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Periodical volume 28.Oktober 1899 Nr, 43

Full text: Der Bär Issue 25.1899

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Das Köllnische Rathaus. 
Treppenflur im Märkischen Provinxial-Museum. 
gehalten werden sollten. Die Räume des neuen Köllnischen Rat 
hauses wurden nun teils für besondere Zwecke der Verwaltung 
des Stadtteils Alt-Kölln, teils für private Zwecke verwendet. In 
die oberen Räume wurde die Königliche Serviskommission 
verlegt, und 1730 wurde daneben das Köllnische Gymnasium 
untergebracht, welches beim Brande der Petrikirche sein Heim ein 
gebüßt hatte. Selbst nach der Vereinigung des Köllnischen 
Gymnasiums mit dem Berlinischen im Jahre 1767 blieben die 
untersten Klassen als Köllnische Schule im Rathause zurück. 
Das dritte Stockwerk wurde dann dem Regiment Waldeck als 
Montierungskammer überwiesen und von diesem bis zum Jahre 1806 
benutzt, wo die Franzosen den Bestand an Tuchen, Uniformen und 
Ausrüstungsgegenständen mit fortnahmen. Um diese Zeit (1806) 
war auch die Zivilabteilung des Stadtgerichts einige Monate hier 
untergebracht. Die Kellergeschosse des Rathauses wurden von 
Anfang an bis in die jetzige Zeit an Geschäftsleute als Lagerkeller 
und VertaufSläden vermietet; im Eckkeller an der Gertraudtenstraße 
wurde eine Militärwache, die Köllnische Hauptwache, auch Corps 
de Garde genannt, untergebracht, welche dort bis zum Jahre 1848 
bestand und dann von der Bürgerwehr bezogen wurde. 
Die Städtcordnung von 1808 veränderte die bisherige Ein 
richtung der städtischen Behörden ganz wesentlich und brachte auch 
das Köllnische Rathaus wieder in Benutzung für städtische Zwecke. 
Einerseits wurde die Königliche Seroiskommission in eine städtische 
Servisdepntation umgewandelt, andererseits wurde das Rathaus 
zum Sitze der neugebildcten Stadtverordneten-Vcrsammlnng 
auserschen. In einem Saale des ersten Stockwerks wurde ani 
1. Oktober 1822 die erste Sitzung abgehalten, und als im Jahre 1847 
die öffentlichen Sitzungen der Stadtverordneten eingeführt wurden, 
vergrößerte man den Saal, der nun bis 1870 den Stadtverordneten 
zu ihren Beratungen diente. Die Geschäfte der Servisdepntation 
waren nach und nach so umfangreich geworden, daß eine Ver 
mehrung der Vcrwaltnngsränme nötig wurde, und da außerdem 
die Köllnische Schule zu einem Gymnasium ergänzt werden sollte, 
so beschloß man einen Erweiterungsbau in der Scharrenstraße auf 
zuführen. Die Ratswage wurde 1821 nach dem Petriplatz ver 
legt, wo sie sich jetzt noch befindet. In den nächsten Jahren wurden 
auch die letzten Scharren, mit deren Abbruch bereits 1812 begonnen 
Trcppenflur im Märkischen Provinzial-Musrum. 
Diente hierauf den städtischen und auch militärischen 
Behörden zum Sitz. 
Bot dem Cölnischen Gymnasium nach Einäscherung seines 
Gebäudes von 1730—1768 eine Zufluchtsstätte. 
Gewährte den Stadtverordneten von 1822 bis 1870 
Räume zu ihren Berathungen. 
Ist seit dem Jahre 1870 Sitz der Verwaltung des 
Stüdt. Erlcuchtungswesens." 
er Hauptgrund, weshalb das Rathaus nicht in der geplanten 
Form vollendet wurde, lag außer in dem Mangel an Bau 
geldern auch in der Bestimmung König Friedrich Wilhelms I., daß 
die Sitzunaen der Stadtverwaltung im Berlinischen Rathause ab- 
II. 
worden war, beseitigt, und in den Jahren 1830 und 31 wurde 
ein neues dreistöckiges Gebäude aufgeführt, welches das Gymnasium 
und die Seroisdeputation aufnahm. Trotz der Erweiterung war 
der Raum doch sehr beschränkt; das Gymnasium mußte sich 
beispielsweise für die Freiviertelstnnden mit einem schmalen Schul 
hofe für die Schüler und einer bedeckten Holzgalerie für die Lehrer 
begnügen. 
Im Jahre 1848 war das Köllnische Rathaus am Abend des 
18. März Zeuge eines erbitterten Kampfes zwischen den Auf 
ständischen und dem Militär. Eine gewaltige Barrikade zog sich 
von der Ecke der Gertraudtenstraße quer über den Damm zum 
Eckhause der Breitenstraße; sie wurde hartnäckig verteidigt und 
könnte erst nach heftigem Kartätschenfeuer von den Soldaten ge 
stürmt werden. Dann wurde auch das verbarrikadierte Rathaus 
mit Sturm genommen und alles, was sich widersetzte, niedergemacht. 
Daß hierbei auch mancher Unschuldige getötet wurde, beweist der 
Tod des Studenten von Holtzendorff, welcher sich bei seinem 
Oheim, dem Direktor August voni Köllnischen Gymnasium, zum 
Besuch befand. 
Das Köllnische Gymnasium siedelte 1868 in ein neues eigenes 
Gebäude in der Wallstraße über, und zwei Jahre später verließen 
auch die Stadtverordneten und die Servisdeputierten das Köllnische 
Rathaus, da inzwischen das neue Berliner Rathaus fertig ge 
worden war. In die leerstehenden Räume zog nun die Ver 
waltung des städtischen Erleuchtungswesens ein. Das 
Rathaus wurde innen und außen renoviert, das große Stadt 
wappen wurde damals angebracht und im Vorflur eine Gedenk 
tafel mit folgender Inschrift beigefügt: 
„Das Cölnische Rathaus, mehr als 100 Jahre der 
alleinige Sitz des Magistrats von Cöln bis zu der im 
Jahre 1708 erfolgten Vereinigung mit Berlin, wurde im 
Jahre 1709 abgebrochen und nach der Grundsteinlegung 
durch König Friedrich I. am 8. August 1710 von Grüneberg 
neu erbaut.
        
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