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Periodical volume 6.Mai 1899 Nr, 18

Full text: Der Bär Issue 25.1899

Hölzern zu festen Preisen/" Die Leitung der Fabrik übernahm der 
Tischlermeister I. G. Thielemann, während Loos das erforderliche-Geld 
hergab. Fabriziert sollten werden: Sekretäre zu 36 bis 60 Thl., je 
nach der gcwäblten Holzart: Schreibtische zu 20—40 Thl.: Kommoden 
zu 12—24 Thl.: runde Tische 4 Fuß Durchmesser, 7—15 Thl: Kaffee- 
tische 4—7 Thl.: Spieltische 6—10 Thl.: Nähtische 6 Thl.: Toilettentische 
7—8 Tbl.: Ausziehtische lOThl.: Notenpulte6Thl.: BetttstellenPaar8Thl.: 
Kleiderspinde 26 Thl.: Bücherspinde 24 Thl.: Waschtische 14 Thl.: 
Schenken (Büffets) 25—30 Thl.: Faule Knechte 10 Thl. Alles sollte 
„zwar im Ganzen nach dem hergebrachten Geschmack gearbeitet werden, 
um sogleich für das Bedürfnis des Publikums zu passen, indes soll der 
Geschmack soviel als niöglich simplifiziert und veredelt werden und die 
Meubel überhaupt sowohl durch innere Güte und Dauer, als auch Fleiß 
der Arbeit, womöglich von allen bisherigen sich auszeichnen, was sich 
auch auf die dazu nötigen Arbeiten anderer Professionen erstrecken muß." 
Es sollten auch Möbel „ganz neuer Art von allen möglichen europäischen 
Hölzern und nach ganz neuen Modellen, wozu man sich allenfalls 
Zeichnungen von berühmten Architekten machen läßt," angefertigt werden. 
Ebenso sollten sic „mit künstlichem Mechanismus versehen werden, weil 
dergleichen den Käufer reizt und Gelegenheit giebt, der Fabrik Produkte 
in öffentlichen Blättern vorteilhaft zu erwähnen." Mit der Fabrik 
wurde ein besonderes Kabinett eingerichtet, in dem alle europäischen 
Holzarten in zierlicher Form ansgestellt waren zu dem dreifachen Zweck: 
„1. der Fabrik als Musterkarte zu dienen, 2. Käufer und Besteller wählen 
zu lassen, 8. um besonders in der Weihnachtszeit als Ausstellung zu 
dienen, die Käufer anlockt." Es sollten auch allerlei geeignete Möbel 
auf die Leipziger Messe gesandt und Spiegel, Musikinstrumente und 
dergl. in Kommissons-Verkauf genommen werden. Bei der Festsetzung 
der Preise sollten 25—30 % zu den Selbstkosten aufgeschlagen, ein 
Rabatt aber nur Käufern von mehr als 100 Tbalern in Höhe von 
ö—!8 % gewährt werden. Die Fabrik wurde zuerst im Thielemannschen 
Hause rn der Lindenstraßr betrieben, sollte aber dann nach dem Friedrichs- 
werdcr verlegt werden. Außer Lehrlingen und Aufwärtern wurden 
zuerst 8 Gesellen beschäftigt. Die Auflösung der stillen Gesellschaft er 
folgte schon im Fahre 1806. Dabei mußte Loos zur Deckung seiner 
Einlage viele Möbel, darunter auch diesen, jetzt in das Märk. Museum 
gelangten Schrank übernehmen, der für die' Königin Luise bestimmt 
gewesene und deshalb mit vielen Federn, Uhrwerk mit Gewichten, sowie 
mit reichen Verzierungen ausgestattet war. Das Königliche Kabinett 
fand aber „in der damaligen knappen und trüben Zeit"'den Preis z» 
teuer. Das Unternehmen kann wobl als Anfang der später so sehr 
entwickelten Berliner Möbelfabrikation gelten. Thielemann setzte das 
Geschäft später allein fort und. wurde noch zum „Akademischen Künstler" 
ernannt. Er starb 1821. R. Buchholz. 
(Aus dem Monatsblatt der „Brandenburgia".) 
Eine Oper „Mudarra" vor hundert Jahren. Nichts Neues 
unter der Sonne! Im Anschluß an den Aussatz über La Bornes neue 
Oper „Mudarra" in der vorigen Nr. ist es nicht ohne Interesse zu 
erwähnen, daßeinc Oper unter demselben seltsamen Titel bereits vor 
nahezu einem Jahrhundert auf dem königlichen Theater erschienen ist, ein 
musikakisches Werk von dem Kapellmeister Bernhard Anselm Weber. Aus 
dem Zettel heißt es: „Heute, Montag, den 10. März 1800, wird auf 
diesigem königlichen Nationalthcatcr das Allerhöchste Geburtstagsfest der 
regierenden Königin von Preußen (Luise) in allertiesstcr Ehrfurcht und 
Unterthänigkeit gefeuert durch eine Rede, gesprochen von Herrn Beschort. 
Hierauf zum 1. Male Mudarra, Singspiel in 4 Akten von Herklots, 
komponirt von Musikdirektor Weber u. s. w." Der Titelheld wird hier 
als Fürst^von Murcia charakterisiert und wurde von dem vorzüglichen 
Sänger Johann Karl Ambrosch, einem glänzenden Tenoristen, ge 
geben. Ambrosch war damals auf der Höhe seines Könnens und seiner 
Beliebtheit: im Jahre 1811 ließ er sich pensionieren und starb ein Jahr 
zehnt später. Ferner wirkten der treffliche Eunickc, der Bassist Frarflz 
und die berühmte Madame Schick mit. Ein zeitgenössischer Kritiker 
berichtet über diese Aufführung: „... Herr Beschort dielt eine Rede, 
in welcher die Empfindungen der Liebe und der heißen Wünsche sür 
das Wohl der erhabenen Monarchin mit ebensoviel Innigkeit als Wahr 
heit ausgedrückt waren! Das Haus war so voll als möglich, und der 
allgemeine Beifall, welchen der Redner erhielt, war ein lauter Beweis 
der Uebereinstimmung aller mit den Wünschen und Empfindungen, 
welche er in ihrem Namen vortrug. Nachher wurde eine neue Oper 
gegeben, Mudarra in vier Akten .... Es war das achte mal, daß 
das Publikum Gelegenheit hatte, die Talente dieses denkenden Tonkünstlcrs 
(B. A. Weber) in einem großen Werke kennen zu lernen. Der all 
gemeine und laut geäußerte Beifall zeigte, daß man dem Verdienste des 
Künstlers Gerechtigkeit wiederfahren ließ, und wirklich verdiente diese 
Oper den besten Werken dieser Art an die Seite gesetzt zu werden. Der 
Stil der Komposition ist lebhaft und glänzend, der Charakter des 
Ganzen heroisch, doch geht er nach Erfordernis des Textes, oft in den 
sanften Ausdruck der Empfindung über und zerfließt, wenn ich mich so 
ausdrücken darf, in süße Melodien" u. s. w. — Karl Alexander Herklots 
(geb. 1759, gest. 1830) war aus einem Hof-Gerichtsreferendar zum 
Theaterdichter der königlichen Bühne geworden, und ist bekannt als 
Bearbeiter und Ueberjctzer zahlreicher französischer und italienischer 
Singspiele, Opern und Operetten, darunter auch von Mozarts ,.0e>si 
kau tutts". Gewandheit in dramatischer Technik und eine gefällige 
Zprachform zeichnen die meisten seiner dramatischen Arbeiten aus. 
Bernhard Anselm Weber (geb. 1766, gest. 1821) war zuerst Musik 
direktor bei dem bekannten Theaterprinzipal Großmann, dann seit 1792 
an der Berliner Hofbühne angestellt, wo er bis zu seinem Tode mit 
schönen Erfolgen als Dirigent wie als Komponist wirkte. Von ihm 
stammt die Musik zu Schillers „Wilhelm Tell", zur „Jungftau von 
Orleans", zu Zacharias Werners „Weihe der Kraft", deren Erstaus 
führungen in die Zeit seiner Kapellmeister-Thätigkeit fallen. Auch eine 
Reihe eigener Opern hat er komponiert. 
Am 6. Mai vor 40 Jahren starb im Alter von 90 Jahren 
Alexander von Humboldt in Berlin. Der erste, der auf diese Trauer 
kunde in die langjährige Wohnung des großen Forschers in der 
Oranienburgerstraßc eilte, war der damalige Prinzregent (später Kaiser 
Wilhelm I.), und es ehrte beide, den Herrscher wie den Gelehrten, wenn 
ersterer dem Oberhofmarschall Baron von Stillfried befahl, die Leichen 
feier ganz auf fürstlichem Fuße einzurichten. Am 10. Mai, eineni 
Dienstag, früh 7 2 9 Uhr, wurde, was sterblich war an dem Schöpfer 
des „Kosmos", unter dem Geläute der Glocken zunächst nach dem Dom 
geleitet. Die Ministerien, die Generalität, Deputattonen beider Häuser 
des Landtags, des Berliner Magistrats, die Aeltesten der Kaufmann- 
schast, die Universitätsprofcssoren, die Studenten, die Lehrer aller 
Schulen Berlins folgten dem von Hoflakeien umgebenen und von 
Pferden des königlichen Marstalls gezogenen Leichenwagen, und im 
Dom empfingen die Leiche ehrfurchtsvoll der Prinzregent und 
sämtliche Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses. Am 
nächsten Tage fand Humboldt seine letzte Ruhestätte in Tegel, in dem 
selben Tegel, von dem Humboldt am 17. Dezember 1856 an Barnhagen 
von Ense schreibt: „Ich begrabe morgen wieder an der Säule in Tegel, 
welche durch Thorwaldsen Hoffnung verheißt. Die älteste Nichte meines 
Bruders. Gencraliu Hedemann, 1800 in Paris geboren, ist nach vielen 
Leiden (Lebcrkrankheit mit Wassersucht verbunden) verschieden, eine 
liebenswürdige, heitere Hausfrau, 40 Jahre in der glücklichsten Ehe 
gesund. Ich begrabe mem ganzes Geschlecht." 
Am 10. Mai vor 100 Jahren wurde zu Kienitz in der Neu 
mark der Gründer des bekannten, später nach ihm genannten Vereins, 
Wilhelm Adolf Lette geboren. Er starb in Berlin am 3. Dezember 1868. 
Außer seiner Stellungnahme zur Frauentage hat Lette in den mannig 
faltigsten Beziehungen auf die Kulturentwickelung Preußens eingewirkt, 
und viele Vereine begründet und geleitet, ist auf dem Gebiete der 
Volkswirtschaft und als Volksvertreter in Frankfurt sowohl wie in Berlin 
unermüdet thätig gewesen. Sein Hauptwerk ist die „Landeskulturgesetz 
gebung des preußischen Staates" in 3 Bänden, ferner schrieb er: „Ländliche 
Gemeinde- und Polizeiverfassung in Preußens östlichen und mittleren 
Provinzen", „Gesetzgebung über Benutzung der Privatflüsse zur Be 
wässerung von Grundstücken", „Beleuchtung der preußischen Eherechts- 
reform". Zuletzt war er Präsident des Landesökonomiekollegiums. 
Bäder und Sommerfrischen. 
Soolbad Salzdetfurth bei Hildrsheim. 
Nachdem der Frühling in das Land gezogen, find für die nächste 
Zeit schon so viele Anmeldungen erfolgt, daß der Besuch in diesem 
Sommer alle vorhergehende'Jahre bei weitem übertreffen zu wollen 
scheint. Ueberhaupt hat dieser Badeort von Jähr zu Jahr an Frequenz 
zugenommen. Dieses beweisen schon die neuerbautcu Hotels, welche 
mit allem Komfort, Badeeinrichtungen und Zentralheizung ausgestattet 
sind. Hierzu kommt die ozon- und salzhaltige Luft, welche der Seeluft 
fast gleicht, und die bewährte Heilkraft der Soole, welche sich in 
Bezug auf ihre Güte und Wirksamkeit mit der der besuchtesten Bäder 
messen kann. Sie befreit jährlich viele von ihren Leiden, bringt ihnen 
zuni mindesten ersehnte Linderung in diesem reizenden Badeorte. 
Biichertifch. 
Das XIX. Jahrhundert in Wort und Bild. Polittschc und 
Kulturgeschichte von Haus Krämer in Verbindung mit hervor 
ragenden Fachmännern. Berlin, Deutsches Verlagshaus 
Bong & Co. 60 Lieferungen ä 60 Pf. 
Die jüngst zur Ausgabe gelangten Lieferungen 24—26 werden dank 
ihrem tertlichcn und illustrativen Inhalt die Zahl der Freunde des 
schönen Werkes sicher nicht verringern. Besonders erwähnen wir die 
vortrefflichen Kunstblätter „Russisches Volksfest um die Mitte des Jahr 
hunderts" (24. Heft), „Haspinger segnet auf dem Wiener Südbahnhof 
die zur Landesverteidigung ausziehenden Tiroler Studenten" (25. Heft) 
und „Panorama von Hclsingfors und der Festung Sweaburg zur Zeit 
des Krimkrieges" (26. Heft). Das Krämerschc Werk wird seit seinem 
Erscheinen in fünf ftemdc Sprachen übersetzt. Die italienische Ausgabe 
des ersten Bandes „il Secolo XIX“ ist bereits erschienen. 
Aus dem Lande der Mitte von Ernst Ruhstrat. Umfang 24 Bogen. 
Mit 20 einseitigen und 2 doppelseitigen Vollbildern.. Preis geheftet 
5 Mark, eleg. gebunden 6 Mark. Für Mitglieder des „Vereins 
der Bücherfreunde" 1 Mk. 85 Pf. geheftet und 2 Mk. 25 Pf. 
gebunden. 
In der Litteratur über China fehlte es an einem Buche, das in 
übersichtlicher, populärer Forni zuverlässigen Aufschluß über die Sitten 
und staatlichen Einrichtungen der Chinesen giebt. Die bisher erschie 
nenen Werke, unter denen sich zwar recht gute befinden, sind so umfang 
reich und berücksichtigen so vieles, daß man sich über das Interessanteste 
in dem Reiche des Zopfes, über die fremdartigen Sitten und Ein 
richtungen, nicht so ohne Weiteres orientieren kann. Auch ist der Preis 
bei wirklich gediegenen Werken ein recht beträchtlicher. Diese Lücke füllt 
vorliegendes Werk aus: es führt den Leser leicht und unterhaltend in 
die Gebräuche und Sitten der Söhne des Reiches der Mitte, ein und 
man merkt es auf jeder Seite, daß der Verfasser ein gründlicher 
Kenner des Landes ist. In seiner Stellung — seit 17 Jahren ist er 
Beamter im kaiserlich-chinesischen Seezolldienste — hat er auch reichlich 
Gelegenheit zum Studium des Volkes. 
Cine reich illustrierte Max Klinger-Monographie erscheint in 
diesen Tagen als Band II. der bekannten, von Franz Her 
mann Meißner herausgegebenen Monographien-Sammlung: 
„Das Künstlerbuch" bei Schuster & Locffler in Berlin. 
Verantwortlicher Redakteur: vr. M. Fotticineano, Berlin. — Truck und Beilag: Friedrich Schirmer, Berlin SW„ «eucnbnrgcr Straiie l iu.
        
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