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Periodical volume 17.Juni 1899 Nr, 24

Full text: Der Bär Issue 25.1899

unten an einem Aste, den sie mit den Krallen des einen Fußes 
umspannt halten. Und zwar ist diese Umspannung so sest und so 
mechanisch, daß sie selbst dann noch mehrere Minuten lang den 
Körper in dieser Lage erhält, wenn das Tier von einer Kugel 
rötlich getroffen ist. Auch lassen die Nachbaren des Erlegten 
sich durch den Knall des Schusses keineswegs in ihrer Ruhe stören. 
Das Weibchen pflegt sein Junges selbst im Fluge mit sich herum 
zutragen. 
Hanstiere nach unseren Begriffen giebt es jetzt freilich auch 
auf den Inseln, und zwar besonders Hunde, Ziegen, Schweine, 
Enten und Hühner, aber sie alle sind erst neuerdings eingeführt 
worden. Die Insulaner sind in mancher Hinsicht Feinschmecker, 
und eine unter heißen Steinen oder heißem Sande, über dem ein 
mächtiges Feuer unterhalten wird, gebratene Schildkröte oder ein 
ebenso zubereitetes Schweinchen läßt sich auch der Europäer wohl 
schmecken, wenn der gastfreundliche „König" den Fremden zu einem 
Mahle einladet. Weniger angenehm würde ihm in solchem Falle 
allerdings ein Hundebraten sein. Die Eingeborenen aber, besonders 
auf den östlichen Inseln, halten ihn für eine auserlesene Delikatesse, 
und so wird dort der „treueste Freund des Menschen" für diesen 
aus Cokosblättcrn hergestellter Fackel bewaffnet, vom Canoe aus 
durch den Schein des Lichtes anlocken, so wissen sie auch den 
Potwal aus eigentümliche Art zu erbeuten. Diese riesigen Geschöpfe 
folgen gewöhnlich wie eine Schafheerde unbedenklich ihrem Leittier. 
Durch ein unter dem Wasser erregtes Geräusch treibt der Ein 
geborene die furchtsamen schwerfälligen Riesen bis auf den Strand, 
wo sie dann nach Eintritt der Ebbe in großen Massen mit 
Leichtigkeit erlegt werden können. 
Noch weit mehr aber zu bewundern ist es, daß diese Insulaner, 
und nur sie, fast instinktmäßig zu unterscheiden wissen zwischen 
den Seetieren, deren Genuß dem Menschen nicht nachteilig und 
denen, die für ihn geradezu gefährlich, giftig sind. Denn auch 
solcher giebt es eine ganze Zahl und es ist vorgekommen, daß 
fremde Schiffsmannschaften, die in ihrer Unkenntnis von dem 
Fleisch gegessen, auf das heftigste erkrankten. 
Auch der Hai ist in dieser Gegend, wie in der ganzen Südsee, 
überaus verbreitet. Wer die Eingeborenen fürchten ihn weniger 
als die Matrosen der fremden Schiffe, die ihn mit unauslöschlichem 
Haß verfolgen, und sobald er gefangen, auf das Grausamste zu 
Tode martern. Der Hai ist ein überaus feiges Tier. Die Ein- 
Ansrrht von Hap. 
Beruf auf das sorgfältigste gemästet, und mit zerkleinerter Brot 
frucht förmlich genudelt. — 
Aber trotzdem: im Allgemeinen bildet auch heute noch auf den 
Karolinen der Seefisch die Hauptspeise. Der Eingeborene versteht 
sich vortrefflich auf den Fang. Bis au die Brust im Wasser- 
stehend, betreibt er mit unglaublicher Ausdauer das freilich höchst 
ergiebige Geschäft des Angelus. Oder er fährt mit dem Canoe 
aufs offene Meer hinaus, die Darre oder Schleppangel hinter sich 
her schleifend, und versteht es andererseits auch, mit Reuse und Netz 
umzugehen. Es ist erstaunlich, wie er oft unmittelbar nach dem 
Auswerfen schon wieder die Angel emporzieht, an der unfehlbar 
ein Fisch zappelt, während der Europäer dicht neben ihm und zu 
derselben Zeit stundenlang kaum einen einzigen Fang macht. 
Der Insulaner besitzt hierin eben eine besondere Fertigkeit. 
Auch führt er viereckige offene niedrige Bauten aus Stein oder 
Geflecht im Wasser auf, in denen dann die während der Flut an 
getriebenen Fische in großer Zahl nach Eintritt der Ebbe zurück 
bleiben, so daß sie mit leichter Mühe gefangen werden können. 
Ueberhaupt zeigen sich die Eingeborenen beim Fischfang äußerst 
erfinderisch und beweisen durch die Art, wie sie bestimmte Sorten 
in großen Massen überliste», eine bedeutende und scharfeBeobachtungs- 
gabe bezüglich der Eigenart dieser Tiere. Wie sie z. B. den äußerst 
wohlschmeckenden fliegenden Fisch während der Nacht, mit brennender, 
geborenen baden in aller Gemütsruhe im Meere, obwohl ihnen 
die Nähe des entsetzlichen Ungeheuers oder doch seine außerordentlich 
starke Witterungsfähigkeit, die über Meilen reicht, wohl bekannt 
tzst. Sie wissen, daß eine heftige Bewegung, daß jeder laute Lärni 
ihn gewöhnlich verscheucht, daß es höchstens gefahrvoll ist, ganz 
ruhig im Wasser zu stehen oder zu sitzen, und danach richten sie 
sich. Das Schiffsvolk, besonders der Segelschiffe, dagegen stellt 
diesem furchtbaren Räuber auf alle Weise nach, was nebenbei 
erzählt werden mag. 
Der Hai verschlingt alles, was er ohne Gefahr erreichen 
kan»' in seinem Magen hat man schon die unglaublichsten Dinge 
gefunden. Aber zwei kleine unscheinbare Fischchen läßt er un 
behelligt, und mit gutem Grund, denn sie schwimmen ihm immer 
paarweise voraus und warnen ihn vor Gefahr, oder bringen ihm 
Kunde, wenn Beute zu ergattern ist. Sie heißen Piloten. Sobald 
der Matrose sie erblickt, oder wenn aus irgend welchen Gründen 
die Fahrt sich verlangsamt, wird der mit einer Kette an starkem 
Tau befestigte stählerne Angelhaken, der ein kopfgroßes Stück Speck 
trägt, vom hinteren Bord des Schiffes in das Wasser gelassen. 
Bald schon zeigt cs sich, daß ein Hai gebissen hat. Nun wird der 
Koloß an der Schiffswand hochgezogen, und sobald er hängt, eine 
Schlinge um seinen Schwanz geworfen. In diesem Körperteil 
besitzt er eine Waffe von gewaltiger Kraft, und ihn zu fesseln,
        
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