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Periodical volume 24.Juni 1899 Nr, 25

Full text: Der Bär Issue 25.1899

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Unsere Hoffnung richtete sich deshalb auf die Kirche, vielleicht, daß 
dort noch einige Erinnerungen an den alten Sparr zu finden waren. 
Freilich nach der Schilderung, welche Fontane (a. a. D. S. 476) 
von dem kahlen Innern und dem verödeten Kirchhof gegeben hatte, 
war wenig Aussicht auf Erfolg vorhanden, es stellte sich aber bald 
heraus, daß es nicht so trostlos war, wie jener es dargestellt 
hatte) denn es fanden sich verschiedene Dinge, die der Erwähnung 
wert waren, und vor allem ließen sich die Inschriften der drei 
Sparrenglocken (nicht zwei, wie Fontane angiebt), welche damals 
„unter einer Kruste von Schwalbenguano" verborgen waren, sehr 
leicht lesen. 
Die Kirche liegt am Südwestrande des Dorfes auf einer 
kleinen Anhöhe inmitten des sehr verwachsenen Friedhofes und 
bildet ungefähr den Mittelpunkt der sich bogenförmig dahinziehenden 
Ortschaft. Der nach Westen gewendete Turm ist breit und massig 
und bis zum niedrigen Dach hinauf aus Fachwerk erbaut, an ihn 
schließt sich das einschiffige weißgetünchte Langhaus an. Schlicht 
und einfach ist das Gotteshaus nur — aber diese Einfachheit paßt 
zum ganzen Charakter des Dorfes, zu den alten, vielfach noch 
mit Binsen gedeckten Bauernhäusern. Auch das Innere ist einfach 
und kahl, die Wände weißgetüncht, Balkendecke, Gestühl und 
Emporen von rohbehauenem Holz und auch oberflächlich weiß 
getüncht, Staub und <rpinnengewebc an allen Orten, nichts 
Anheimelndes, nichts Ansprechendes. Nach und nach bessert sich 
jedoch der Eindruck, die vielfachen Totenkränze mit ihren 
Blumen und farbigen Bändern und das grellbemalte Schnitzwerk 
des Altars beleben etwas daS monotone Einerlei des grauweißen 
Anstrichs, und schließlich findet man auch noch einige Altertümer, 
die durch ihre künstlerische Gestaltung wieder mit dem Abstoßenden 
des ersten Eindrucks aussöhnen. Die Hinterwand des Altars, 
eine buntbemalte Schnitzerei aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts 
in einem Uebergangsstil von Renaissance zu Barock, zeigt den be 
kannten Etagenaufbau mit Säulen, Nischen und Portalen, in denen 
sich unter anderen die Gestalten des Heilands, des Königs David 
und des Apostel Paulus befinden. Eine Inschrift nennt die bäuer 
lichen Stifter des Schnitzwerks: Matthias, Oualitz, Schnitze und 
Gottesmann Anno 1611, eine andere den damaligen Seelsorger: 
ANNO 1611 IST DIE ZEIT PFARHER 
GEWESEN DER EHRWIRDIGE VXD WOLGE 
LARDE EHR MARTINO JONCKEL. 
Die Hinterwand ist früher niedriger gewesen, jetzt ist sie erhöht, 
da man eine modern gestrichene, rohbcarbeitetc Kanzel über dem 
Altar eingefügt hat) natürlich paßt das Ganze großartig zusammen. 
Der Altar ist mit einfacher violetter Decke bekleidet, aus demselben 
stehen ein Kruzifix und zwei Bronzeleuchter. Letztere sind bemerkens 
wert, da ihre kunstreichen Verzierungen meist mit der Hand her 
gestellt worden sind, so die hübschen Blattornamente an den 
Knäufen der schlanken Lichthalter und die Konturen der drei 
Engelsköpfchcn, welche im Verein mit einem umgestülpten Kelch 
und muschelartigen Untersätzen den Fuß des Leuchters bilden. Ein 
ähnliches Kunstwerk finde» wir in dem bronzenen Hängeleuchter 
vor dem Altar, der, wie die Altarleuchter, vermutlich aus dem Ende 
des 16. Jahrhunderts stammt. Er zeigt die gewöhnliche Form 
jener Zeit: in der Mitte die gedrehte Spindel mit Wülsten und 
tellcrartigen Scheiben, von denen die geschweiften Lichtträger aus 
gehen, und würde nicht weiter auffallen, wenn seine Bekrönung 
nicht die Aufmerksamkeit erregte. Diese besteht in einem Adler 
mit ausgebreiteten Flügeln, auf dem ein bärtiger Mann reitet, 
der rechte Arm desselben ist abgebrochen, die linke Hand hält das 
Fragment einer Fahne oder eines Schwertes, vielleicht auch eines 
Bündels Blitze, und wenn dem so wäre, könnte man die Figur 
als den auf einem Adler reitenden, Blitze schleudernden Jupiter 
bezeichnen. Wie dieser allerdings in eine christliche Kirche und 
zumal in eine märkische Dorfkirche kommen sollte, könnte sonderbar 
erscheinen, aber was findet man nicht alles in Dorfkirchen, und 
schließlich ist es auch möglich, daß der Leuchter aus irgend einem 
Sparrschcn Speisezimmer in die Kirche gestiftet worden ist. In 
teressant, wenn auch weiter kein Kunstwerk, ist die messingne Taus 
schüssel, welche in der Mitte eine Darstellung des Josua und Kaleb 
mit der großen Traube aus Kanaan und die sechsmal wiederholte 
Umschrift: ART: AEZEIT GFLVEK aufweist. Ob diese vielleicht 
auch vorher profanen Zwecken gedient hat und mit dem Zeusleuchter 
zusammen in dieKirche zu Prenden gelangt ist, mag dahingestellt bleiben. 
Auch hier wieder keine Erinnerungen an den alten Sparr — 
aber dort im Turm werden wir sie endlich finden. Schnell die 
schmale Stiege hinauf! —Ja, da hängen sie die drei Sparren- 
glocken, blank und sauber, die Inschriften mit leichter Mühe zu 
entziffern. Die mittelgroße Glocke, die nach Süden zu hängt, 
dokumentiert sich als echte Sparrenglocke durch ihre Inschrift. 
Diese läuft in zwei Reihen an der Krone herum und lautet: 
OTTO GHRISTOF VON SPARR IHRO CHURFURST- 
LICHEN DURCHLAUCHTIGKEIT ZU 
BRANDENBURCH GEHEIMTER 
KRIGS RAHT GENERAL FELD ZEUGMEISTER 
OBER COMMENDANT UBER DERO VESTUNGEN 
UND OBRISTER ZU FUSS. 
Ueber der Inschrift ist ein Tierornament, unter derselben ein 
Fruchtornament angebracht) die Vorderseite des Glockenmantels 
trägt das Sparrsche Wappen mit dem besternten Adlerfittich, die 
Rückseite die Angabe: GOSS MIOH JACOB NEUWERT ZU 
BERLIN. ANNO 1655. Die beiden andern Glocken weisen zwar 
nicht den Name» des Otto Christoph von Sparr auf, sind aber 
gleichfalls von ihm gestiftet und stammen aus den folgenden Jahren, 
die größte aus dem Jahre 1656, die kleinste aus dem Jahre 1657, 
sie sind beide von Nicolaus Schmidchen in Königsberg gegossen. 
Der Kirchturm selbst hält die Erinnerung an den alten Sparr 
wach. Beim Bau desselben verpflichtete sich die Gemeinde, die 
Steine zu liefern, wenn der Freiherr das Holz dazu geben würde. 
Dies versprach der alte Sparr, und nun bauten die listigen Bauern 
den Turm ganz aus Holz und brauchten infolgedessen für die 
Füllungen eine kleinere Menge Steine zu kaufen. So ist es ge 
kommen, das der Kirchturm von Prenden ganz ans Fachwerk besteht. 
Turm und Glocken sind also die einzigen Denkmale, an welche 
sich die Erinnerung vom alten Feldmarschall Sparr knüpft, wenigstens 
in Prenden. In den anderen Sparrschcn Gütern, so in Heckelberg, 
Trampe und Lichterfelde, finden sich noch weitere von ihm gestiftete 
Glocken, und diese verkünden allsonntäglich mit ehernem Munde 
seinen Ruhm durch das ganze Sparrenland. Sein Name lebt 
deshalb im Munde des Volkes noch fort, der Alte ist allmählich 
zu einem lokalen Sagenheld geworden, und manche wunderbare 
Erzählung von ihm ist im Ilmlauf. Durch die Lüfte konnte er 
fahren, wie weiland Dr. Faust, und wenn er seinen Mantel aus 
breitete, dann stiegen Pferde und Wagen hoch in die Luft, hier 
fuhr es sich besser als im märkischen Sande. An der Spitze des 
Biesenthaler Kirchturms hing lange Zeit seine Peitsche, an der zu 
Trampe seine Theerbutte, die hatte Sparrs Kutscher bei solchen 
Luftfahrten verloren. Noch heutzutage fährt er nächtens durch die 
Lüfte, und mancher hat in der Sparrheide nördlich von Prenden 
Peitschenknallen und Rüdengekläff, Schreien und Hohnlachen ver- 
Mt.rr und K-rnzrl zu Prenden. 
uommcn, „dal 's Oll-Sparren mit siene Hunne" — der wilde 
Jäger ins Märkisch-Braudenbnrgische übertragen. Seine Sklaven, 
die ihm bei 'sc-nen Zaubereien halfen, hatte er an einen großen 
Stein i-_i Dorfe Prenden mit Ketten angebunden) er war also ein 
richfiger Schwär,, ünstler, der Zauberglocken gießen konnte, wie die 
zu Trampe, die attchSchlangcn aus der Gegend vertrieb, oder den 
Mc.jienkirchtunn zu Berlin mit Kettenkugeln herunterschießen konnte, 
n‘ r er in Brand geriet. Daß der alte Sparr mit dem Teufel im 
Bunde stand, war eigentlich ganz selbstverständlich, und umsomehr 
mußte es Herrn Urian ärgern, als Ollen-Sparr in seinen letzten 
Lebenslagen anfing, Gotteshäuser zu bauen und Kirchenglocken zu 
stiften. In seiner Wut ergriff Urian einen großen Stein, um die 
Kirche zu Prenden zu zerschmettern, aber er glitt ihm aus der Hand
        
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