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Periodical volume 2.September 1899 Nr, 35

Full text: Der Bär Issue 25.1899

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soweit abgelöscht, daß die Hitze nicht mehr zu stark ist- die 
Kameraden können nun, wenn sie auch sehr viel unter der 
Glut zu leiden haben, doch schon zu ihm heran. Immer neue 
Mannschaften kommen vor und lösen ihre ermatteten Kameraden ab, 
und so wird Schritt für Schritt dem Feuer Raum abgerungen. 
Der Stolz eines jeden Feuerwehrmannes ist ja, die einmal er 
oberte Position nicht wieder aufgeben zu müssen. Alle sind ja auch 
froh, daß es ihnen gelungen ist, zuerst alle Menschen in Sicherheit 
zu bringen, und nun ist es ihnen Lust und Vergnügen, ihrem 
geschworenen Feinde, dem Feuer, selbst zu Leibe zu gehen. Immer 
weiter dringen sie vor. Von Ordonnanzen hören sie, daß aus der 
anderen Seite auch vorgegangen wird. Allmählich werden die 
Flammer kleiner, nur noch viel Rauch und Wasserdampf machen 
den Aufenthalt in dem brennenden Dachstuhl ungemütlich. Sehen 
können die Leute noch nicht recht, da hören sie plötzlich gegenüber 
Rufe, zugleich spritzt ein nasser Strahl herüber; durch und durch 
naß sind sie ja doch schon, also hat das nichts mehr zu bedeuten; 
wer am meisten abbekommen hat, schimpft lachend darüber und 
wird ausgelacht. Drüben scheint es ebenso gegangen zu sein, 
näher kommen die Rufe, auch die diesseitige Kolonne dringt durch 
den Rauch und die glimmenden Balken vor, und im nächsten 
Moment stehen sie ihren Kameraden von der anderen Kolonne 
gegenüber. Rußgeschwärzt und schweiß- und nässetriefend machen 
alle Leute Halt. Wie nach gewonnener Schlacht atmen sie aus. 
Das Feuer ist besiegt. Zwar brennt es noch allerorts, zum Teil 
helllichterloh, aber für den kundigen Feuerwehrmann bedeutet das 
nichts! Wenn erst die Kraft der von allen Seiten zusammen 
wirkenden Flammen gebrochen ist, hat dies nichts mehr zu sagen. 
Deshalb gehen nun auch alle Leute aus dem Feuer heraus, um 
ein wenig erst abdampfen zu lassen. Nur ab und zu geht der 
Oberfeuerniann hinein, um das Feuer zu bewachen. Nach wenigen 
Minuten haben sich die braven Leute aber wieder soweit erholt, 
daß ihre Lungen neue Kraft haben. Mit frischem Mut geht es 
nun an das letzte Ablöschen. Der Rauch hat sich etwas verzogen, 
sodaß jetzt keine gefährliche Arbeit mehr ist. Doch noch lange ist zu 
arbeiten. Beim Flammenschein der Fackeln wird die Brandstelle 
so aufgeräumt, daß das letzte Fünkchen erlöscht. Bis zum grauenden 
Morgen ziehen sich diese Arbeiten hin, dann rücken die Züge ab 
in ihre Wachen zu neuer Bereitschaft, um sofort wieder kamp'- 
Fruerwohrumnn int Raucht chuhapparat. 
bereit zu sein, wenn schon in der nächsten Minute sie die Alarm 
glocke wieder zu ernstem Thun rufen sollte. 
Alt berlinisch es. 
Von 
Ferdinand Meyer. 
^^Eönig Friedrich Wilhelm I. war bekanntlich auch auf die 
$ülV> Hebung des Berliner Bieres bedacht und ging gegen die 
„Bierpäntscher" mit großer Strenge vor. Die Ratskellerpächlcr 
sollten des Landes verwiesen, die Bierfahrcr aber im Betretnngs- 
falle „mit der Karre" und Wallarbcit bestraft werden, lind wie 
er die Größe der Bouteillen bestimmte, die im Kontraventionsfalle 
mit dem Inhalte konfisziert wurden, der Kontravenient aber außer 
dem noch in eine Strafe von 4 Groschen für jede Flasche verfiel, 
so auch ließ der Monarch zeitweilig den Preis der verschiedenen 
Biersorten öffentlich bekannt geben. 
So heißt es beispielsweise in den „Unter Sr. Königl. Majest. 
in Preuße» u. s. w. Unsers allergnädigste» Königs und Herrn, aller 
höchsten Approbation und auf Dero speciellen Befehl heraus 
gegebene» Wöchentlichen Frag- und Anzeigungs-Nachrichten," vom 
21. Mart. 1729: 
Das Quart alhiesiges Weißbier kostet 5 Pf., Gerstenbicr 
7 Ps., Zerbster B. 1 Gr. 8 Pf., Cotbuser 1 Gr. 4 Pf., 
Croßner l Gr. 6 Pf., Garley (?) 1 Gr. 6 Pf., Lebnser 
1 Gr. 3 Ps., Bcrnaner 1 Gr., Ruppiner 1 Gr., Branden 
burger 10 Pf., Fürstenwalder 10 Ps., Cüstriner 1 Gr. 3 Pf., 
Carthäuser 1 Gr. 6 Pf., Cöpenicker Moll 1 Gr., Kuffen-B. 
1 Gr. 2 Pf. und Brüh an 1 Gr. 6 Pf. 
Also nicht weniger als 16 Biersorten, um den Durst der da 
maligen Stadtbewohner nach jeder Geschmacksrichtung hin zu 
löschen! Mit dem zuletzt angeführten „BrühaN" ist das drei Jähre 
zuvor (1726) von Karl Brvihan in Hannover erfundene Bier 
gemeint. 
Unter Friedrich Wilhelm I. wurde das Bier zugleich hof 
fähig. Charakteristisch ist eine Ordre, die der König unterm 
10. Februar 1738 an den General Grafen v. Schwerin erließ: 
„Ich will, daß, wenn hinfüro die Offiziers znsammenkommen, sie 
nicht viele Gerichte und Wein practendiren, sondern miteinander 
hauswirthlich vorlieb nehmen sollen; und es inuß für keinen 
Schimpf gerechnet oder übel genommen werden, wenn ein Offizier 
dem andern ein Glas Bier vorsetzet." 
Auch Friedrich der Große, welcher von seinem Vater an 
gehalten wurde, das Brauwesen gehörig zu „traktieren", ließ sich 
den Verschank eines guten einheimischen Bieres — ausländisches 
durfte überhaupt nicht eingeführt werden — angelegen sein. 
Im Todesjahre des Königs wurden, wie Nicolai angiebt, 
viererlei Arten in Berlin gebraut: Braun- und Weißbier, Manheimer 
und Englisches Bier. Die Braunbierbraner bereiteten außerdem 
noch ein besonderes Lager- oder Kufenbier; Manheimer brauten 
Köpke auf dem Werder, im roten Adler; Tietz der Jüngere, Ecke 
der Leipziger- und Markgrafenstraßc, und Zep, in der Jpigschen 
Meierei (dem sogenannten großen Judengarten am Ende der 
Köpenicker Straße). Das Englische Bier braute Richter in der 
Oranienburger Straße. Hierzu kamen noch, außer den bereits 
genannten inländischen, das Fredersdorfer und Bomstädter Bier, 
dessen Brauerei dem großen Potsdamer Waisenhause gehörte. 
Insgesamt belief sich die Anzahl der Braumeister auf 163 mit 
302 Brauknechten. 
Eine der vielfachen polizeilichen Bestimmungen war, daß nicht 
mehr als 21'/, Tonnen von 32 Scheffeln Malz gezogen werden 
durften. Hatte ein Brauer „aus Versehen" mehr gezogen, so 
wurde ihm das erste Mal „wohl durch die Finger gesehen", und 
der llesierschuß zur ferneren Versteuerung notiert. 
Die jetzt übliche Bezeichnung „Biergcld" für Trinkgeld war 
damals eine bestimmte Abgabe an die Landschaft. Ebenso schreibt 
sich der sogenannte „Blaue Montag" von dem Brauche her, daß 
die Handwerksgesellen am Sonntag in der Herberge sich einfanden, 
die Rächt hindurch zechten und dann den entlassenen Genossen 
sowie den Fremden, welche keine Arbeit gesunden hatten, am Montag 
eine Strecke Weges das Geleit und einen Abschiedstrunk gaben. 
Dieser Brauch hatte zu Anfang der Regierung des Großen Kur 
fürsten so überhand genommen, daß der Magistrat beider Städte 
unterm 18. Februar 1647 eine „Verabscheidung" erließ, nach welcher 
der blaue oder gute Montag aufgehoben werden sollte, damit die 
Gesellen „vor Müßiggang, Fressen und SanffenS sowie anderer 
Ueppigkeiten, so sie am guten Montag zu verüben pflegten, ab 
gehalten, und zur Arbeit gezwungen wurden." 
Den Bierpreisen gegenüber standen im März 1729 diejenigen 
der Eßwaren anscheinend bedeutend zurück. Es kostete das Pfund 
Rindfleisch 1 Groschen 3 Pf., ebenso viel das Kalb- und Schweine 
fleisch; Kühfleisch 1 Groschen; Kopf, Maul und Füße zusammen 
ebenfalls 1 Groschen. An Backwaren zahlte man für Semmeln 
im Gewichte von 12 Lot 2V 4 Quentchen — 3 Pfennige; für ein 
Weißbrot von 5 Pfund 17 Lot — 2 Groschen, und für denselben 
Preis mußte ein Hausbackenbrot 6 Pfund 10 Lot wiegen. 
Allerdings galt der Scheffel des besten Weizens 1 Thaler 
1 Groschen, "die geringere Sorte 1 Thlr., Roggen 17 Gr. 6 Pf.
        
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