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Periodical volume 30.September 1899 Nr, 39

Full text: Der Bär Issue 25.1899

Illustrierte Wochenschrift für Geschichte und modernes Leben 
25. Jahrgang. 
Sonnabend, 30. September 1809. Ar. 39. 
Dry MovZeyclämweps). 
Genrebild aus dem dreißigjährigen Ariege von £. Küfnts. 
B s ist ein kalter, düsterer Rovembermorgen, vier Uhr früh 
und noch stockfinstere Nacht. Zn tiefer Stille ruht das 
Fischerdörfchen Stralau, an der Oberspree oberhalb Berlins 
gelegen; murmelnd zieht der nachtschwarze Strom dahin, über 
seinen Fluten wogt der graue Frühnebel, und aus den Sümpfen 
und dem wilden Busch an seinen Ufern steigen giftige Dünste in 
die trübe, bleischwere Luft. 
Weit außerhalb des Dörfchens hier auf jener einsamen Land 
zunge mitten in Bruch und Moor liegt eine verfallene Hütte mit 
düsteren Lehmwänden und einem eingesunkenen, dicht bemoosten 
Strohdach. Bor der niederen Thür, die sich »ach dem Wasser 
öffnet, arbeitet im Schein einer trübe flackernden Laterne ein alter 
Mann; er hat soeben seinen schwanken Einhaum aus dem Wasser 
auf das Land gezogen und ist dabei, seine Netze von Tang und 
Schlick zu befreien und sie an Stangen zum Trocknen aufzuhängen. 
Flüchtig beleuchtet ihn die Laterne. Der alte Peter ist eine schon 
etwas gekrümmte, doch sehnige Gestalt, sein verwitlertes Gesicht 
mit den großen, wafferblauen Augen umrahmt ein struppiger 
Schifferbart; sein Lederwamms ist abgeschabt, und ein zerfetzter 
und abgerissener Filz deck! sei» strähniges Haar. 
Er brummte ein Liedchen bei seiner Arbeit: 
Ick heww de lewe lange Rächt 
Ru up ’n Strom gefischt, 
Un wat ick da woll fangen hew', 
Dat is so gut wie nischt! 
Ich bew' mien ganzes Lewen lang 
Mi sorgt un plagt un quält, 
Un von de Plag' dat Ende iS, 
Dat't mi an allem fehlt! 
) ' 
Hin Werbellinsee. 
(3«m Artikel „Die Kaiserliche Familie im Jagdschloß HuberiuSsiock.»)
        
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