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Periodical volume 13.Mai 1899 Nr, 19

Full text: Der Bär Issue 25.1899

wolmer jener Geilend überhaupt scharf überwachten, Der Verwundete 
blieb in Schönhausen, bis sein Zustand eine Weiterbeförderung gestattete. 
Dann geleitete ihn sein Retter auf sicheren" Wegen, daß seine Flucht 
nach Dänemark gelang. Auf diese Weise wurde der wackere Mann 
dem Vaterlande erhalten, der sich dann 1813 durch die Bildung der 
berühmten Lützowschcn schwarzen Schar so großes Verdienst erwarb. 
Schwer hat der Druck jener Unglücksjahre auf Schönhausen auch 
in sonstiger Beziehung gelastet, Herr von Bismarck gab im Jahre 1809 
die durch die erwachsenen Schäden und Unkosten für seinen Besitz auf 
7997 Thaler an, Tic Verpflegung eines französischen Offiziers, 1062 
Tage lang,^kostete allein schon 3106 Thaler, die einer französischen 
Dame, 100 Tage lang, 200, eines Bedienten, 509 Tage lang, 254 Thaler' 
Dazu kam die durch die Plünderung erlittene Einbuße, 1071 Thaler 
Kriegssteuer, die nach dem Westfälischen abgeführt, und 2233 Thaler, 
die von der Königssteuer-Repartitions-Kommisflon eingezogen wurden. 
Es läßt sich ermessen, mit welchem Aufatmen man auch hier die 
Kunde vom Untergange der französischen „Großen Armee" in Rußland 
und die Erhebung Preußens zum Befreiungskampf aufnahm, Hoffnungs 
freudig schlugen die Herzen, begeistert wurden die Erlasse des Königs 
begrüßt, jeder bereit, opferwillig Gut und Blut für die Rettung des 
Vaterlandes darzubringen. Frau Wilhclminc von Bismarck war eine 
der ersten, welche nach dem Aufrufe der preußischen Prinzessinnen 
Wilhclminc und Marianne dem vaterländischen Franenvcrein beitraten, 
Sic errichtete in Schönhansen eine Sammclstelle und organisierte die 
Fraucnthätigkeit zum Zwecke des Samariterdienstes. 
(Schluß jolgt.) 
Die wüste Kirche bei Drehna im Kr. Luckau. 
Von 
Dr. Gustav Albrecht. 
häufig schreitet des Menschen Fuß über ehemalige Kultur- 
statten hinweg, ohne daß der Wanderer es ahnt, daß dort 
einst Leute gewohnt und gearbeitet haben, und nur durch Zufall, 
durch einen Fund oder dergleichen, wird das Vorhandensein einer 
solchen wüstliegenden Wohnstätte aufgedeckt. In Rorddeutschland 
giebt es viele solcher wüsten Dorf- oder Stadtstellen, und die Mark 
Brandenburg ist der vielen früheren Kriege und Epidemien wegen 
besonders reichlich damit gesegnet. Von manchen dieser Stätten 
hat sich noch der Name erhalten, ihre ehemalige Lage kennt man 
aber nur aus sagenhaften Ueberlieferungen und hält diese auch für 
Sagen, bis durch irgend welche Funde das Bestehen des Ortes 
nachgewiesen wird. Bei manchen wüsten Ortschaften haben sich 
auch Ueberbleibsel von Gebäuden in Gestalt von Grundmauern, 
Turm- oder Kirchenruinen erhalten, und diese Reste erleichtern 
dann wesentlich das Auffinden der Lage des Ortes, Ein solches 
wüstes Dorf ist Drehna im Kr, Luckau, wo sich mitten im freien 
Felde eine mächtige Kirchenruine mit massivem Turm erhebt. Kein 
Haus ist im näheren Umkreise zu erblicken, erst l r / s bis 2 km 
nach Südwesten zu liegt eine Ortschaft, welche aber ihre eigene 
Kirche besitzt, und so ist denn die Kirchenruine als Rest eines 
untergegangenen Dorfes zu betrachten. 
Dieses Dorf, über welches nur spärliche Nachrichten vorhanden 
sind, da sämmtliche Urkunden darüber vernichtet zu sein scheinen, 
ist vermutlich in der Zeit der Hussiteneinfälle im 15. Jahrhundert 
vernichtet worden. Es war slavischen Ursprungs, wie sein früherer 
Name Drjenjow, d, i, holzfreier Platz bezw, Lichtung im Walde, 
andeutet, und diesen wendischen Namen haben die deutschen Be 
wohner ^ des Ortes in Dannenrode verdeutscht. In Urkunden des 
14, Jahrhunderts wird einige Male eine „curia Dannerode“ 
mit Kalau zusammen erwähnt und diesen Gutshof hält man für 
identisch mit dem Dorf Drehna, Falls dies richtig ist, wäre die 
deutsche Bezeichnung später wieder ausgegeben und der alte wen 
dische Name angenommen worden. In Drehnow, wie es dann 
genannt wird, hat sich verschiedenen Nachrichten zufolge eine Wall 
fahrtskirche befunden, die im 13, und 14, Jahrhundert sehr besucht 
wurde. Dieses alte Kirchlein hat sich nicht erhalten, denn die jetzt 
als Ruine vorhandene Kirche in Drehna ist erst im Anfang des 
15, Jahrhunderts erbaut worden, und zwar, wie eine Nachricht 
besagt, aus den Mitteln des Luckauer Klosterfonds. Berücksichtigt 
man, daß diese Kirche aus so festem Material errichtet wurde, 
daß sie eine Verheerung, welche eine ganze Ortschaft hinwegraffte, 
zu überstehen vermochte, ferner, daß sie in sehr edlen Formen 
erbaut ist, was bei einer Dorfkirche immerhin auffällig sein dürfte, 
so kann man daraus schließe», daß für den Kirchenbau reichliche 
Mittel zur Verfügung gestanden haben. Diese Mittel flössen aber, 
wie erwähnt, aus dem Fonds des Klosters in Luckau; die dortigen 
Dominikaner, welche auch eine Terminei in Drehnow besaßen, 
müssen also ein Interesse daran gehabt haben, die Kirche so fest 
und so stattlich aufzubauen. Da es eine Wallfahrtskirche war, 
liegt die Annahme nahe, daß sich hier eine heilkräftige Reliquie 
oder ein wundcrthätiges Heiligenbild befand, welches einen so 
großen Zuspruch von seiten der Gläubigen hatte, daß die Einkünfte 
aus Ablaß- und Bußgeldern hinreichende Mittel zum Neubau der 
Kirche gewährten. Genaues läßt sich indes nicht feststellen, da 
urkundliche Nachrichten fehlen, doch scheint die Herrlichkeit nicht 
lange gedauert zu haben, da die Kirche bereits seit Mitte des 
15. Jahrhunderts als wüst bezeichnet wird. Vermutlich haben 
die Hussitcn, welche im Jahre 1429 die Städte der Niederlausitz, 
besonders Kalau, Luckau und das Kloster Dobrilugk, heimsuchten, 
auch Drehna mit seiner Kirche vernichtet. Während das Dorf 
vom Erdboden verschwand, spottete die Festigkeit der Kirchenmauern 
allen Zerstörungsversuchen, so daß eher die Steine als der Mörtel 
zerbrachen. Diese Festigkeit rührt der Sage nach daher, daß der 
Kalk mit Eiern und Milch angerührt wurde, welche als Abgabe 
von den umwohnenden Landleuten zum Kirchenbau beigesteuert 
werden mußten. Diese sagenhafte Ueberlieferung scheint auf 
historischer Grundlage zu beruhen, da in einer Chronik berichtet 
wird, daß die Klostergeistlichen aus Luckau alljährlich auf dem 
Platze vor der Kirche in Drehna den Zehnten entgegenzunehmen 
pflegten. Eine andere Sage erzählt, daß ein unterirdischer Gang 
von der Kirche zum Schlosse des nahebelegenen Dorfes Fürstlich- 
Drehna geführt habe, und verschiedentlich hat man versucht, diesen 
Gang zu untersuchen, ja die kotholische Geistlichkeit soll im Mittel 
alter mit Kruzifix, Weihrauchkessel und Kerzen vorgedrungen sein, 
um die im Gange hausenden Geister zu bannen, aber niemand hatte 
Erfolg gehabt. Jetzt soll der Gang verfallen sein. 
Soweit Ueberlieferung und Sage, Die Ruine der Kirche liegt 
im freien Felde auf dem Abhange eines sauft aufsteigenden Hügels 
und macht mit ihrem kastellartigen Turm einen imposanten Ein 
druck, Sie ist im gotischen Stil aus runden Feldsteinen erbaut, 
welche schichteuweise i» Mörtel gebettet sind; in der Höhe des ein 
schiffigen Langhauses zieht sich ein Backsteinsries herum, Feustcr- 
und Thüreinfaffungen sind aus Backstein hergestellt. Auf der Nord 
seite der Kirche befindet sich ein Anbau, welcher die früher gewölbte 
Sakristei und darüber eine kapelleuartige Nische enthielt. Das 
Vorhandensein dieser Nische, welche augenscheinlich zur Aufstellung 
eines Heiligenbildes bestimmt war, hat die Annahme, daß es sich 
um eine Wallfahrtskirche handelt, bestärkt. Die Decke ist herab 
gefallen und dickes Gestrüpp wuchert im Innern und auf den 
Mauern, Spuren ehemaligen Kalkbewurfs sind an den Wänden 
und Fenstereinfassungen noch sichtbar. Der Turm, welcher sich über 
der Vorhalle in drei Geschossen aufbaut, ist am besten erhalten. 
Er ist viereckig und zeigt im unteren, etwas abgesetzten Geschoß an 
der Vorderseite und den beiden Seitenflächen je ein Fenster, in 
den beiden anderen aus Backstein errichteten Geschossen verschieden 
artige Fensteröffnungen an allen vier Seiten, Zu oberst befindet 
sich ein ringsumlaufender Zinnenkranz und hinter demselben der 
etwas zurückgesetzte pyramidenförinige Backsteinhelm, Die Ruine 
wird in dankenswerter Pietät von dem Patron von Fürftlich- 
Drehna als historisches Bauwerk dauernd erhalten. 
Lewes und George Eliot in Berlin. 
Von 
W. Kunrau Ehild. 
ä cder sagt einem, daß Berlin eine uninteressante, moderne 
- Stadt mit breiten, monotonen Straßen sei, und wenn man 
es sieht, kann man durchaus eine Bewegung der Ueberraschung 
nicht unterdrücken!" — so beschrieb George Eliot ihren ersten 
Eindruck von der preußischen Hauptstadt, Man hatte ihr großes 
Mißtrauen gegen den äußeren und inneren Charakter Berlins ein 
geflößt, und als sie im Herbst 1854 nach dreimonatlichem Auf 
enthalt in Weimar mit Lewes nach der östlichen Residenz kam, 
dauerte es ein Weilchen, bis sic sich von ihren Vorurteilen befreit 
hatte. Zwar war damals noch an keine der großartigen Ver 
schönerungen zu denken, für die eine spätere Regierung gesorgt. 
Der Tiergarten beherbergte noch keinen Monumcntcnschatzj wild 
lag der Park um den neuen See, und als lichter Punkt hob sich 
aus dem Geäst der Bäume allein Krolls Etablissement, Aber die 
Hauptstraßen der Stadt zeigten im wesentlichen denselben Charakter 
wie heut, und „Unter den Linden" drängte sich im Glanz der 
klaren Herbsttage auch eine bunte Schar schaulustiger Flav-mrs 
beiderlei Geschlechts,
        
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