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Periodical volume 10.Juni 1899 Nr, 23

Full text: Der Bär Issue 25.1899

Verantwortlicher Redakteur: Dr. M. goliiciitcano, Berlin. — Truck und Verlag: Friedrich Schirmer, Berlin SW., Renenburger Siraf.e 14a. 
zu dem litterarischen und gesellschaftlichen Leben daselbst und seine Be 
mühungen, sich in der Residenz eine bleibende Stätte zu verschaffen, zu 
verfolgen. Als es ihm gelungen war, sich im Jahre 1810 durch 
Herausgabe einer Tageszeitung „Berliner Abendblätter" eine einiger 
maßen sichere Existenz zu gründen, traten wieder ungünstige Verhältnisse 
dazwischen, welche den haltlosen, gebrochenen Dichter veranlaßten, ge 
meinsam mit seiner Freundin, Henriette Vogel, am 20. November 1811 
in den Tod zu gehen. Mit einer Würdigung Kleists als vaterländischen 
Dichter schloß der Redner seinen schwungvollen Vortrag. G. A. 
Verein für dir Geschichte der Mark Brandenburg. 
Sitzung vom 10. Mai 1899. 
Der dem Vereine leider bereits am 16. Mai durch den Tod ent 
rissene Geh. Regicrungsrat Dr. W. Schwartz hatte ein von ihm ent 
decktes Buch, enthaltend chronistische Aufzeichnungen eines Berliners 
aus den Jahren 1704—1758 zur Ansicht übersandt. Besonderes Interesse 
erregten die in den ersten Jahren des dritten schlesischen Krieges ge 
machten Bemerkungen über den Ausmarsch der Berliner Garnison, über 
das im Juni 1757 verbreitete Gerücht, daß Prag sich mit dem seit dem 
Mai eingeschlossenen Heere ergeben habe und über die kurze Besetzung 
Berlins durch den kühnen österreichischen General Grasen Haddik im 
Oktober 1757. Das Buch besteht — deutlich erkennbar — aus zwei in 
ihrem Werte verschiedenen Teilen. Die Aufzeichnungen bis zum 
Jahre 1752 sind sauber geschrieben, vielleicht eine Abschrift eines vor 
handenen Originals. In diesem Teile werden, abgesehen von einzelnen 
für die Lokalgeschichte Berlins bemerkenswerten Notizen, nur kurze 
Mitteilungen über Thatsachen gebracht, die auch sonst bekannt sind. 
Wichtiger ist dagegen der mit dem Jahre 1758 beginnende zweite Teil. 
In diesem, weit flüchtiger geschriebenen Teile, legt ein offenbar ge 
bildeter, mit einem scharfen Blick versehener Mann die Eindrücke nieder, 
die auf ihn die Ereignisse von 1753—1758 gemacht haben. In den 
ersten Jahren handelt es sich dabei allerdings vorwiegend um Unglücks- 
sälle, Exekutionen und Hofnachrichten; in den drei letzten dagegen um 
die Kriegsthaten und Siege Friedrichs in ihrer Rückwirkung aus seine 
Hauptstadt. Man erkennt, wie gewaltig auch der Bürger durch jene 
Thaten aus dem kleinlichen Einerlei seiner Anschauungen und Interessen 
aufgerüttelt und zur Teilnahme am Schicksale seines Vaterlandes er 
weckt wurde. 
Herr Universitäts-Professor Dr. Dreißig beleuchtete den wegen 
Hochverrats geführten Prozeß gegen den Königsbcrger Schöppenmeistcr 
Roth, welcher an der Spitze der städtischen Agitation der Einfügung 
des Herzogtums Preußen in den Staat des großen Kurfürsten wider 
strebt hatte. 
Herr Graf Lippe-Weißenfeld teilte mit, — anläßlich des nahbevor- 
stehenden Zietengedcnktages —: König Friedrich Wilhelm IV. habe der» 
weltberühmten Husarengeneral eine äußerst ehrende Erinnerung gcwidinet 
durch die Worte „dem besten Rainen der Mark", welche dieser souveräne 
Ordensmeistcr an Hans Joachim von Zielens greisen Sohn richtete 
bei dessen Einkleidung als Ritter des höchsten preußischen Ordens, 
den 18. 1. 1852. Ein besonderer Ruhmeskranz gebührt dem „Zietcnritt" 
<20. Mai 1745). Schließlich bleibt erwähnenswert, daß ganz gegen den 
Wunsch des damaligen Zietenhusaren-Offizierkorps die Statue auf dem 
Berliner Wilhelmsplatz einen langsamen Grübler darstellt, statt des stets 
flinken „Zielen ans dem Busch!" 
Niederlnufther Gesellschaft für Anthropologie und 
Nltertuinslrnnde. 
Am 22. und 23. Mai hielt die Niederlausitzer Gesellschaft 
für Anthropologie und Altertumskunde ihre 15. Haupt 
versammlung in Triebe! (Kreis Sorau) ab. Am ersten Tage fand 
eine Besichtigung der durch Sleinkreise bemerkenswerten Hügelgräber 
und der sogenannten sieben Sorbenhügel bei Zilmsdorf statt, dann 
wurde in Groß-Teuplitz eine Ausgrabung vorgenommen, wobei drei 
Gräber ans der Zeit des Lausitzer Typus aufgedeckt wurden, in denen 
sich einige Gefäße und etwas Bronze vorfanden. Am folgenden Tage 
'wurde die Stadtkirche in Triebe! besichtigt, welche zwei Gotteshäuser, 
ein deutsches und ein wendisches, unter ihrem Dache beherbergt, in 
denen Sonntags gleichzeitig gepredigt wird. Dann begab man sich zu 
dem etwa zwei Kilometer entfernte» Teufelstein, einem erratischen 
Block von ca. sechs Meter Länge und zwei Meter Hohe, welchen der 
Teufel zum Zerschmettern einer Mühle benutzen wollte, der ihm aber 
aus der Hand glitt und an der jetzigen Stelle niederste!. Nach der 
geschäftlichen Sitzung im Gasthofe „Zur Post" wurde der wissenschaft 
liche Teil durch eine Ansprache des Vorsitzenden, Professor Jentsch, 
eröffnet, worauf Lehrer Gau der aus Guben einen Vortrag über „Das 
Johannisfest, unter Berücksichtigung der Riederlausitzer 
Brauche" hielt. Ihm folgten Obcrpredigcr Zuchold ans Triebe! mit 
einem Vortrage über die „Geschichte der Stadt Triebel", Super 
intendent Böttcher aus Forst mir einer Auseinandersetzung über die 
Frage, ob die provinzial-römischen Funde der römischen oder früh- 
germanischen Kultur angehörten, und Dr. Mucke mit einer kurzen Ab 
leitung des Namens Triebel vom wendischen trebit-roden. Rach Be 
sichtigung einer kleinen Alterlnmssammlung im Schulhause wurde das 
Festmahl im genannte» Gasthause eingenommen. 
Bäder und Sommerfrischen. 
AK arnemünde ist zum Enipfang der Sommergäste bereits gerüstet. Die 
breiten Fenster der Veranden blinken fteundlich, wenn gerade die 
Sonne darauf scheint, die Parkanlagen prangen in frischem Grün, 
ebenso die Bänke und Stühle, soweit sie nicht weiß gestrichen sind. 
Selbst das Rosenparterre an der Bismarckslraße hat seine Vorbereitungen 
getroffen, und die Knospen an den Rosenstöcken harren nur der ersten 
wirklichen Badegäste, um ihre Pracht zu entfalten. Noch ist der breite 
und lange Strand glaü und eben' das bißchen Buddelei der ein 
heimischen Kinder will nicht viel besagen, aber nicht lange wird es 
mehr dauern, bis sich die ersten Strandkörbe schüchtern aus den Winter- 
schuppen hervorwagen. Dann kommen die ganz kleinen Großstädter, 
die noch nicht das schulpflichtige Alter erreicht haben) sie sind vorläufig 
die Alleinbesitzer, sozusagen die Autochthonen, bis sie von der Völker 
wanderung der Schulkinder in ihrem Besitze heschränkt werden. Dann 
wird der Krieg in seine Rechte treten, trotz der Friedenskonferenz iin 
Haag. Burgen werden gebaut, Schanzen aufgeworfen, Flaggen gehißt 
und ganze Flotten, die allerdings fürsorglich an Strippen festgehalten 
werden, vom Stapel gelassen. 
Bis dahin ist es freilich noch ziemlich lange. Darum sei Warne 
münde heute schon den Rnhcbcdürftigen und Erholungsuchenden 
empfohlen. 
Unmittelbar am offenen Meere gelegen, bietet Warnemünde, auf 
drei Seiten von Wasser umgeben, in allen seinen Teilen frische, gesunde, 
ozonreiche Seeluft. Die elektrische Beleuchtung aller Straßen, besonders 
der Promenaden am Strom und am Meere macht einen vornehmen 
Eindruck. Die täglich in größerer Anzahl ankommenden und ab 
gehenden Handelsschiffe, das häufige Erscheinen von Schiffen ^er 
Kaiserlichen Marine im Hafen, die zahlreichen hier und aus der See 
vor dem Hasen fahrenden Fischerboote und das hiermit verbundene 
Leben und Treiben bieten dem Kurgast das interessante, wechselvolle 
Bild eines Seehafens. 
Vortreffliche Spielplätze bieten die mit Rasen bedeckten Flächen 
längs der Warnow, die gegen Winde schützenden Parkanlagen mit ihren 
Lawn-Tennis-Plätzen und einem sehr große», wohleingerichteten, 
schattigen Kinderspielplätze, vor aller» aber der sehr breite, flach nach 
der See zu abdachende Strand von feinem, weißem Sande mit seinem 
eigenartigen, ungezwungenen Strandleben der Damen- und Herrenwelt 
und dem fröhlichen Treiben der Kinder. 
Wer Vootfahrten in See oder auf der Warnow, die sich oberhalb 
Warnemündes bis zu einer halben Meile verbreitet —- hier „Breitling" 
genannt — unternehmen will, hat hierzu bei Vorhandensein von ca. 
150 Segelbooten reiche Gelegenheit. Der Verkehr von Warnemünde 
nach dem „Schnattcrmann", einem an der Ostseite des Breitlings im 
Walde gelegenen Jägerhause mit Gastwirtschaft, und nach „Markgrafen- 
heidc" wird außer durch Segelboote durch Motorboote vermittelt. 
Weitere Fahrten in See und nach den nahe gelegenen kleinen Mecklen 
burgischen Badeorten, sowie nach den dänischen Inseln, werden fast 
täglich unternommen. Von ganz besonderem Interesse wird das am 
8. Juli stattfindende Handicap des Kaiserlichen Jachtklubs Kiel nach 
Warnemünde und die sich daran anschließende Ostsee-Regatta vor 
Warnemünde unter Beteiligung desselben und des Norddeutschen 
Regatlavereins Hamburg am 5. Juli sei». 
Bücherkisch. 
Unter dem Zollernaar. Dichtungen von Otto Franz Gensichen. 
Verlag von Alexander Duncker, Berlin W. 35. 1. Märkische 
Stimmungsbilder. 2. Hohenzollcrn-Liedcr. 3. Bismarck-Lieder. 
4. Hohcnsriedberg. Elegant geheftet Mk. 3.—. Elegant gebunden 
Mk. 4.—. 
Dieser neue Band des beliebten märkischen Dichters enthält u. a. 
die bekannten, oft vorgetragenen Dichtungen: Berliner Maiennacht, 
Hochfluth im Warthcbruch, das Rciterfestspicl „Hohcnsriedberg", das zu 
Pascwalk am 4. Juni 1895 in Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin 
bei der 150 Jubelfeier des Sieges von Hohcnfricdberg durch Ofsizicrc 
und Mannschaften des Kürassier-Regts. „Königin" in der Reitbahn des 
Regiments aufgeführt wurde) ferner unter den Bismarck-Liedern: „Zur 
Bismarck-Gedenkfeier", „Triglaw—Bismarck". 
Tem Leben zurückgegeben. Roman von B. Ernst. Umfang 
18 Bogen. Preis geheftet 3 Mk., elcg. gebunden 4 Mk. Für 
Mitglieder des „Vereins der Bücherfrcnde" kostet der Band nur 
1 Mk. 85 Pf. geheftet und 2 Mk. 25 Pf. gebunden. 
„Teni Leben zurückgegeben" ist eine talentvolle Arbeit) in flottem, 
gewandtem Stil geschrieben, ein interessantes Thema behandelnd, in 
seiner Tendenz sittlich rein erfüllt und alle Anforderungen, die man an 
gute Untcrhaltungslektüre stellen kann. 
Paris 1870,-71. Von Carl Bleibtreu. Jllustr. von Chr. Speyer. 
11.—15. Tausend. 13 Bogen. Geh. 2 Mk., geb. 3 Mk. Verlag 
von Carl Krabbe in Stuttgart. 
Unter allen bisherigen Schlachtenschilderungen Bleibtreus nimmt 
sein „Paris" vielleicht die hervorragendste Stelle ein. Mit wunderbarer 
Anschaulichkeit tritt uns das ganze weltgeschichtliche Ereignis der Be 
lagerung vonParis entgegen. Vornehmlich hatBleibtrcu die beim deutschen 
Publikum wenig bekannten Zustände auf französischer Seite beleuchtet, 
und manch neues Streiflicht fällt auf die inneren Verhältnisse der be 
lagerten Riesenstadt, sowie die mannigfache Lähmung der Höheren Befehls- 
sührung teils durch egoistische Zwistigkeiten der Führer untereinander, teils 
durch demagogische Umtriebe. Trochn und Ducrot werden überall redend und 
handelnd eingeführt, mit voller Anerkennung ihrer braven Gesinnung, 
doch nicht ohne Anflug beißender Ironie. Der Streber Carre de 
Bellemare und der Haudegen Renault, der unfähige Exca und vor 
allem der heldenmütige Ober-Artilleriekommandant Boissonet, der seine 
unftnchtbaren Anstrengungen mit dem Tode bezahlte, spielen ihre ent 
sprechende Rolle. Daneben treten noch manche Nebenpersonen auf, die 
Interesse erregen, wie z. B. Boulanger und Miribel, die späteren 
Revanchehcrocn. In dem großen Gemälde fehlt kein charakteristischer 
Zug, keine Einzelheit. Alles lebt, alles vibriert von leidenschaftlicher 
Bewegung.
        
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