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Periodical volume 9.Dezember 1899 Nr, 49

Full text: Der Bär Issue 25.1899

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Naxikän 3Tr5IjIitfj, Führer der „Patria". 
Kribi in Kamerun. 
E ürzlich ging die betrübende Kunde durch die Tagesblätter, daß das 
Missionshaus in Kribi von Eingeborenen geplündert worden sei. 
Ungefähr in der Mitte des Südbczirks von Kamerun liegt in malerischer 
Umgebung die Station Kribi, die insofern die wichtigste des ganzen Bezirks 
ist, als sich dort seit etwa acht Jahren der Sitz der Bezirksverwaltung nebst 
Zollamt, Postagentur, einem Untcrkunftshaus für durchreisende Offiziere 
und Beamte sowie einer Misstonsstation der Pallotiner befindet. Dem 
Bezirksamt liegt außer der Verwaltung des Küstendistrikts noch die 
Versorgung der im Inneren gelegenen Stationen Jaunde und Lolodorf 
mit Proviant, Bargeld und Tauschartikcln ob. Es wird als Depot 
verwendet und dient zugleich als Kommissionär und Spediteur für jene 
Stationen sowie für sämtliche regierungsseitig von dort aus ins Innere 
gesandten friedlichen oder kriegerischen Expeditionen. 
des Missionsterrains ein. Die Zöglinge erhalten nicht nur den Schul 
unterricht, sondern, da sie meist von auswärts sind, auch ihren voll 
ständigen Lebensunterhalt unentgeltlich. In einem großen Garten 
werden sowohl europäische Gemüse gezogen wie auch mannigfache Der- 
uschc mit fremden Nutz- und Zierpflanzen gemacht — kurz, die Anstalt 
hat sich nach jeder Richtung hin als nützlich erwiesen. Etwa 1000 Meter 
von der Hauptmission entfernt und von dieser durch das Eingeborcncudorf 
getrennt, befand sich das Schwesternhaus, worin drei weiße Schwestern 
der Aufgabe walteten, teils früh verwaiste Kirder vor dem Verkommen 
zu retten, teils jungen Mädchen Schul- und häuslichen Unterricht zu 
erteilen. 
Die Bevölkerung des Südbczirks seht sich zusammen aus der Küsten- 
bevölkcrung, den Batangas, Mabcas, Bulis, Nguwbas, JauudeS und 
Baues. Die Batangas, degeneriert durch jahrzehntelangen Alkoholgenuß, 
an den sie lange, bevor die deutsche Schntzhcrrschaft erklärt wurde, durch 
amerikanische und portugiesische Händler gewöhnt waren, liegen haupt 
sächlich dem Fischfang und dem Zwischenhandel ob. Parallel dem 
Küstenstrcifeu, etwa eine Stunde von der Küste, liegen die Ansiedelungen 
der Mabeas, die den Hauptbestandteil der im Sndbezirk beschäftigten 
Karaoancnträger ausmache». Sie waren, bevor der Handel die heutige 
Ausdehnung hatte, vorzugsweise Jäger. Als solche leisten einzelne auch 
heute noch vorzügliches. Sie bedienen sich dabei großer Fangnctzc und 
besonders für die Jagd dressierter einheimischer Hunde, die sie nur un 
gern verkaufen. In der Bewegung der Stämme vom Inneren nach 
dein Meere zu, die sich im Südbezirk fortwährend äußert, sind die Mabeas 
der Prellstein gewesen, an dem sich die Flut der nachdringenden BuliS 
zuweilen staute, vor deren Gewalt aber auch oft die Mabeas bis in 
die unmittelbare Nähe des Meeres und der Ansiedelungen der Weißen 
flüchten mußten. 
Tic Bulis, dem großen Bölkerstamm der M'pangues oder Fan an 
gehörig, bewohnen in der Kamcrnnkolonie das Gebiet zwischen dem 
Kibri- und dem Campofluß. Eine Bereinigung zu einer größeren Ge 
meinschaft unter einen! Stammesoberhaupt giebt es bei ihnen nicht, 
vielmehr zerfallen sic in viele Dörfer, deren jedes seinen eigenen Häupt 
ling hat. Jni Aenßeren von imposanter Gestalt, erwecken sie den Ein 
druck nicht zu unterschätzender Gegner. Stets in Fehde unter sich selbst 
oder mit den benachbarten Ngumbas und Mabcas, mit den Gefahren 
der großen Wälder, die ihre Heinistätten umgeben, vertraut, bilden 
Willkür, Gewaltthätigkeit und Raubsucht die Grundzüge ihres Charakters. 
Das zeigen die in letzter Zeit häufiger gewordenen Räubereien, Ucbcr- 
sälle der nach Buli gesandten Karawanen und mehr als alles der kürzlich 
stattgehabte Ucberfall von Kribi. Mag auch die lange Abwesenheit der 
oben bei Tibati beschäftigten Schutztruppe den Bulis Grund zu der 
Annahme gegeben haben, daß sie vernichtet sei, so ist doch der 
Uebersall einer Küstenstation durch Buschleutc in der kurzen Geschichte 
unserer westafrikanischcn Kolonien etwas Unerhörtes, noch nicht Dä- 
gewesenes und zeugt jedenfalls von der vor nichts zurückschreckenden 
Wildheit der Bulis. — Es muß ein heißer Tag gewesen sein, der 
25. September 1899, an dem die Bulis die am Südufer des Kribislusscs 
gelegene Mission der Pallotiner überfielen, nachdem sie am vorhcr- 
Dir Mislwnsgelmndr (Kirche, Schule und Wohnhäntcr). 
Die in Kribi befindliche Missionsstation der Pallotiner entfaltet seit 
dem Jahre 1892 eine unermüdliche, aufopfernde Thätigkeit auf er 
zieherischem und religiösem Gebiet. Da weder Unruhen noch kriegerische 
Borgänge sich ereigneten, war es ihr vergönnt gewesen, das anfänglich 
nur aus Wohnhaus und Kirche beschränkte Anwesen im Lause der Zeit 
zu ciueni recht stattlichen Gebäudekomplex zu erweitern. Sin großer 
Schlafsaal, in dem etwa 80 Mabea-, Jaunde- und Kribiknaben Unter 
kunft fanden, die große, gut belichtete und dem Seewind zugängliche 
Schule sowie die Werkstätte, in der die Anlage und Neigung zeigenden 
Knaben Unterricht im Handwerk erhielten, nahmen einen großen Teil 
gehenden Tage bereits das Schwesternhaus ausgeraubt und verwüstet 
hatten. Sprnngartig, gleich den Leoparden ihrer heimatlichen Wälder, 
oder schleichend wie die gehörnte Biper der afrikanischen Wiejengrüude, 
bewegen sie sich vorwärts, Kopf an Kopf, die breiten Messer gelockert 
in den mit Schlangeiihaut geschmückten Scheiden. Es mögen wohl 500 
dieser schwarzen, wilden Bestien gewesen sein, die sich heranschlichen, um 
die Station zu überfallen. Bor den im Viereck liegenden Gebäuden 
steht eine dünne Linie Männer, Weiße und Schwarze. Die Stirn ist 
den sich nähernden Bulis zugekehrt, die Faust umklammert die schuß- 
bereitc Büchse. Frhr. v. Massen, die Missionare Patres Schwab und
        
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