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Periodical volume 3.Juni 1899 Nr, 22

Full text: Der Bär Issue 25.1899

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würde und das Oxforder Bürgerrecht, wohnte am 20. einer Sitzung 
des Ober- und Unterhauses bei, verließ London am 22. wieder, hielt 
am 23. Parade über 80 englische Kriegsschiffe ab und schiffte sich am 
25. unter dem Inkognito eines Grafen von Ruppin wieder nach 
Calais ein. 
_— Hans Hermann ii. Hatte. In Nr. 16 des „Bär" hat ein 
Aufsatz über Wüst die Aufmerksamkeit auf Hans Hermann Katte 
hingelenkt. 
Die Familie v. Katte — mit einer Katze als redendem Wappen- 
bild im Schilde — wird bereits um 1380 als im Besitze von Redeckin, 
Wust, Zolchow 2C. 
im Kattenwinkel 
aufgeführt. Sie 
vermag eine ganze 
Reihe von Glie 
dern aufzuweisen, 
die einen ehren 
vollen Namen sich 
errungen. 
1. Der Vater 
des Hans Her 
mann, Hans 
Heinrich Katte, 
ei» Sohn des 
Hans, Sachscn- 
Koburgischen Hof 
marschalls auf 
Wust, Scharlibbe, 
Kammern und 
Mahlitz und der 
Eva Auguste v. 
Stammer,waram 
16. Oktober 1681 
zu Wust gebore» 
und starb am 
31. Mai 1741 zu 
Reckahn als Kgl. 
Preußischer Ge 
nera lsel dm arsch all, 
RittcrdesSchwar- 
zcnAdler-und des 
St. Johanniter- 
Ordens, Gou 
verneur zu Kol- 
berg, Oberst über 
ein Regiment zu 
Pferde, Amts- 
hauptmann auf Zchdcnick und Liebenivalde, Erbherr auf Wust, Mahlitz, 
Steckelsdorf 2C. Er war von König Friedrich II. am 6. Juni 1740 mit 
seiner im Manncsstamme schon 1748 erloschenen Descendenz in den 
Grafenstand erhoben worden. 
2. Sein älterer Bruder Heinrich Christoph, geboren 24. April 
1675, starb am 12. November 1743 als Magdeburgiscber Kammerpräsident, 
Geheimer Rat, Amtshauptmann der Aemter Kalbe, Gottesgnade ec. 
und Erbherr auf Kamern und Scharlibbe. 
Aus seiner Ehe mit Ursula Dorothea v. Möllendorff aus dem 
Hause Hohcngöhren stammt 
3. Johann Friedrich, am 9. März 1698 geboren,, der nach rühm 
licher Teilnahme an den Schlachten bei Hohenfriedberg, Sorr, Kessels- 
üorf, Lobositz, Prag, Kolli» ec. als Kgl. Preußischer General-Leutnant 
und Chef des Leib-Küralsier-Regiments am 29. März 1764 zu Berlin 
verstarb. 
4. Aus dessen Ehe mit einer Gräfin v. Truchseß-Waldburg stammte 
Friedrich Christoph Heinrich, geboren 1740, gestorben am 11. März 
1818 als Kgl. Preußischer General-Leutnant zu Landsberg. Er war 
Ritter des Roten Adler-Ordens I. Klasse. 
5. Ein jüngerer Bruder des unter Nr. 8 genannten war Heinrich 
Christoph: derselbe war geboren am 12. März 1699 und starb am 
23. Oktober 1760 als Preußischer Staatsminister und Deutscher 
Ordensritter. 
6. Dessen jüngerer Bruder Lehrend Christian, geboren 1700, 
starb am 5. August 1778 zu Klein-Mangelsdorf als Kgl. Preußischer 
General-Major, Chef eines Dragoner-Regiments, Ritter des Ordens 
pour le merite und Erbherr auf Wust, Scharlibbe, Kamern, Klein- 
Mangelsdorf rc. 
6. Der jüngste Bruder Karl Emil, geboren 1706, gestorben 1757, 
war Kgl. Preußischer General-Major und Chef eines Dragoner-Regiments 
sowie Erbherr auf Kamern, Scharlibbe, Wust und Gottlin. 
Endlich sei noch von der jüngeren auf Weritz, Zolchow und Ren- 
Klitsche erbgesessenen Linie des Geschlechts Friedrich Wilhelm 
Gottfried genannt. Er war geboren am 10. Oktober 1785 und starb 
als General-Leutnant und Ritter des eisernen Kreuzes am 5. März 
1866 zu Berlin, auf dem dortigen Jnvaliden-Kirchhof begraben. 
Mögen die Glieder der Familie in mannigfachen militärischen 
Chargen in der Armee, oder als Landräte, Teichgrafen rc. in der Ver 
waltung auf den verschiedensten Gebieten des Lebens sich Verdienste 
errungen haben —der Name Katte ist unsterblich geworden durch das 
furchtbare Schicksal vom Jugendfreunde des großen Königs. Als der 
Erbfeind der deutschen Nation nach Wust kam, unterließ er nicht, nach 
den Reliquien von Hans Hermann Katte zu forschen und zu fragen. 
Sein Bildnis*), welches bisher noch nie veröffentlicht 
worden ist, befindet sich im Schlosse zu Wust. Die Original-Protokolle 
*) Ter Frau Marie von Katte, geb von Klützow zu Wusl und Herrn Schäfer zu Wust 
svreche ich an dieser Slelle meinen Tank für die freundliche Uebermiltelung der Pt,olo- 
gravyie aus. I)r. Gg. S. 
des Köpenicker Kriegsgerichts liegen im Familien-Archiv des Freiherrn 
v. d. Schnlcnbnrg zu Beetzendors. Der General-Leutnant der Kavallerie 
Achaz v. d. Schulenburg igestorben zu Berlin 2. August 1731) war 
nämlich vom König zum Vorsitzenden des Gerichtes berufen worden, 
welches über den Kronprinzen, über Katte, Ingersleben, Spän und 
Keith abgehalten wurde. Am 25. Oktober 1730 versammelten sich die 
vom König bestimmten Richter im Schlosse zu Köpenick. Am 27. Oktober 
fällten sie den Urteilspruch. Eine Meinungsverschiedenheit bestand nur 
hinsichtlich des Hans Hermann Katte. Drei Todesurteile standen 
zwei milderen Auffassungen gegenüber. Das Schicksal des Angeklagten 
hing von dem Wahrspruche des Vorsitzenden ab. Wenn durch dasselbe 
Stimmengleichheit eintrat, so galt nach den Kriegsrechten die mildere 
Anschauung als der Gesamtwillc. Achaz v. d. Schulenburg schloß sich der 
milderen Auffassung an, indem er auf ewiges Gefängnis erkannte. Der 
König, mit dem Spruche nicht einverstanden, schickte das Urteil mit der 
Bemerkung zurück: „ Sie sollen Recht sprechen und nit mit dem Flederwisch 
darüber gehen". Achaz v. d. Schulenburg, nach seiner Lcichcnpredigt 
ein? sromnier Mann, der keinen Tag ohne Gebet vergehen ließ, keinen 
Gottesdienst versäumte, in seinen Garnisonorten Schulen für die Sol 
datenkinder auf eigene Kosten errichtete und auf seine Bitte vom Könige 
einen eigenen Feldprediger für sei» Regiment erhielt, schrieb über solchen 
Ausdruck des Königlichen Unwillens nnt zitternder Hand drei Stellen 
der heiligen Schrift, darunter das Wort: „Sehet zu, was Ihr thut, 
denn Ihr haltet das Gericht nicht den Menschen, sondern dem HErrn". 
Die Richter traten am 31. Oktober von neuem zusammen und be- 
harrten bei ihrem Schiedsspruch, welchen sie als den richtigen erkannt 
hatten. Der König indes faßte seine Stellung als Kriegsherr und 
oberster Richter dahin auf, daß er das Urteil nicht nur mildern, sondern 
auch verschärfen könne und ließ Katte enthaupten. 
Was den Prinzen anbetrifft, so herrschte über seine Schuld völlige 
Uebereinstimmung unter den Richtern. Sie hielten sich nicht sür zu 
ständig und bezeichneten den Gegenstand der Anklage als eine Staats 
angelegenheit und Familiensache, „welche einzusehen und zu beurteilen 
ein Kriegsgericht sich nicht erkühnen darf". Dabei beruhigte sich 
der König. Dr. Gg. Schmidt-Sachsenburg. 
Vereins-Nachrichten. 
„Brandenburgs". Gesellschaft für Heimatkunde der 
Provinz Brandenburg zu Berlin. 
Als Mitglieder sind aufgenommen: Herr Pfarrer Siemann in 
Brunne, Kr. Osthavelland. Herr Mittelschullehrer Karl Thürmann, 
Treucnbrictzen. Herr Apothekcnbesitzer Gustav Zitelmann, Pallisaden- 
straße 81. 
Der Vorstand bittet die noch restierenden Mitgliederbeiträge für 
das laufende Semester zur Vcrnicidung . postalischer Einziehung dem 
Schatzmeister, Herrn Bankier Ritter, einzusenden. 
Der Vorstand macht ferner darauf aufmerksam, daß die Gesellschaft 
am 11. Juni einen Ausflug nach Guben und dem benachbarten 
Buderose, Besitztum des Herrn Dr. Kreisel, unternimmt. In Guben 
hat sich ein Ausschuß gebildet, an dessen Spitze der Oberbürgermeister 
und das Ehrenmitglied Professor Dr. Ionisch stehen. Rach Buderote, 
einem idyllisch gelegenen, alten Rittergut mit schönem Part und Herren 
haus, das von Guben aus in einer anmutigen Wassersahrt zu erreichen 
ist, hat Herr Dr. Kreisel die Gesellschaft freundlichst eingeladen. 
Vücherkisch. 
Prof. Dr. Hilty. Glück. III. Teil Leipzig, I. C. Hinrichssche 
Buchhandlung. Preis 3 Mt., geb. 4 Mt. 
Pros. Hilty ist nicht nur ein belesener Mann, sondern auch ein 
praktischer Schriftsteller, und als solcher befleißigt er sich einer klaren 
Darstellung. Allerdings darf man in dem Buche nicht eine Panacee 
für das Glück suchen. Wo gäbe es eine solche? Am letzten Ende findet 
Hilty das Glück im Glauben, ein Ergebnis, das weder neu noch über 
raschend ist, aber trotzdem wird jeder das Buch mit Befriedigung lesen: 
denn Hiltys Untersuchungen sind vielseitig und bieten jedem etwas 
Interessantes. 
Berliner Verkehrslexikon. Verlag von Max Schildberger. 
Berlin W. 62. Preis 40 Pf. 
Mit seinem knappen, kurzen, und doch so außerordentlich reichen 
Inhalt ist dieses Büchlein ein Nachschlagebuch für das ganze öffentliche 
Berlin und seinen Verkehr. Besonders die nach den Bahnhöfen geord 
neten Eiscnbahnsahrpläne sind eigens für den Berliner zusammengestellt, 
erstrecken sich über ganz Deutschland und weisen auf einen Blick die 
kompliziertesten Eisenbahn-Verbindungen nach. — Die Sommerfahrpläne 
der Straßenbahnen, die Dampfschifffahrten rc. weisen erhebliche Kurs 
und Tarisänderungen nach, und namentlich bei Ausflügen sollte man 
nicht vergeffen, dieses „Berlin in der Westentasche" mitzunehmen. 
Kicfzlings Tpczialkarte vom Lprcewald 1:50000, 75 Pf. (Verlag 
von Alexius Kießling in Berlin SW.) erschien in sechster 
Auflage. 
Die bis aus die neueste Zeit ergänzte und mit ausreichendem Text 
versehene Karte giebt ein übersichtliches Bild der von unzähligen Fluß- 
läufen durchzogenen Wald- und Wicsengebietc. Auf dem Burger 
Terrain sind alle Fußwege, Brücken und Einzelgehöfte deutlich markiert, 
so daß bei richtigem Gebrauch der Karte ein Verirren unmöglich ist. 
Da die Kießlingsche Karte die offizielle Karte des Spreewaldvereins ist, 
bietet sie die beste Garantie für ihre Zuverlässigkeit. 
Lcrauiworllicher Redakteur: vr. M. Folticineano, Berlin. — Truck und Verlag: Friedrich Schirmer, Berlin SW., Reuendurger Straße 14a.
        
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