Path:
Periodical volume 16.September 1899 Nr, 37

Full text: Der Bär Issue 25.1899

589 
wurde. Die Mauer wurde 28 Fuß hoch angelegt und mit einigen 
60 Türmen und Weichhäusern befestigt. Noch heut steht das 
Meiste von dieser Befestigung und kündet von der Wehrhaftigkeit 
und dem selbstbewußten Bürgerstolz dieser Zeit. 
Von der ursprünglichen Burg Pribislavia der Pommern 
herzöge ist dagegen wenig zu finden. Sie war eine rechte Sumpf- 
feste, uneinnehmbar gemacht durch Moor und Wasser, die sie 
umgaben. Denn viel anderes als Wald, Moor und Sumpf gab 
Marienkirche von der Leutrrrallee. 
es hier nicht, nur einen einzigen Weg hatte man mit unsäglicher 
Mühe gebahnt und befestigt. In regelrechten Rethen hatte man 
Eichenstämme tief in den Boden eingerammt, darüber andere quer 
gelegt, und dann eine Wegbahn aus Elsen- und Birkenreisern und 
Erdmassen gelegt und befestigt. Roch heute liegt diese alte Heer 
straße manneStief unter der südlichen Häuserreihe der Neustadt. 
Von der alten Slavenburg finden sich auch noch Grundmauern 
tief in der Erde, da wo' beut das Elisabethbad ist. Schon im 
14. Jahrhundert hatte sie bei der mehr und mehr um sich greifenden 
Kultur ihre Bedeutung als Befestigung eingebüßt. Sie lag nun 
mehr, statt im Sumpfe, mitten zwischen den Gemüsegärten der 
Bürger, und der Volksmund nannte sie wenig achtungsvoll die 
„Röwenburg" sRübenburg). 1565 kaufte sie der Bürgermeister 
Matthias Wüstenheim als Erb- und Burglehn. Er besaß sie 
aber nicht lange. Dieser brave Bürgermeister scheint ein arger 
Schelm gewesen zu sein, der mit dem ihm anvertrauten Wohl der 
Stadt nicht allzu gewissenhaft umging. Von der örtlichen Un 
kenntnis des Landesherrn suchte er zu profitieren. Er ging nach 
Berlin und erbettelte sich von Sr. Kurfürst. Durchlaucht Gnaden 
das „Poggenpsühlchen bei Prenzlau", wie 
er den großen Ukersee bezeichnete. Diese kleine 
Schwindelei kostete ihm indessen den Hals. Die 
Stadt kaufte dann den Nachlaß und ließ aus 
den Steinen der „Rübenburg" — einen neuen 
Galgen errichten. 8ic transit gloria mundi. 
Im entgegengesetzten Sinne hat sich glück 
licherweise die Entwicklung der Stadt bewegt. 
Das wendische Wort „Primslava" bedeutet 
„wachsenden Ruhmes", und diesem Namen hat 
Prenzlau Ehre gemacht. Aus dem einzigen 
germanischen Vorort im slavischen Land ist die 
blühende Hauptstadt der Uckermark mit un 
gefähr 20 000 Einwohner geworden. Gerade 
als ein Zeichen des berechtigten Stolzes auf 
ihre Entwicklung, ans die hervorragende Stellung, 
die ihre Stadt in allen Freud- und Leidtagen 
des Vaterlandes gehabt hat, muß man den 
Prenzlauern die Gründung des Uckermärtischen 
Museums in den Mauern ihrer Stadt aus 
legen. Rur da beginnt die bewußte Pflege des 
Gedankens an die Vergangenheit, wo eine 
ruhige, sichere Wohlzufriedenheit mit den poli- 
tischen Zuständen der Gegenwart sich mit pietät 
voller Achtung vor dem Wirken der Väter paart, 
aus deren emsiger Arbeit und Sorge alles 
hervorging. In unserer Mark ist aber jede 
solche Förderung der Lokalgeschichte um so mehr 
zu begrüßen, da bei uns die Verwüstungen des 
dreißigjährigen Krieges so unendlich Vieles von 
all' dem Schönen vernichtet haben, an dem die 
glücklicheren süddeutschen Länder noch so reich sind. 
Vom 27. Dezember 1234 datiert also der 
Grüudnngsbrief Prenzlaus. Vom Jahre 1370 
haben wir schon ein Beispiel vom weisen Walten 
und kluger Politik der Stadt ältesten. Mark 
graf Otto der Faule war in Geldverlegen 
heit und so ließ sich die Stadt Prenzlau gegen 
ein Darlehn von 1330 Mark Silber die Ge 
richtsbarkeit der Stadt verpfänden. Das 
Darlehn ist nie eingelöst worden; die Prenz 
lauer Stadtväter haben wohl auch nicht daran 
gedacht, daß es je eingelöst werden würde; denn 
gar bald ließen sie das stolze Zeichen der eigenen 
Gerichtsbarkeit, den Roland, auf dem oberen 
Marktplatz errichten. 
Schwere Heimsuchung traf Prenzlau 1483: 
die ganze Stadt wurde, mit Ausnahme der 
Stadtmauern, der massiven Kirchen und weniger 
Wohnhäuser, das Opfer einer gewaltigen Feuers 
brunst. 
1540 wurde, wie in der gesamten Mark, 
auch in Prenzlau die Reformation eingeführt. 
In den Kirchen wurde das Abendmahl in beiderlei 
Gestalt erteilt, und die Klöster wurden auf 
gehoben. Es waren drei vorhanden: das graue 
Kloster in der Klosterstraße (jetzt die Stadt 
schule), das schwarze Kloster an der Stadt 
mauer in der Nähe des Schwedter Thores und 
ein Nonnenkloster „zu den büßenden Schwestern"; 
dieses letztere wurde abgerissen. 
Entsetzlich hatte die Stadt im dreißig 
jährigen Kriege zu leiden; lag sie doch an der 
großen Straße, die von Stettin und Stralsund 
aus das Einfallsthor für die Schweden in die 
deutschen Lande bildete. 1629 weilte Wallen 
stein mit großem Gefolge in Prenzlau. 1631 
wurde es von Gustav Adolf erobert. Ein Jahr 
daraus war die Leiche des Schwedenkönigs ans dem Rückwege nach 
Schweden in der Marienkirche ausgestellt. Auch unter dem Großen 
Kurfüsten hielten die Schweden 1674 und 1675 die Stadt be 
setzt, bis der große Hohenzoller nach Fehrbellin sie wie ein 
Sturmwind vor sich her und aus seinen Landen trieb. 1685 legte 
er dann eine ständige Garnison, das 12. Infanterie-Regiment, in 
die Stadt. Es ist dies dasselbe Jahr, in dem er mit landes- 
vätcrlicher Weisheit den Hugenotten eine Stätte in der Mark bereitete. 
1704 hielt König Friedrich I. eine große Schwanenjagd 
auf dem Ukersee ab und verlieh der Stadt bei dieser Gelegenheit 
ihr Wappen.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.