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Periodical volume 4.November 1899 Nr, 44

Full text: Der Bär Issue 25.1899

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von Baumaterial, Wirtschaftsabfällen, Tierknochen und Pflanzen 
teilen bildeten wiederum eine Erläuterung zu diesen Darstellungen. 
Einen breiten Raum nahmen die Fundstücke ans vorgeschichtlichen 
Grabstätten ein. Neben plastischen Darstellungen von Hünen 
gräbern, Grabkammern und Steinsetzungen sah man hier die ver 
schiedensten Formen von Urnen, von der großen glatten, aus 
grobkörnigem Thon freihändig hergestellten germanischen Leichenurne 
Waffen und Bücherwerke ans dein 16. und 17. Jahrhundert. 
bis zum kleinen, zierlich gedrehten und hübsch verzierten wendischen 
Beigefäß, ferner Steinwaffe» und Steingcräte, Bronzeschmucksachen 
und Bronzewaffen, eiserne Geräte und Waffen. Reben dem Leichcn- 
brand und den Schlacken der vorslavischen Gräber waren die 
Schädelreste und Skelettteile der 
wendischen Grabstätten vor 
handen. An den Wänden ent 
lang lagen die größeren Fund- 
stücke, wie Mahltröge »nd Mühl 
steine, Kähne (Einbänmei und 
Ruderstangen, Pfähle aus Pfahl 
bauten und Befestigungen, Opfer- 
steine und dergl. In einigen 
Schränken waren Funde aus dem 
übrigen Deutschland und dem 
Auslande aufgestellt, um als 
Objekte zur vergleichendenKultur- 
gefchichte zu dienen. 
Die letzte Abteilung des 
Museums, in einem Zimmer nach 
der Scharrenstraße zu, umfaßte 
die anthropologische und 
geologische, sowie die bo 
tanische und zoologische 
Sammlung, in welche die Ab 
bildung auf Seite 699 einen 
Einblick gewährt. Hier waren 
einerseits die Funde untergebracht, 
welche der Urzeit der Mark 
Brandenburg angehörten, fossile 
Ueberreste ans dem Tier- und 
Pflanzenreich, Gesteinsbildungen 
und Versteinerungen, andererseits 
Proben von Erdschichten und 
Gesteinen und Exemplare der in 
der Mark vorkommenden bezw. 
vorhanden gewesenen Tiere und 
Pflanzen. Neben Knochen und 
Zähnen vom Mammut sah 
man solche vom Höhlenbären 
und Rhinoceros, neben dem Schulterblatt des Walls hing das 
Geweih des Riesenhirsches und des Elchs oder das Gehörn 
des Urrindes, neben Echiniten und Belemniten lagen fossile 
Schnecken und Muscheln, neben riesigen Gletschertöpfen kleine 
Schwalbensteine und Hexenschüsseln u. s. f. Die zoologische Samm 
lung umfaßte alle Arten märkischer Tiere in ausgestopften oder 
getrockneten Exemplaren, in Spirituspräparaten oder Skeletten, die 
botanische Sammlung ein umfangreiches Herbarium, 
sowie Abbildungen und Präparate der verschiedensten 
Pflanzen. 
Alles, was die Mark Brandenburg in prä 
historischer und kulturgeschichtlicher, in naturwissenschaft 
licher und anthropologischer Beziehung aufzuweisen 
vermag, ist im Märkischen Museum mit großem Fleiß 
gesammelt und zusammengestellt. Außerdem bildet eine 
ziemlich reichhaltige märkische Bibliothek, in der sich 
sehr seltene Drucke bestndcn, dem Forscher Gelegenheit, 
die einschlägige Litteratur bei seinen Studien benutzen 
zu können. Einzelne Fnndberichte und eine jährliche 
Uebersicht der Erwerbungen und Geschenke werden 
von der Verwaltung des Museums herausgegeben. 
Trotzdem lagert noch eine unendliche Fülle von 
Material in den Schränken und Repositorien der 
Mnseumsregistratur und harrt der Bearbeitung durch 
sachkundige Hand, und es wäre sehr zu wünschen, daß 
der Magistrat der Stadt Berlin endlich dem von Fach 
kreisen so oft geäußerten Verlangen entspräche und in 
das Verwaltungspersonal einige wissenschaftliche Hilfs 
arbeiter einreihte, damit das brachliegende Material 
zum Nutzen der märkischen Forschung verarbeitet würde. 
Die jetzige Verwaltung hat mit inneren Arbeiten, be 
sonders der Sichtung der zahlreichen Eingänge, so viel 
zu thun, daß sie an wissenschaftliche Publikationen nur 
hin und wieder herantreten kann. 
Sobald der Umzug des Märkischen Museums und 
des Gewerbegerichts nach dem Markthallengebände in 
der Ziinmerstr. 90/91 bewerkstelligt ist, wird das Köll- 
nische Rathaus sofort abgebrochen werden, und einige 
Wochen später wird das Getriebe des Verkehrs über 
die althistorische Stätte dahinflnten. Wer indes glaubt, 
daß sich ein freier Platz zwischen der Petrikirche und 
dem Köllnischen Fischmarkl ausbreiten wird, der irrt 
sich gewaltig. Die beiden Häuser au der Ecke der 
Scharrcnstraße und des Petriplatzes bleibe» stehen, 
und den Passanten der Gertrandlcnstraße wird sich 
dann ein Bild darbieten, wie es unsere Abbildung 
des Rathaushofes auf Seile 666 in Nr. 42 des „Bär" 
zeigt. Hoffentlich wird diese Ruine von Alt-Kölln nicht allzulange 
ihre Hinterseite auf die weltstädtisch angehauchte Gertrandtenstraßc 
hinausstrecken. 
Dr. G»stav Albrecht. 
Mittelalterliche Gruppen.
        
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