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Periodical volume 24.Juni 1899 Nr, 25

Full text: Der Bär Issue 25.1899

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und fiel am Ufer des Strelsees nieder. Hier liegt er noch heutigen 
Tages, der Teufelstein, ein erratischer Block, dessen Genosse vor 
einiger Zeit mit vieler Mühe nach Berlin geschafft wurde, wo er 
im Humboldthain neben der großen Steingruppe am Bahnkörper 
seinen Platz gefunden hat. 
Taufschüsiel und Nltarlruchtrr in der Kirche zu Prendrn. 
Die wilden Kriegsfahrten des alten Haudegen Otto Christoph 
von Spare haben die Veranlassung zu all diesen Sagen gegeben, 
ihre Verwandtschaft mit ähnlichen Sagenkreisen liegt ans der 
Hand. Erst unter Wallensteins st ien, dann als kaiserlicher 
Oberst und General-Wachtmeister suchte Sparr die Mark heim und 
verbreitete in ganz Norddeutschlaud Schrecken. Obwohl er ein 
märkischer Edelmann war — 1605 wurde er zu Lichterfelde im 
Barnim geboren — schwor er doch wie so viele andere seiner 
Standesgenosfen dem Kaiser 
Eid und Treue; erst 1649 trat 
er in die Dienste des Kur 
fürsten von Brandenburg und 
diente nun seinem Baterlandc 
durch Kriegserfahrung und 
Tüchtigkeit bis an sein Lebens 
ende. Er zeichnete sich in der 
dreitägigen Schlacht bei War 
schau im Juli 1656 und im 
Türkeufeldzuge am 3. August 
1664 bei St. Gotthard an 
der Raab aus, organisierte 
die brandenburgifche Armee und 
besonders die Artillerie in vor 
züglicher Weise und starb als 
der erste brandeuburgische 
Feldmarschall am 9. Mai 1668 
auf seinem Schlosse zu Prenden. 
In der Marienkirche zu Berlin 
liegt er begraben, unter einem 
prunkvollen Marmorepitaph von 
der Hand des Artus Ouellinus. 
Die Sonne neigte sich schon 
stark nach Westen, als wir 
unsern Rückmarsch am Ufer 
des Strelsees entlang antraten. 
Der Teufelstein und darauf ein 
kleines Gehölz, wo in den sieb 
ziger Jahren Urnen gefunden 
sein sollten, wurden besichtigt, 
dann ging's an der Krummen 
Lanke herum auf Schloß Lanke 
zu, von wo die Rückfahrt nach 
Bernau erfolgte. Roch einmal 
die Fahrt durch den herrlichen Laubwald — es war ein schöner 
Abschluß des Frühlingstages im Sparrenlande. 
l)r. Gustav Albrecht. 
Von der chemischen Industrie in der Mark. 
Von 
Paul Mirschfrld. 
vn. 
Ä^Lirft man einen Rückblick ans den Ursprung und die Ent- 
ÄstDl Wickelungsgeschichte der Gewerbe, so wird man erkennen, 
daß sie wohl alle der Not, der Mutter der Erfindungen, entsprossen 
sind, sich zumeist aber im Dunkel einer prähistorischen Vergangen 
heit verlieren. So ist, wie aus alten geschichtlichen und poetischen 
Werken hervorgeht, und auch Ausgrabungen alt-assyrischer sowie 
ägyptischer Schöpfungen der Malerei und Plastik es bestätigen, die 
Kunst, den Duft der Blumen durch Destillation zu binden und 
auf diese Weise wohlriechende Ocle und Essenzen, ferner aus 
Früchten und gewissen Harzen köstliche Salben sowie ein aroma 
tisches Räucherwerk zu erzeugen, schon in der Wiege der Kultur 
entstanden. Der Einfluß, welchen der balsamische, erfrischende Duft 
der Blütenwelt aus die Menschheit ausübte, war ein so tief ein 
greifender, daß in ihr das Verlangen erwachen mußte, diese Wohl- 
gerüche festzuhalten, sie der Natur für die eigene Verwendung zu 
entziehen. Die üble Ausdünstung ihrer Haut, ihrer Kleidung, 
ihrer Wohnräume suchte nun die Menschheit durch die aufkeimende 
Kunst der Parfümerie zu ersticken oder wenigstens zu verhüllen. 
Die Geschichte lehrt uns, welchen maßlosen Uebertreibungen die 
Orientalen und später die Griechen und Römer sich in ihrer Vor 
liebe für Wohlgerüche Hingaben. War es doch bei den vor 
nehmen Athenern allgemeiner Brauch, für jeden Teil des Körpers 
eine andere duftende Salbe oder ein anderes aromatisches Oel zu 
benutzen. Waren doch die Gesetzgeber genötigtst gegen die Ver 
schwendungssucht in Parfümerien und Spezer ien strenge Verbote 
zu erlassen. Immerhin bildeten alle diese Gebrauchsmittel her ! 
Toilette, die mannigfachen Substanzen zur Bereitung des Balsams, 
des Räucherwerkes und ähnlicher Erzeugnisse wichtige Produkte 
des damals weltbewegenden Karawanenhandels, welcher, wie 
Georg Weber es zutreffend aus spricht, auf die Kultur einen 
größeren Einfluß ausgeübt hat als der mehr auf die Küsten 
länder beschränkte Seehandel. Denn von ihm, der alle Völker 
schaften, durch deren Gebiete er zog, zur merkantilen Teilnahme 
anregte, ging die Begründung jener großen Städte aus, welche 
als Pflanzstätten der Civilisation eine Leuchte des Altertums 
bildeten. 
Wenn wir uns nun aber -fragen, ob alle diese Produkte der 
Parfümerie auch die wirkende Kraft besaßen, dem Körper und der 
Tracht jenen'Grad der Reinlichkeit zu verleihen, auf dem das 
Wohlbefinden sich aufbaut, so müssen wir nach unserer heutigen 
chemischen und hygienischen Kenntnis mit einem entschiedenen Rein 
antworten. Die wohlriechenden Stoffe der Alten waren, wie wir 
schon betonten, nichts anderes als verdeckende Mittel gegen 
die Unsauberkeit. Erst durch die Ersindung der Seife, die aller 
Wahrscheinlichkeit nach einem Spiel des Zufalls zu danken ist, 
erstand der Menschheit ein Stoff, der ihren Sinn für Reinlichkeit 
mehr und mehr ausbildete und schließlich die Grundlage einer der 
wichtigsten Industriezweige werden sollte. Sieht doch Justus 
von Liebig, der große Reformator der modernen Chemie, in dem 
Verbrauche der Seife einen Maßstab für den Kulturstand eines 
Volkes. Denn die Benutzung der_ Seife, welche nicht von der 
Mode, nicht von einem Kitzel des Gaumens abhänge, sondern nur 
dem Gefühl für das Wohlsein, für Sauberkeit und Behaglichkeit 
entspringe, sei ein sprechendes Merknral für den Wohlstand und 
die erreichte Kulturstufe. Im Verlaufe dieser Schilderung werden 
wir aber auch sehen, daß dieser Schaffenszweig in engstem Zu 
sammenhange mit dem Emporblühen einer anderen Industrie steht, 
welche zum fruchtbarsten Boden einer Menge bedeutsamer Errungen 
schaften sich gestaltete. 
Die Erfindung der Seife wird den alten Germanen zu 
geschrieben. Allerdings erzählt Plinius der Aeltere in seinen 
historischen Schilderungen, daß nicht nur die Germanen, sondern 
auch die Gallier durch Kochen von Aschen mit Fetten eine Salbe, 
sapo, erzeugten, die teils als äußeres Heilmittel, teils zum Glänzen
        
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