, April 1741 j, erwünschte 
Gelegenheit. In dieserSckilacht 
bewährte sich die preußi 
sche Infanterie, in welcher 
auch der Generalmajor von 
Kleist befehligte, so vortreff 
lich, daß sie die Scharte 
wieder vollständig auswetzte, 
welche der preußischen Krieger 
ehre durch das schlechte 
Verhalten der Kavallerie in 
empfindlicher Weise geschlagen 
war, — 
Hierüber schrieb der König 
noch vom Lager bei Mollwitz 
aus an den Fürsten Leopold 
von Anhalt-Dessau unter 
anderem folgendes: 
„Mein glük, die Conser 
vation der ungemein braven 
armöe und die Wohlfahrt 
des Landes habe allein 
unßerer unschätzbaren In 
fanterie zu danken, wohrunter 
Sich absonderlich mein 1, ba- 
taillon, Polster'), Winterfeldt, 
Kleist, Leopold, Carel, Dit- 
rich und das 2, bataillon 
glasnap') Sehr Distinguiret 
haben, unsere Jnfantrie 
Sindt lauter Cesars und 
die officiers davon lauter 
Helden) aber die Cavalerie 
ist nicht wehrt, daß sie der 
Teufel holet, kein officir gehet 
mit Sie umZ," 
Den Generalmajor v. Kleist 
aber ernannte der König noch 
auf dem Schlachtfelde von 
Mollwitz „wegen dessen un- 
gemeiner Tapferkeit und Bra 
vour" zum General-Leutnant 
und Ritter des schwarzen Adlerordcns und bald daraus zum Gouverneur 
der Festung Colberg, 
Im zweiten schlesische» Kriege (1744—45) wohnte unser Held 
vor allem der Belagerung von Prag bei, nach dessen Ucbcrgabe 
am 16. September 1744 16 000 Oesterreicher gefangen wurden. 
Im darauf folgenden Jahre ward er zum General der Infanterie 
und 1747 zum Geueral-Feldmarschall ernannt. 
Freilich hat er auch einmal einen Tadel wegen seines auf 
brausenden Wesens von seinem Königlichen Gönner erhalten. Es 
ist noch ein Brief aus dem 
Jahre 1747 vorhanden, des 
Inhalts: 
Mein lieber General 
feldmarschall von Kleist! 
Es ist mir Euer Klage- 
schreiben vom 28, d. wider 
den Obristl, v, Goltz, wegen 
des ohne Euer Vorwissen 
nach Mecklenburg geschickten 
Musquetiers Schnitzen, auch 
wider den in Arrest ge 
zogenen Lieutenant von 
Schwerin wohl behändigt, 
und werde ich Euch darauf 
nächstens Meine Willens- 
meinung eröffnen. Indessen 
bin ich gar nicht zufrieden, 
daß Ihr noch immer Un 
ruhe, Streit und Verdrieß 
lichkeit, oft aus geringen 
Ursachen erreget, denn Ich 
liebe Frieden, Harmonie und 
Gefälligkeit bei denen Regi 
mentern, welches ganz wohl 
zu erhalten ist, wenn man 
nicht in allen Dingen so 
störrig ist und alles mit 
Verdacht anstehet und zu 
Bolzen drehet, was entweder 
nicht so schlimm ist oder 
doch mit guter Art abgemacht 
werden kann. 
Ich bin Euer 
wohlaffectionirter König?) 
Ungeachtet dieses Tadels 
-aber genoß der Generalfeld 
marschall von Kleist um 
seiner andern ausgezeichneten 
Eigenschaften willen des 
großen Königs Hochachtung 
und Liebe. Als er im Mai 1749 schwer erkrankte, besuchte 
Friedrich der Große seinen treu bewährten Diener am Kranken 
bette. Am 22, August desselben Jahres entschlief er im Alter 
von 73 Jahren und wurde im zweiten Gewölbe der dortigen 
Garnisonkirche beigesetzt. 
4 
2 ) von Bvisiern. 
3 ) von Glasenapp. 
4 ) Vgl. v. Orlich, Geschichte der schlesischen Kriege. Bd. I, Urk. E. 329. 
b) Vgl. Prcutz, Urkuudenbnch zu der Lcbensgeschichte Friedrichs des Großen, Teil I, 
S. 67 Nr. 171. 
<t\l ' " 
Pecrilletor) des IZZp. 
Eine Spreewaldgeschichte. 
(Schlich., .. - 
beide abends am Ufer des Flüßchens promenierten, kam von 
MA Burg her ein Kahn in Sicht, hinter dem es auf der Wasserstraße 
in kurzen Zwischenräumen aufleuchtete und schnell wieder dunkel wurde. 
„Sehen Sie dort, Herr Driburg, das Strohfeuer auf dem Wasser," 
rief Marianne und streckte die Hand nach der bezeichneten Richtung 
ans, Driburg blickte durch die Zweige der Bäume auf das flammende 
Spiel und vertiefte sich so in den neuartigen Anblick, daß er kaum ge 
wahrte, wie der Kahn näher und näher kam, wie der letzte Feuerkranz 
erlosch, und das Fahrzeug wenige Schritte vor ihm anlegte, 
„Nh, Herr Feldberg, grüß Gott! schon zurück von der Fahrt?" rief 
plötzlich Marianne und sprang von Driburgs Leite fort zur Landnngs- 
stellc des Kahnes, noch ehe er ihr folgen konnte. Als mich Driburg 
einige Schritte näher getreten, entdeckte er, daß es sein Freund war, 
der von seiner Sprcemnldfahrt zurückkehrte. Er traute seinen Augen 
kaum, als er sah, wie Feldberg und Marianne sich die Hand reichten 
und kräftig schüttelten, Auch die beiden Freunde begrüßten sich an 
scheinend in bester Laune und mit einer gewissen Herzlichkeit Und zu 
Marianne geivcndet, sagte Driburg: „Ihr beide kennt Euch?" worauf 
Feldberg, noch ehe das Mädchen ein Wort gesagt, herausplatzte: „Spaß! 
ich werde doch meine Marianne kennen," wobei er sie lachend in die 
Wangen kniff. 
„Und Du, Freund Driburg, scheinst auch schon Deine Damen- 
beknnntschast um eine schmucke Spreewälderin bereichert zu haben," sagte 
Feldberg nicht ohne einen Anflug von leichtem Spott, den aber der 
Angeredete unbemerkt ließ, 
„Ja gewiß, ich habe das Vergnügen," antworte er, „und ich bin 
sogar noch besser daran denn ich wohne mit Mariannchcn unter einem 
Dach." 
Jetzt machte Feldberg ein langes Gesicht und schwieg. Die ganze 
Gesellschaft lenkte ihre Schlitte dem Dorfkrug zu, um noch geiiicinsam 
einige Schoppen zu leeren. Lei dieser Gelegenheit erfuhr Driburg, daß 
sein Freund nur einige Häuser entfernt sein Heim aufgeschlagen habe, und 
daß er seine täglichen Mahlzeiten in der Krugwirtschaft einnehme. 
Auf Driburg mußte diese Mitteilung einen eigentümlichen Eindruck 
gemacht haben, er wurde schweigsam und schützte plötzliche Abspannung 
vor, um sich mit flüchtigem Gute Racht-Gruß zu empfehlen und sich 
in sein Zimmer zurückzuziehen. —
        
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