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Periodical volume 18.November 1899 Nr, 46

Full text: Der Bär Issue 25.1899

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nis, das die Geschütze der Afrikander weiter reichen als die englischen 
Feldgeschütze. 
Das in den letzten Wochen vielgenannte Ladysmith, die dritte 
Stadt der britischen Kolonie Natal, liegt in mehr als 1000 Meter 
Meereshöhe zu beiden Seiten des Klip River an einer nach Osten ab 
fallenden Berglehne, nur 30 englische Meilen von der Hauptkette der 
Drakenberge entfernt. Die durch eine gute Wasserleitung versorgte 
Stadt zählt 4500 Einwohner und hat ansehnliche öffentliche Gebäude, 
wie das Gerichtshans, das Gefängnis, die Polizcikaserne u. s. f. Wenn 
auch die hier eingeschlossenen Engländer Wassermangel nicht zu furchten 
haben, so pflegt der während der jetzt beginnenden Regenpcriode aus 
seinen Ufern tretende Klip River in der Stadt nicht geringe Zerstörungen 
anzurichten. 
Nur etwa acht englische Meilen westlich von der Grenze Transvaals 
liegt das Städchen Mafeking, das Hauptquartier der Grenzpolizei 
vom britischen Betschuanaland und Station der Buluwayo mit der 
Kapstadt verbindenden Eisenbahn. Rings um das heiß umstrittene 
Mafeking wohnt der Stamm der Barolongs. Vor dem Krieg wurde 
die Stadt von dem Thal des Flusses Marico her versorgt, wo sich 
Transvaalburen angesiedelt, die aus der Bewirtschaftung ihrer Farmen 
ein schönes Einkommen beziehen. 
Aus der Mafeking berührenden Eisenbahn fanden zuerst in diesem 
Kriege gepanzerte Züge Verwendung, die aus einer mächtigen 
Maschine und mehreren Lowries bestehen, deren Seitenwände durch 
Eisenplatten auf eine Höhe von zwei Metern gebracht sind. Jede Lowry 
kann 64 Mann aufnehmen, die sich bei der Handhabung ihrer Gewehre 
der schmalen Schießscharten bedienen, von denen die Seitenwände durch 
brochen sind. Der Lokomotivführer und der Maschinist haben durch die 
Panzerplatten der Lokoniotive gleichfalls hinreichende Deckung und 
erhalten die Signale zum Vorwärts- oder Zurückgehen von dem Führer 
des Zugs mittels Glockenzeichen. 
Dir stärkste Flotte der Welt. 
S lt-Englands Flotte! — Der Stolz jedes Britten, vom Lord hinab 
bis zum hungernden Landstreicher, ist diese Flotte, die die Macht 
und die Größe des Jnselreiches begründet hat, und die sie nun er 
halten soll. 
Wahrlich keine leichte Aufgabe, wenn man berücksichtigt, daß die 
Länder der englischen Krone über die ganze bewohnte Erde verstreut 
liegen, und daß in seinen Kolonien, in seinem ausgedehnten Handel 
und Verkehr die Existenz des Landes wurzelt. 
Eine riesige Flottcnmacht ist es denn auch, die England sich ge 
schaffen hat, eine Macht, die in der ganzen Welt nicht ihresgleichen 
findet, und auch die Boeren werden sic fühlen, selbst ohne vielleicht 
auch nur eins der Schiffe zu sehen, die in Süd-Aftika stationiert sind. 
Gerade in solchen Fällen, in denen die Flotte scheinbar thatenlos an 
den Küsten des Landes umherstreift, zeigt sich sogar oft ihre Macht am 
deutlichsten. 
Englands Flotte besteht aus 45 Schlachtschiffen erster und 23 (älteren) 
zweiter Klasse, von deren ersteren allerdings ein Teil noch im Bau begriffen 
ist. •— Die größten und modernsten Schiffe unter diesen sind die Riesen 
der „Majestic"-Klasse, sowie ihre noch verbesserten Nachfolger der 
„London"- und „Formidable"-Klasse, und cs seien die „London" 
und die hier auch im Bilde ivicdcrgegebene „Majestic" gewählt, um 
dem Leser diese gewaltigen Kolosse zu veranschaulichen. 
Ramc. 
Länge. 
Breite. 
Tiefgang. 
Deplacement. 
Maschinensrärke. 
Gürtel 
panzer. 
Turm- 
panzer. 
Deckpanzer. 
Armiern ng. 
London 
122 w 
23 m 
8,2 m 
14900 Tonnen 
15000 H. P. 
25 cm 
30,5 cm 
10,1 cm 
IV 30 cm, XII 15 cm u. XXX leich 
tere Geschütze. 
Majestic 
119 m 
28 w 
8,6 w 
14900 Tonnen 
12497 H. P. 
22,8 cm 
35,5 cm 
10,1 cm 
IV 30 cm, XII 15 cm, XVIII 7,5 cm, 
XII 4,7 cm, 2 leichtere Geschütze, 
8 Maschinengewehre. 
Die Geschwindigkeit der Schiffe beträgt 17,5 bezw. 11 Meilen 
in der Stunde. 
Wie groß im Verhältnis zu anderen Flotten die Zahl dieser Schlacht 
schiffe ist, gebt wohl am besten daraus hervor, daß Frankreich, die zweit 
größte Seemacht, nur insgesamt 26 Schlachtschiffe besitzt, wobei die 
ältesten Panzer mitgerechnet sind. 
Tie englische Krcuzerflottc besteht aus 51 Kreuzern erster Klasse 
sPanzcrkreuzeriij, von denen vor allen die beiden größten Kreuzer der 
Welt, „Powerful" und „Tcrrible", Erwähnung verdienen. 
griffen: sie erhalten jedoch noch stärkere Maschine» (30 000 H. P.) und 
tollen 23 Meilen laufen. — Es folgen sodann 132, teils durch ein 
Panzerdeck geschützte, teils gänzlich ungepanzertc Kreuzer, sowie 
78 Kanonenboote. 
Die grüßten Kreuzer vom Typ „Hermes" besitzen ein Deplacement 
von 6000 Tonnen bei 10 000 H. P. leistenden Maschinen, die kleinsten, 
sogenannten Floops, vom Typ „Condor" ein Deplacement von 
960 Tonnen bei 1400 H. P. 
Die Kanonenboote komme» als eigentliche Kampfschiffe nicht mehr 
Lin gepanrrrker Lisrnbatzniug aus der Strecke Limbrrley-Mafeking. 
Es sind dies Schwesterschiffc von 152 w Länge, 22 m Breite, 
8,6 m Tiefgang und 14 200 Deplacement, deren Maschinen nicht weniger 
als 25 000 H. P. leisten und den riesigen Kreuzern eine Geschwindigkeit 
von 22 Meile» in der Stunde erteilen. 
Die „Powerful" ist bekanntlich gegenwärtig in Afrika stationiert. 
Vier gleich große Kreuzer desselben Typs sind noch im Bau be 
tn Betracht. Wie in allen Marinen, so legt man auch in der englischen 
großen Wert auf eine starke Torpedoslotte, und es sind allein an 
größeren Torpcdobootsjägcrn 29 vorhanden, von denen die größten bei 
einer Länge von 76,2, einer Breite von 9,3 und einem Tiefgang von 
3,4 Metern ein Deplacement von 1070 Tonnen besitzen. 
Spezialschiffe für die Torpedoflotte sind die Torpedo-Depot»
        
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