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Periodical volume 4.November 1899 Nr, 44

Full text: Der Bär Issue 25.1899

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Wälder und Fenns. An diesem gemeinsamen Besitz hatten auch 
die sogenannten Kossäten Anteil. Die Kossäten oder Kotsaten sind 
die in der „Kote" oder „Kate", ein noch heute gebrauchtes Wort 
für Hütte, „sitzenden", während der Schulze oder Schultheiß der 
ist, der die „Schulden", die der Obrigkeit zu entrichtenden Ab 
gaben, „heischte". Beide Worte haben sich ja bis in unsere Tage 
erhalten. Es herrschte „Flurzwang", d. h. die Bauern mußten 
ihr in jedem der drei Teile liegendes Feld gemeinsam in gleicher 
Art bebauen. Die Kossäten waren von dieser Feldgemeinschaft 
ausgeschlossen, da sie zwar ihre Höse auch an der gemeinschaft 
lichen Dorfstraße liegend hatten, ihr Landbesitz aber außerhalb der 
eigentlichen Dorfflnr lag. 
Die Rechtsprechung war besonderen Dorfgerichten anvertraut, 
an deren Spitze der Schulze stand; er bezog auch ein drittel der 
Gerichtsgefülle. Die Beisitzer waren Bauern, Scabini oder Schöppen 
genannt. Das höhere Gericht, dem die Dorfgerichte unterstanden, 
war das markgräfliche Landgericht. 
Mannigfache Lasten ruhten noch auf den Bauern: der Grund 
zins an den Markgrafen, der „Zehnte" von allen Feld- und Vich- 
erträgen an die Kirche; bald indessen wußten die Markgrafen auch 
diese Abgabe an sich zu reißen. Dazu kam die „Bede", die all 
gemeine Landcsabgabe. 
Ferner waren persönliche 
Dienste zur Unterhaltung 
der Wege, Dämme und 
Berge zu leisten; der im 
Lande reisende Markgraf 
hatte Vorspann zu be 
anspruchen, im Kriege 
mußte ein Hecrwagen aus 
gerüstet werden, und der 
Schulze that Reiterdienste. 
Die Kossäten brauchten 
nur Handdieuste, keine 
Spanndienste zu leisten. 
Im Laufe der folgenden 
hundert Jahre kam es 
recht häufig vor, daß der 
Landesherr in materielle 
Notlage geriet. Er nahm 
dann Darlehen auf und 
verzichtete dafür auf ge- 
wisse Rechte u nd Leistungen, 
die ihm der das Darlehen 
gebende Unterthan schuldig 
war. Er verlieh sie ihm, 
„belohnte" ihn damit. 
Da damals jeder Zins 
verboten war, so mußten 
eben alle Darlehens 
geschäfte in eine Form des 
Kaufs mit Wiederkauf ge 
bracht werden. Natürlich 
entstand durch diese ver 
wickelten Geschäfte eine 
Verwirrung der Besitzver- 
hältnisse, die wiederum zu 
größter Unsicherheit aller 
rechtlichen Zustände führte. 
So war das „Land 
buch", das Kaiser Karl IV. 1375 zusammenstellen ließ, eine wahre 
Wohlthat für die Mark. Seine Boten reisten von Ort zu Ort, stellten 
mit Zuziehung des Kreisvogtes Nachforschungen an, imd die ge 
fundenen Besiyverhältnisse wurden dann ausgezeichnet. Falsche An 
gaben wurden mit Einziehung der verheimlichten Güter bestraft, und 
auf diese Weise wurde eine ziemliche Zuverlässigkeit des Resultates 
erzielt. Das „Landbuch" Kaiser Karls IV. ist so recht eigentlich 
der Vater unserer heutigen gerichtlichen „Grundbücher" geworden. 
Auch über Schöneberg bringt das Landbnch Angaben: das 
Dorf hat 50 Hufen. Mehrere Cöllner und Berliner Bürger haben 
ebenso wie die Nonnen in Spandau und die Rolandsbrüder in 
Berlin Landbesitz oder Rechte auf Pacht und Zins in Schöncberg. 
Der größte Grundbesitzer im Dorfe heißt Parys, er batte auch 
die höhere und niedere Gerichtsbarkeit im Dorfe. Die Mark 
grafen, namentlich Ludwig der Baier, hatten nämlich auch die 
Belehnung mit der Gerichtsbarkeit als einen dankbaren Gegenstand 
zur Erzielung von Darlehnen betrachtet, und 1375 besaß der 
Markgraf von den 90 Dörfern des Teltow gerade noch in zweien 
die hohe Gerichtsbarkeit. 
75 Jahre genügten, um die gesamten Bcsitzverhältnisse in 
Schöneberg umzukehren. 1451 finden mir im Schoßregister: 
„Schonberge haben die Falkenreyde von mcgcu Herrn zu Lehne. 
Die 52 huben uff der Feltmark czinsen »glich 6 bis 8 schepel 
roggen, 6 bis 8 schepel Haber, 8 bis 10 schilling. Der Krnk gibt 
45 groschen. 1 Kosete yst wüste. 6 Koseten geben imsamt 
23 groschen." Während 1375 Recht und Besitz noch auf die ver 
schiedensten Eigentüme- verteilt ist, finden wir nun alles vereint 
in der Hand Falkenrohdes. Dieses Streben, den großen Grund 
besitz der Dörfer mit der Gerichtsbarkeit möglichst in eine Hand 
zu legen, wurde damals von höchster Stelle sehr begünstigt. Dem 
Landesherrn war es lieber, mit einem zuverlässigen Lehnsträger 
zu thun zu haben, als mit vielen Bauern. Aber allmählich 
wandelten sich dadurch die Begriffe, der freie Bauer wurde vom 
Gutsherrn abhängig; die Dienste und Pflichten, die er dein Lande 
zu leisten hatte, wandelten sich in solche, die er dem Lehnsträgcr 
des Landesherr» schuldete, es waren „Hofedienste". 
Mit diesen Besitzen und Lehen wurde auch eifrig Kauf und 
Verkauf getrieben, und so findet sich bald mehrere Generationen 
hindurch Schöneberg in den Händen der Familie von Redern. 
Das wichtigste Ereignis für das Gemeinwesen auf Jahr 
hunderte hinaus geschah 1506: Kurfürst Joachim I. kaust von 
Jaspar von Redern zu Betz das Dorf Schöneberg „zu einem 
rechten ewigen Erbkauf" für die Summe von 1847 Gulden 
26 Groschen. Dieser Besitzwechsel hatte für den dauernden Bestand 
der Besitz- und Rechtsverhältnisse die weitgehendsten Folgen, denn 
hier, wo er selbst „Gutsherr" war, lag es natürlich iin eigensten 
Interesse des Landesherrn, die Bauern- und Kossätenstellen möglichst 
unverändert zu erhalten, »nd so finden wir in Schöneberg noch am 
Alt-Tchönrbrrg. 
Anfange unseres Jahrhunderts eine Reihe von Besitzernamen, denen 
wir schon im 16. Jahrhundert begegnen. 
Als Eigentum des Kurfürsten wurde Schöneberg dem soge 
nannten „Mühlenhof", dem Wirtschaftshofe des Schlosses in Berlin- 
Cölln, zur Verwaltung übergeben. Dieses kurfürstliche „Amt" 
Mühlenhof, auf dem Mühlendamm gelegen, umfaßte die vier 
Wassermühlen der Spree, auf denen die Städte Berlin und Cölln 
und viele Ortschaften der Kreise Teltow und Barnim bei Strafe 
der Konfiskation ihr Korn malen lassen mußten, und bestritt die 
Kosten des landesherrlichen Hofhalts. Kurfürst Joachim II. 
befiehlt in der 1537 erlassenen Hofordnung, daß der Verweser des 
Amtes Mühlenhof für ordnungsmäßige Bewirtschaftung der beiden 
kurfürstlichen Vorwerke und Schäfereien Schöneberg und Wilmers 
dorf zu sorgen habe. 
Nachdem 1539 Joachim II. zu Spandau das heilige Abend 
mahl in beiderlei Gestalt genommen hatte, wurde auch in Schöne- 
berg 1541 mit der allgemeinen Landeskirchenvisitation die Refor 
mation eingeführt. Das Protokoll der Visitation ist zum größten 
Teil im geheimen Staatsarchiv in de' wnen Handschrift des 
Kanzlers Weinlöben erhalten. Es ' 
rech» ärmliche Gemeinde, in der Kirck 
allernötigsten Geräte und Gesäße vorh 
erhielten ein mehr als kärgliches Geha 
der Kurfürst, daß das Dorf Lankwitz 
zugeteilt werden solle. Zu den Pfarrl 
dann einen Teil, Schöneberg als mr* 
(Sin weiterer 
chöneberg als eine 
gerade eben die 
arrer und Küster 
stimmte überdies 
ls Filialkirche 
»kwitz als filia 
’ beizutragen.
        
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