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Periodical volume 14.Oktober 1899 Nr, 41

Full text: Der Bär Issue 25.1899

Verantwortlicher Redakteur: vr. M. Folticineauo, Berlin. — Truck und Verlag: Friedrich Schirmer, Berlin 8W., Neneuburger Strafte Na- 
Märkische Chronik. 
Neuendorf bei Potsdam. Am 18. Oktober wird die in früh- 
gotischen Fornien erbaute neue Kirche, die neben dem alten Gottes- 
Hause steht, in Gegenwart der Kaiserin feierlich eingeweiht werden. 
Britz. DaS Kaiser Wilhelm-Denkmal in Britz wird durch 
den Bildhauer Albrecht ausgeführt werden. Tic Enthüllung ioll am 
22. März 1901 stattfinden. Das Denkmal erhält auf dem Späthschen 
Gelände gegenüber dem Kirchteiche seinen Platz. 
Rirdorf. Neben der Errichtung eines Kaiser Wilhelm-Denkmals 
plant man hier auch ein Denkmal für Kaiser Friedrich. 
Charlotten bürg. In der Gersau in der Schweiz starb am 
30. September der Kunsthistoriker Professor Dr. Eduard Dobbert 
von der Technischen Hochschule. Der Verstorbene war am 25. März 
1839 in Petersburg geboren, studierte in Dorpat, Jena, Berlin und 
Heidelberg Geschichte und widmete sich seit 1869 ganz der Kunstgeschichte. 
Nach längeren Studienreisen habilitierte er sich 1873 in München und 
wurde, noch che er seine Vorlesungen eröffnet hatte, als Professor der 
Kunstgeschichte an die Berliner Kunstakademie und die Bau- und 
Gcwerbeakadcmie berufen. Professor Dobberts Vorlesungen erstreckten 
sich über alle Epochen der Kunstgeschichte. Von seinen Schriften sind 
hervorzuheben: „Das Abendmahl Christi in der bildenden Kunst", 
„Gottfried Schadow" (1887), seine Vorträge über Chr. T. Rauch und 
„zur Entstehungsgeschichte. des Kruzifixes." 
Groß-Lichtcrselde. Die Gemeinde-Vertretung beschloß den An 
kauf des Gutes Werben für Rieselzwccke: dasselbe kostet 525000 Mk. 
Die vorgesetzten Behörden haben ihre Genehmigung bereits erteilt, so 
daß die Frage der Kanalisation in Groß-Lichterfclde endgiltig erledigt ist. 
Schöneberg. Am 30. September schied nach 45järiger Dienstzeit 
der Gemeindeschullehrer Stock aus seinem Amte, das er 42 Jahre in 
Schöneberg versehen hatte. 
Kleine Mitteilungen. 
Das Bistum Brandenburg wurde vom Kaiser Otto I. am 
1. Oktober 949, d. h. vor 950 Jahren gestiftet. Tic nnt des Kaisers 
eigener Unterschrift versehene Stiftungsurkunde liegt wohl erhalten im 
Archiv des Domkapitels. Der Anfang dieser altehrwürdigen Urkunde 
lautet in deutscher Sprache: „Im Namcm der heiligen und unteilbaren 
Dreieinigkeit. Otto, durch göttliche Vorsehung und Gnade König. Weil 
wir darin ein verdienstvolles Werk sehen, daß alle Gläubigen in Treue 
darauf bedacht sind, den Glauben zu verbreiten und die christliche 
Kirche weiter zu verpflanzen, so haben wir — unter Beirat des ehr 
würdigen Prälaten Marinus, der röniischen Kirche Legaten, sowie der 
Erzbischöfe Friedrich und Adaldag, dem anderer Bischöfe, unseres 
geliebten Bruders Brun und unseres Edlen, besonders unseres geliebten 
Herzogs und Markgrafen Gero — in unserem Eigentume, welches in 
der Mark liegt, im Lande der Slaven, im Gaue Hcveldun, in der 
Stadt Brandenburg, zu Ehren unseres Herrn und Heilandes und des 
heiligen Petrus, des ersten der Apostel, ein Bistum errichtet, über 
welches wir den frommen Thietmar setzen. Genannter Kirche vercignen 
wir die nördliche Hälfte genannter Stadt und die nördliche Hälfte der 
ganzen Insel, auf welcher die Stadt erbaut ist' dazu die Hälfte aller 
der Stadt gehörenden Dörfer, ferner zwei ganze Städte mit all ihrem 
Zubehör, nämlich Prizervi und Ezeri iPritzerbe und Ziesar)." 
Tic älteste Domkirchc Brandenburgs, die gleichzeitig mit der Stiftung 
des Bistums entstanden sein muß, hat wahrscheinlich auf der Stelle der 
kleinen Peterskirche gestanden. Sic wurde aber in dem großen Aus 
stande der Slaven zerstört, der im Jahre 983 ausbrach, und der die 
Macht der Deutschen aus 150 Jahre wieder völlig vernichtete. Am 
2. Juli 983 überfielen die Slaven Brandenburg und riffeu, nachdem 
Ströme von Blut geflossen, die Herrschaft wieder an sich. „Statt Christus 
und seines Fischers, des heiligen Petrus," klagt Thietmar von Merse 
burg, der bedeutendste Chronist dieser Zeit, „ward wiederum die Ver 
ehrung vieler Götzen voll tenflicher Ketzerei eingeführt, und dieser be 
klagenswerte Wechsel nicht bloß von Heiden, sondern sogar von Christen 
gepriesen." Erst unter Albrecht dem Bären wurde im Jahre 1165 
der Ban einer neuen Domkirchc begonnen, nicht auf der Stelle des 
ersten Gotteshauses, wo inzwischen die Pctrikapclle errichtet war, sondern 
in einiger Entfernung davon: von diesem zweiten Brandenburger Dom, 
dessen Ban sich viele Jahre hinzog, sind »ach Adler noch vorhanden: 
„Die Arkadenpfeiler nebst Bogen, die westliche Innenwand, die Mauern 
des Oncrschiffes, der Krypta und des Chors, aber ohne den Polygonal 
abschluß: dies alles ist etwa 40 Fuß hoch erhalten, sodann die nördliche 
Seitcnschiffmaucr, 16 Fuß hoch." Die übrigen Teile des heutigen 
Domes, der ursprünglich eine romanische Kirche mit Holzdecke war, sind 
in späterer Zeit entstanden. So viel über die Stiftung des Bistums 
Brandenburg und seine altehrwürdige Tomkirche vor 950 Jahren. In 
der Geschichte unseres Vaterlandes hat dieses für die Christianisierung 
der Slavenländer so überaus wichtige Gotteshaus noch einnial eine 
Rolle gespielt, und zwar 900 Jahre nach der Gründung des Bistums, 
im Noveniber und Dezember des „tollen" Jahres 1848, als die 
preußische Rationalveriammlug zwangsweise nach Brandenburg verlegt 
wurde. 
Kleidung der Aerzte des vorigen Jahrhunderts. Als 
Dr. Hein sich im Jahre 1783 als Arzt in Berlin niederließ, schasste er 
sich sofort einen Scharlachrock an, wenn er ihm auch fünfzig Reichs 
thaler kostete, und bemerkte dabei: „Nie würde ich mir dergleichen 
kostbare Kleider anschaffen, wenn es nicht zur medizinischen Politik gehörte, 
ivoblgeputzt einherzugehen." Der hannoversche Leibarzt Dr. Zimmermann 
schreibt am 25. November 1769 an einen Freund (siehe Bodemann, 
Hannover 1878): „Ich trage eine Pariser Perücke mit eineni äußerst 
stutzerhaften Toupet, ein Kleid von schwarzem Sammet mit einem 
Unterfutter von weißem Atlas, eine Weste von Silberstoff, Schnallen 
mit falschen Diamanten, einen langen Pariser Degen mit einer weißen 
Scheide, Manschette» von Flandrischen Spitze», ein seidenes durch und 
durch parfümiertes Schnupftuch und in der Hand die Schnupftabaksdose 
von Braunschwcig mit ihren 57 Diamanten." Letztere war ein Geschenk 
des Herzogs von' Braunschweig für die glückliche Herstellung der Ge 
sundheit seines Sohnes und wog ein Pfund. 
Bei drr Feier des 16. Oktobers 1814 in Berlin erschien 
ein glänzender Meteor am Himmel und zog langsam in der Richtung 
nach Leipzig zu. Diesen Vorfall besprachen die damaligen Zeitungen, 
u. a. der „Allgemeine Anzeiger der Deutschen" (November 1814 S. 2844), 
und der Nassauische Medizinalrat Wendelstein giebt ihm in seinem 
Heldengedicht „Die Völkerschlacht bei Leipzig" (Hadamar 1815; ein 
Exemplar im Buhrig-Museum, Leipzig, Reichsstraße, Kochs Hof) folgen 
den poetischen Ausdruck: 
Jetzt nach Jahres Vollendung und bei der Feier des Siegtags 
Loderte über Berlin am funkelnden Sternengewölbe, 
Sichtbar versammeltem Volk, dem staunenden, redenden Wunder, 
Eine feurige Kugel im langsamen Zuge gen Leipzig, 
Uebcrstrablend an Glanz die Flamme der Weihe des Tages, 
Welcher den Enkeln der Enkel einst noch ein Freudenfest sein wird. 
Der böse Hans. Während der Streitigkeiten um das Herzogtum 
Glogau zwischen 'Barbara, der Witwe Herzog Heinrichs XI., und dem 
Herzog Hans II. von Sagau belagerte letzterer 1478 die Stadt Troffen 
an der Lentze. Die Bürger verteidigten sich auf das tapferste und 
schlugen die Angriffe des „bösen Hans", wie man den Herzog nannte, 
siegreich ab. Da schritt der Herzog zum Hauptsturm. Immer näher 
dringen seine Leute, jetzt legen sie die Leitern au, um die Stadtmauer 
zu erklimmen. Die Trossener Bürger geriete» in die äußerste Gefahr. 
Rettung wurde ihnen durch ihre Weiber. Diese kochten in Kesseln, 
Pfannen und Töpfen Hirsebrei und schütteten die siedendheiße Masse 
auf die anstürmenden Feinde. Zähneknirschend mußte der „böse Hans" 
den Rückzug antreten und die Belagerung aufgeben. Die Branden 
burger aber sangen: 
Der Herzog Hans ohne Leut' und Land 
Hat sich am Brei vor Drosten das Maul verbrannt. 
Er starb in größter Armut bei dem Sohne des Kurfürsten Albrecht 
Achilles, Johann Cicero. 
Vereins-Nachrichten. 
Touristen-Klub für die Mark Brandenburg. 
Wanderfahrten im Winter-Halbjahr 1899/1900: 1. Oktober. Mär 
kische Schweiz bei Buckow. Führer: Richter I und Kluge. 15. Oktober. 
Biesenthal, Sophienstädt, Rosaliendorf, F.-H. Eiserbude, Schöpfurth, 
Hegermühle, Ebcrswalde. 26 lew. Führer: Kausmann und Kluge. 
29.' Oktober. Gr.-Köris, F.-H. Reubrück, Prieros, Colberg, Blossin, 
Friedcrsdorf. 26 lew. Führer: Peck und Kaufmann. 12. November. 
Wustermark, Tremmen, Markau, Markee, Nauen. 26 lew. Führer: 
Wendler und Peck. 26. November. Buch, Schönerlinde, Schönwaldc, 
Schünow, Bernau (Besichtigung). 21 km. Führer: Kluge und Wendler. 
10. Dezember. Sadowa, Pfcrdebucht, Dahlwitz, Hoppcgarten. 14 km. 
Führer: Kluge und Kaufmann. 26. Dezember. Der Grunewald mit 
Kaiser Wilhelm-Turm. Führer: Richter I und Wendler. 7. Januar. 
Neubabelsberg, Jagdschloß Stern, Drewitz, Potsdam (Besichtigung). 
12 kw. Führer: Wendler und Kaufmann. 21. Januar. Seegefeld, 
Falkenhagen, F.-H. Dammsbrück, Wansdorf, Bötzow, Marwitz, Velten. 
20 kw. Führer: Noch unbestimmt. 4. Februar. Spandau, Seeburg, 
Gr.-Glienickc, Krampnitz, Nedlitz, Potsdam. 25 kw. Führer: Noch 
unbestimmt. 18. Februar. Rangsdorf, Gr.-Machnow, Mittenwalde. 
Ragow, Deutich-Wusterhausen, Königs-Wusterhausen. 21 kw. Führer: 
Noch unbestimmt. 4. März. Strausberg (Bhs.), Hennickendorf, Herz- 
felde, Kagcl, Kienbaum, HarigAsberg. 26. km. Führer: Roch un 
bestimmt. 18. März. Stadt Frankfurt a. O. (Besichtigung). Führer: 
Roch unbestinimt. 
Büchrrtisch. 
Tausend-Bilder-Bibel. Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt. Die 
„Tauscnd-Bilder-Bibel" giebt zu ungewöhnlich wohlfeilem Preise eine 
Auslese aus dem gesamten Gebiete der religiösen Kunst, soweit deren 
Werke im Lause der Jahrhunderte berühmt geworden sind, und zu den 
klassischen Schöpfungen der Malerei und Plastik gesellen sich auch die 
hervorragenden Darstellungen moderner Meister bis auf die Gegenivart. 
Gleich die erste Lieferung — die „Tauscnd-Bilder-Bibel" beginnt mit 
dem Neuen Testament — liefert den schlagenden Beweis von der um 
fassenden Vielseitigkeit in der Auswahl. Zu Rafael, Veronese, Tizian, 
Guido Rcni und Luini gesellen sich die großen Niederländer Rubens 
und van Dyck, der Spanier Murillo, die Franzosen Claude Lorrain 
und Ary Scheffer. Ebenso ist England durch einige seiner ersten Meister 
vertreten, und Dänemark stellt in Thorwaldsen seinen berühmtesten 
Künstler. In den Werken deutscher Kunst gewahren wir vorläufig nur 
solche moderner Zeit (Plockhorst, Pfannschmidt, Gustav Richter, 
E. v. Gebhard, Fritz von Uhde), aber die großen Meister früherer Jahr 
hunderte, die Dürer, Holbein, Cranach u. s. w., werden im weiteren 
selbstverständlich nicht fehlen. Ucberall sieht man, daß bei der 
Auswahl der Illustrationen die Rücksicht aus Schönheit und Adel der 
Formen, auf den Ausdruck schlichter Wahrheit und Empfindung ge 
waltet hat. Die „Tauscnd-Bilder-Bibel" erscheint in 40 Lieferunge', 
von Durchschnittlich je 40 Seiten zum Preise von nur 40 Pfennig p>" 
Lieferung: alle 8—14 Tage wird eine Lieferung ansgegeb
        
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