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Periodical volume 14.Oktober 1899 Nr, 41

Full text: Der Bär Issue 25.1899

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Nivellieren, Statik fester Körper, Hydrostatik, Mechanik fester 
Körper, Hydranlik, Maschinenlehre, Banphysik, Baukonstruktions- 
lehre, Strom- und Deichbaukunst, Schleusen-, Hasen-, Brücken- 
und Wegebaukunst, Geschichte der Baukunst, Freihandzeichnen, 
architektonisches und Maschinenzeichnen. Von den Zöglingen, die 
das 14. Lebensjahr überschritten haben mußten, wurde eine Vor 
bildung verlangt, die nur wenig über das jetzige Volksschulpensum 
hinausging. 
Am 1. Oktober 1799 wurde das neue Institut eröffnet, ihr 
Heim erhielt die Akademie in der damals von Heinrich Gentz 
neu erbauten Münze auf dem Werderschen Markt, die 1884 
leibcr abgebrochen wurde. Der Bau, dessen berühmter Fries (von 
Schadow) nach der 1868—1871 errichteten neuen Münze in der 
llnterwasserstraße überführt wurde, erhielt eine dreifache Bestimmung: 
er diente für die Münze, für das Ober-Berg-Departcment und für 
die neu gegründete Bau-Akademie, die Inschrift des Gebäudes 
lautete demgemäß: „Rrickerieus Guilelmus III. Rex Rei mone- 
tariae mineralogicae architectonicae MDCCC." Direktor des 
Mann", Karl von Eckenburg, im Jahre 1732 durch Gerlach hatte 
erbauen lassen. In diesem Hause befanden sich die Unterrichts 
räume der Bauakademie fast ein Menschenalter, und zahlreiche 
Baubeamte haben dort ihre Ausbildung genossen. Von 1821 an 
sind die genauen Besuchsziffern*) der Bauakademie erhalten. Die 
selbe zählte 1821/22 31 Zöglinge — Studierende kann man nicht 
gut sagen, da bis 1849 Schulzwang herrschte — und erreichte 
1826/27 die Zahl 160, um allmählich bis auf 26 (im Winter 
semester 1835/36) herabzusinken; Ende der dreißiger Jahre begann 
wieder ein allmähliches Steigen, so daß 1846/47 wieder 101 Zög 
linge vorhanden waren. 
Im Jahre 1809 trat die Bauakademie aus dem Ressort des 
Handelsministeriums in das des Unterrichtsministeriums. Zugleich 
übernahm das Direktorium der Kunstakademie die Leitung des 
Institutes. Diese Verbindung bestand bis Ende 1823. Eine 
Kabinettsordre vom 31. Dezember desselben Jahres bestimmte, daß 
die Bauakademie nunmehr in zwei Abteilungen gegliedert werden 
sollte, von denen die eine die höhere Baukunst, die andere das Tech- 
Dir technische Hochschule in Lhartottenburg. 
neuen Lehriustituts wurde der Oberhofbaurat Becherer; ihm 
standen 14 Lehrer zur Seite, die in 23 Unterrichtsfächern unter 
richteten. Die Zahl der Schüler schwankte zwischen 30—50. Die 
Unterrichtserfolge blieben zunächst hinter den gehegten Erwartungen 
zurück, was bei der verschiedenartigen und in vielen Fällen gewiß 
völlig unzulänglichen Vorbildung der Zöglinge nicht überraschen 
kann In einer Kabinettsordre vom 28. Februar 1801 weist der 
König darauf hin, „daß junge Leute, die nicht wenigstens gute 
Schulkcnntnisse bereits mitbringen, die Anstalt nicht mit Nutzen 
frequentieren können und also umso weniger aufgenommen werden 
müssen, als sie die fähigeren Subjekte nur aufhalten und in der 
Folge dem Staate lästig werden, statt daß sie als bloße Hand 
werker demselben immer noch hätten nützlich werden können, wenn 
sie in Zeiten dazu wären angewiesen worden." 
Diese Kabinettsordre hatte eine Verschärfung der Aufnahme 
bedingungen zur Folge. Die aufzunehmenden Zöglinge mußten 
für die Folge auf einem größeren Gymnasium die dritte, auf einem 
gewöhnlichen die zweite Klaffe absolviert haben und mußten vor 
dem Plenum des Obcr-Bau-Departements eine Aufnahmepriifung 
bestehen. Der Andrang zur Bauakademie blieb dauernd ein starker. 
Am Jahre 1806 wurde ein Teil der Klassen nach der Zimmer- 
I traße 25, Ecke der Charlottenstraße, verlegt, welches der „starke 
nische des Bauwesens umfassen sollte. Die erste Abteilung blieb dem 
Kultusministerium und der Akademie der Künste angegliedert; sie 
sollte das Aesthetische der Baukunst psiegen, ging aber nach einigen 
Jahren ein. Die zweite Abteilung, die vom Handelsministerium 
ressortierte, gelangte unter Leitung des Ober-Landesbaudirektors 
Eytelwein zu schneller Blüte. Die Unterrichtsgegenstände dieser 
technischen Abteilung waren: Arithmetik, Algebra, Elementar 
geometrie; Trigonometrie, Körperlehre, beschreibende Geometrie, 
Perspektive; Analysis und höhere Geometrie; Statik fester Körper 
und Hydrostatik; Mechanik fester Körper und Hydraulik; Bau- 
konstruktionslehre; Stadtbaukunst; Oekonomische Baukunst; Straßen-, 
Brücken-, Kanal- und Schleusenhau; Strom-, Deich- und Hasenhau; 
Maschinenbau; Physik, Chemie und Mineralogie in Beziehung auf 
Baukunst; Situationszeichnen; Frcihandzeichen; architeklouischeS 
und Maschinenzeichuen; Modellieren. Aus diesem Lehrplan ist zu 
ersehen, daß die Bauakademie ihre Ziele erheblich in die Höhe 
geschraubt hatte. 
Zwei Jahre vor dieser Reorganisation der Bauakademie war 
das Schwesteriustitut derselben, das Gewerbeinstitut, durch de» 
genialen BeutR.-rns Lehen gerufen worden, dem Preußen neben 
*) Dieselben sind dem soeben erschienenen Werke „Die Technische Hochschule in Preußen" 
von Paul Friedrich Damm entnommen.
        
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