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Periodical volume 22.Juli 1899 Nr, 29

Full text: Der Bär Issue 25.1899

richtet wurde. Der erste Bau aus Holz wurde 1821 nach Schinkels 
Entwurf für 12 lXX) Thaler aufgeführt; er fiel aber sehr bald der 
Verwitterung anheim. Das zweite Palmenhaus, dessen Bau 1830 
begann und 15 000 Thaler kostete, erwies sich bereits 1838 zu 
niedrig für die schnell emporschießenden Insassen, so daß eine Er 
höhung erforderlich war, die abermals 12 000 Thaler Kosten ver 
ursachte. Auch dieses zweite Palmenhaus, das in der Mitte des 
Gartens stand, war aus Holz errichtet und war anfangs der 
fünfziger Jahre bereits völlig verwittert und baufällig. Das neue 
Palmenhaus, dessen Baukosten 35 000 Thaler betrugen, wurde 
völlig aus Eisen konstruiert; es hat sich bis auf den heutigen Tag 
als ein wetterfester und überaus zweckmäßiger Bau erwiesen, der 
von allen Sachverständigen als eine Musterleistung anerkannt wird. 
Die Palmen haben, ivie ihr üppiges Gedeihen beweist, in diesem 
Hause Licht, Feuchtigkeit und Wärme in ausreichendem Maße, und 
damit die drei Hanptbedingungen der Vegetation. Der Bau eines 
so großen Gewächshauses aus Eisen und Glas — das Palmen 
weitere Kreise des Publikums ein anziehendes Bildungsmittel ge 
worden sind, heben wir die Schaffung des Alpinums hervor, das 
in überaus anschaulicher Weise die Wunderwelt der so äußerst 
mannigfaltigen Alpengewächse vereinigt. 
Alle diese großartigen Anlagen sind nun dem Untergange 
geweiht; denn die Verlegung des botanischen Gartens nach Dahlem 
ist leider eine längst beschlossene Thatsache. Hoffentlich aber wird 
der herrliche Garten mit seinen alten Baumriesen dem Potsdamer 
Straßenviertel als Kurfürstenpark, als ein Denkmal an die 
Kulturbestrebungen Friedrich Wilhelms des Großen, erhalten 
bleiben. Es wäre eine Pietätlosigkeit sondergleichen, wenn man 
den botanischen Garten, in welchem der Große.Kurfürst als vor 
bildlicher Gärtner gewirkt, in welchem Alexander von Humboldt 
unter dem Laubdache exotischer Bäume gelustwandelt, in welchem 
Adalbert von Chamisso gedichtet und geforscht hat — zu 
Zwecken der Grundstücksspekulation parzellieren würde. Das darf 
auf keinen Fall geschehen; denn die ideellen Werte, um welche es 
Das Alpinum im Botanischen Garten zu Berlin. 
Haus umfaßt 600 000 Kubikfuß — war für die Zeit seiner Ent 
stehung ein nicht zu- unterschätzendes Wagnis, da alle Erfahrungen 
über die Heizung und Warmhaltung so großer Glashäuser fehlten. 
Die Amtsnachfolger Brauns — August Wilhelm Eichler 
war von 1878 bis 1887 wissenschaftlicher Leiter des Gartens, ihm 
folgte 1889 der jetzige Direktor Adolf Engler — haben an 
der Entwickelung und Ausgestaltung des Botanischen Gartens 
wacker weiter gearbeitet. Aus der großen Reihe der in den letzten 
Jahrzehnten entstandenen Neuanlagen, welche nicht nur der wissen 
schaftlichen Forschung zu Gute kommen, sondern auch für immer 
sich hier handelt, sind so groß, daß die Stadt Berlin kein materielles 
Opfer scheuen darf, um den botanischen Garten als einen öffent 
lichen Park zu erhalten — und zwar ungeschmälert in seinem 
gegenwärtigen Bestände, nicht etwa eingeengt durch eine hufeisen 
förmige Bebauung im Zuge der Grunewald-, Elßholz- und Pallas 
straße. Es würde späteren Generationen geradezu unbegreiflich 
erscheinen, wenn ein so kostbarer Besitz, wie unser Botanischer 
Garten.—■ kostbar durch die historischen Erinnerungen, die sich an 
ihn knüpfen und kostbar als Baumoase, als Lunge der Stadt — 
nicht ungeschmälert erhalten bliebe. Richard George.
        
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