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Periodical volume 16.September 1899 Nr, 37

Full text: Der Bär Issue 25.1899

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Städte- und Landschaftslnlder. 
t arnim,. von 
Gottes Gna 
den der Slaven 
Herzog. Kund sei 
allen, an welche dies 
gelangt — weil wir 
in Berücksichtigung 
unseres Nutzens und 
Vorteils und nicht 
weniger nach dem 
Gebrauch in an 
deren Ländern uns 
entschlossen haben, 
in unseren Landen 
Stadtwapprn von Prrmlau. ^ie Städte zu 
gründen, so thun 
wir kund, daß wir 
aus eigenem, freiem Antriebe und mit weisem Rate unserer 
Edlen »ns entschlossen haben, in „Prencelav" eine freie Stadl 
zu erbauen. Wir haben zum Aufbau dieses Ortes und zum Wohle 
und Nutzen derjenigen, die in der schon genannten Stadt wohnen, 
derselben 300 Hufen beigelegt, 200 Husen auf der einen Seite des 
Wassers, das „Ukera" genannt wird, wo die Stadt gebaut werden 
wird, und 100 auf der anderen Seite des Ukera, sowie das zur 
Errichtung der nötigen Mühlen erforderliche Wasser. Die Förderung 
der Stadt haben wir den weisen und ehrbaren Männern, dem 
Walter, der in derselben Schulze sein soll, dem Jordan und 
seinem Bruder Wilkiu mit dem Esiko, dem Heinrich und Helga 
und Paul von Stendal, welche den Ort von uns empfangen, 
in folgender Art übertragen: Vom Martinsfeste an soll in 3 Jahren 
von den Hufen, die wir der Stadt beigelegt haben, nichts, erhoben 
werden; nach deren Verlaufe soll aber von jeglicher Hufe ein halber 
Vierding entrichtet werden. Den vorgenannten sieben aber, welche 
die zu erbauende Stadt aus unserer Hand zu Lehen genommen, 
haben wir 80 Hufen verliehen. Wenn aber die Mühlen erbaut 
sein werden, soll von den Einkünften dem Landesherrn 2 / s ent 
richtet werden, und ‘/s sollen diejenigen erhalten, welche die Kosten 
zu deren Erbauung hergegeben haben werden. Von all demjenigen, 
was von liegenden Gründen und anderen Einkünften gezahlt wird, 
sollen der Landesherr zwei Teile und die genannten sieben Männer 
ein Teil erheben. Die Stadt soll aber dieselbe Freiheit und das 
selbe Recht haben, welches die Stadt Magdeburg hat, aus 
genommen dasjenige, welches „Gerade" genannt wird, das wir 
bei uns abgeschafft haben wollen. Auch sollen die Kaufleute, die 
aus Prcnzlau sind, durch unser ganzes Land keine Zölle erlegen. 
So geschehen bei Stettin im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 
1235, am 6. Kalend. des Januar." (27. Dezember 1234.) 
So lautet, aus dem damaligen llrkundenlateiu ins Deutsche 
übertragen, der Gründungsbrief Prenzlaus. Noch heute wird 
das ehrwürdige alte Pergament im Archiv der Stadt auf dem 
Rathaus aufbewahrt, gleichsam ihre Geburtsurkunde. Was 
sie besagt, ist, daß hier der Slavenherzog Barnim von 
Pommern das inzwischen in den bereits germanisierten Teilen der 
Mark oft gegebene Beispiel der Städtegründung an der Stelle 
eines vorhandenen offenen Fleckens nachahmt. Der Flecken war 
auch hier slavischen Ursprungs, hatte Krug- und Marktgcrechtigkeit 
und wird schon um 1188 erwähnt. Ursprünglich wird er wohl 
ans nichts als einigen wendischen Fischerhütten bestanden haben, 
die, im Schutze der pommerschen Burg Pribislavia oder Prims 
lava, sich am Ufer des Uckersees angesiedelt hatten. Aber wie 
fast überall waren die Städtegründer Deutsche. Die erwähnten 
sieben, Walter, Jordan, Wilkiu, Esiko, Heinrich und Helga 
und Paul von Stendal, waren aus ihrer Vaterstadt nach Stettin 
gezogen. Nachdem sie sich dort vom Herzog den Brief verschafft 
hatten, ließen sie dann wieder den Ruf in die Heimat erschallen 
und die Kolonisten kamen. So wurde die Stadt erbaut, reich mit 
Land und Gerechtsamen ausgestattet und im Großen und Ganzen 
nach dem Muster der Magdeburger Verfassung eingerichtet, und 
der Zeit entsprechend auch sofort auf der durch die natürliche Lage 
weniger geschützten Nord- und Ostseite mit Graben und Pallisaden- 
befestignng versehen. Aber was das Wichtigste war: es wurde 
eine deutsche Stadt im wendischen Lande mit deutschem Recht 
und deutscher Verfassung. Lange behielt sie 
mehr 
Partie am Mittelgraben (Überfluß). 
ihre slavischen Landesherren, denn schon 1250 kam die Uckermark 
an die Markgrafen von Brandenburg, die der jungen Stadt 
auch ihrerseits neue wertvolle Privilegien verliehe»: sie gewährten 
ihr Zollfreiheit durch die ganze Mark, freies Holz in aller) landes 
herrlichen Forsten und erlaubten, daß sie sich mit Wall urid Mauer 
umgab und auf diese Weise erst wirklich zu einer feilen Stadt 
j
        
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