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Periodical volume 17.Juni 1899 Nr, 24

Full text: Der Bär Issue 25.1899

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maßen den sicheren Boden der Statistik. Denn über l [ t aller 
Brandursachen blieben unaufgeklärt. lind auch bei den angegebenen 
muß es zweiselhaft bleiben, ob sie wirklich den Thatsachen ent 
sprechen. In Berlin blieben sogar 40 % aller Brände in ihrer 
Veranlassung nnermittelt. Die bei weitem erheblichste Brandursache 
war Fahrlässigkeit im Umgehen mit Feuer und Licht, die über '/, 
aller Feuer bewirkte. Daneben spielten Schornsteinbrände und 
Rußentzündung eine große Rolle. Spielen mit L-treichhölzern, 
besonders bei unbeaufsichtigten Kindern und Explosion forderten 
sodann zahlreiche Opfer. In Charlottenburg kamen 60 derartige 
Fälle vor. Roch mehr wirkten unvorschriftsmäßige Feuerungs 
anlagen, die in Berlin und Charlottenburg immer noch zahlreich 
sind. Dagegen ist gefährlicher Gewerbebetrieb, Selbstentzündung 
brennbarer ätoffc und Brandstiftung als Brandursache ein weniger 
bedeutsamer Faktor. Am geringsten ist die Gefahr durch Blitz 
schläge. Das rührt aber durchaus nicht von einer Verminderung 
der Gewitter her, sondern ist dadurch zu erklären, daß in größeren 
Städten die massiven Gebäude und die gutleitenden Gegenstände 
«Rohrleitungen, Eisenkonstruktionen, Blitzableiter) selten ein Ent 
zünden der elektrischen Entladung bewirten. Neuerdings tauchen 
dagegen vielfach Kurzschlüsse der elektrischen Stromleitungen als 
Brandursache auf. Im nächsten Jahrhundert wird wohl ihre Zahl 
eine noch größere sein, wofern nicht durchgreifende Sicherungsmittel 
erfunden werden. 
Dieser Ueberblick hat uns gelehrt, daß in der That die 
moderne Technik des Feuerlöschwesens gewaltig fortgeschritten ist, 
und daß eine weitere Steigerung noch zu erwarten steht. Wenn die 
Elemente das Gebild der Menschenhand hassen, so hat der Mensch 
gelernt, die Elemente zu meistern und auch die entfesselte Natur 
kraft immer unschädlicher zu gestalten. Rudolf Gr ätz er. 
Ein französisches Urteil über Berlin. 
^•^VciS Lob Berlins verkündet mit begeisterten Worten der 
französische Journalist P. Flenry, und zwar in der Fach 
zeitschrift „Le Rouen Industriel et Financier“ vom 16. März 
dieses Jahres. In einer Reiseskizze „De Paris ä Varsovie“ heißt 
zosen dieses Denkmal sehen könnten, welches mit dem Blute von 
Frankreichs Söhnen zusammengekittet und aus dem Erz seiner 
Kanonen gegossen ist! Dieser Besuch wäre nötig, nicht, um Ge 
danken an Rache zu erwecken, wohl aber um die vaterländische 
Begräbnisplah auf Nap. 
<Zr«m Artikel: „Von unseren neuesten Kolonieen.") 
es über Deutschland und Berlin: „Als wir durch Deutschland 
reisten, sind wir überrascht gewesen von der Betriebsamkeit, der 
guten Stimmung und dem offenbaren Wohlstand aller seiner Be 
wohner. In allen Städten werden neue glänzende Stadtteile 
gebaut. Berlin hat fast zwei Millionen Einwohner: überall sind 
große Fabriken im Betrieb oder im Entstehen begriffen. Ueberall 
oder fast überall findet man elektrische Beleuchtung und elektrische 
Motoren. Der Eisenbahnverkehr in Berlin ist geradezu erstaunlich. 
Die Franzosen müßten einmal diese fieberhafte Thätigkeit und 
diesen stetigen Fortschritt in Handel und Produktion sehen. Sie 
würden viel bei der Bekanntschaft mit den thätigen Deutschen 
lernen können, welche uns von allen Märkten der Welt verdrängen." 
Mit ganz eigenartigen Empfindungen hat der Franzose das 
National-Denkmal Kaiser Wilhelms I. betrachtet, dessen 
Besuch er eine „heilige und patriotische Wallfahrt" tun pieux et 
patriotique^pelerinagel nennt. „Dieses Denkmal," sagt er, „das 
unter den Fenstern des kaiserlichen Palastes errichtet ist, erinnert 
den Kaiser Wilhelm II. beständig an die Erfolge der deutsche» 
Armee und au seine Pflicht, Deutschlands Waffenmacht aus der 
Höhe der Vergangenheit zu halten. Ach, wenn doch alle Fran- 
Maunhaftigkeit der jetzigen Geschlechter zu stärken, welche berufen 
sind, über die Ehre unserer Armee zu wachen und das heilige 
Feuer der Vaterlandsliebe und der Wachsamkeit zu unterhalten." 
Vom National-Tenkmal schweift der französische Journalist auf 
den Weltfrieden hinüber. „Wir glauben," sagt er, „daß ein Krieg 
mit Deutschland unmöglich ist. Deutschland hat seinen Sieg aus 
sehr praktische Weise benutzt, indem es seine Industrie und seinen 
Handel entwickelte und sein Vermögen vermehrte. Es will allen 
nur erdenklichen Vorteil aus einem Frieden ziehen, der ihm ein 
großes Ansehen und ein unbestreitbares Uebergewicht (indiscutable 
preponderance) giebt. Wir in Frankreich wollen ebenfalls den 
Frieden, und unsere Weltausstellungen beweisen, daß auch wir nur 
an die Entwickelung unserer Industrie und unseres Handels denken. 
Das gleiche Ziel schwebt dem deutschen Kaiser vor; er sorgt für 
ein starkes Heer, aber auch für die Erhaltung des Friedens, für 
die Entwickelung des Handels und der nationalen Arbeit, die sein 
Land bereichern." 
Ein merkwürdig unbefangenes und zutreffendes Urteil! Wir 
können nur wünschen, daß recht viele Franzosen nach Deutschland 
und nach Berlin kommen und mit derselben Sachlichkeit und dem-
        
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