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Periodical volume 6.Mai 1899 Nr, 18

Full text: Der Bär Issue 25.1899

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Kriege hatte es von den Schweden arg zu leiden, fast das ganze Dorf, 
die Kirche und das Herrenhaus wurden ein Raub der Flammen. Das 
beim Wiederaufbau des Dorfes errichtete Herrenhaus, ein einfacher Bau, 
steht jetzt noch, ein Park umgiebt dasselbe, seitlich reihen sich die Wirt 
schaftsgebäude an. Auf dem Gute befinden sich einige prähistorische und 
mittelalterliche Altertümer, so eine Hirschhornhacke mit angefangener 
Zielens Grabmal in der Kirche zu Wustrau. 
Durchbohrung (vermutlich germanisch) und ein bearbeitetes Stück vom 
Hirschgeweih, zwei Mahlsteine, der eine aus Glimmerschiefer, der 
andere aus Granit, welche der spätgermanischen Zeit angehören können, 
und ein spätwendischer Mahlstein aus schwärzlich grauem Quarzit. 
Ferner ein dreifüßigcr Grapen, welcher beim Bau des Gutshauses 
zwei Meter tief im Sande aufgefunden wurde und vermutlich von 
einem mittelalterlichen Bauopser herrührt. Anßerdem sind zwei Mahl 
steine ans der Zeit der Völkerwanderung, der eine rundlich und stark 
abgenutzt, der andere flach und jchüsselförmig, an der Außenwand eines 
Speichers eingemauert. Dem Gute gegenüber, inmitten der breiten Dorf- 
straße, liegt die Kirche des Ortes, ein nüchterner Barockbau in Kreuz 
form mit quadratischem Westturin, ans der Zeit Friedrichs des Großen 
stammend. Das Innere ist erst vor kurzem renoviert worden und macht 
mit seinem in Grau und Gold gehaltenen Anstrich einen freundlichen 
Eindruck. Im Ostflügcl befindet sich der Altar und darüber die Kanzel, 
beide mit Schnitzwerk und Malereien in Barockmanier verziert: das 
Aliargemäldc, ein heiliges Abendmahl, ist nur' mäßig, besser sind die 
Malereien auf der Kanzelbrüstung —• Christus und die vier Evange 
listen — und die auf den abgrenzenden Pilaücrn stehenden Figuren des 
Paulus und Petrus und des Moses und Aaron. Bemerkenswert ist 
ferner eine mit langen bunten Bändern geschmückte Krone am nördlichen 
Eckpfeiler, welche zur Erinnerung an die Freiheitskriege beim Friedens- 
seste von den Mädchen im Dorfe gestiftet und kürzlich erneuert worden 
ist. L^ie Orgel befindet sich entgegen dem gewöhnlichen Brauch auf 
einer Empore im nördlichen Kreuzflügel, während sich der Kanzel gegen- 
über die Empore mit dem Gestühl für die Gutsherrschaft erhebt. Außen 
an der Rordostccke der Kirche sind drei Grabsteine eingemauert, welche 
dem Gedächtnis eines Pfarrers Brand, seiner Frau und seines Enkels 
gewidmet sind und sehr bemerkenswerte Inschriften tragen. 
Besonders interessant gestaltete sich der Besuch des Burgwalls 
bei Brunne. Dieser Burgwall liegt etwa 2 km südwestlich vom Dorse 
mitten im Brunner Luch und ist sehr schwer zugänglich. In seiner 
ursprünglichen Gestalt ist er nicht mehr erhalten, da er vor ungefähr 
.',0 Jahren teilweise abgetragen und dann beackert worden ist, feine 
Anlage ist aber noch deutlich erkennbar. Der Umfang des fast kreis 
runden Walles beträgt 480 Schritt, der Durchmesser von Osten nach 
Westen 150, der von Süden nach Norden 138 Schritt: an seiner höchsten 
Stelle ist der Wall jetzt noch zwei Meter hoch. Ein mäßiger Graben, 
teilweise mit Wasser gefüllt, zieht sich um die Anlage herum. Früher 
war der Burgwall vermutlich doppelt so hoch wie heut, die Einsenkung 
und der Graben tiefer, und ans der Höhe war die Umwallung rings 
mit starken Dornensträuchern bepflanzt, wie sich verschiedene alte Leute 
noch entsinnen konnten. Wo sich der Eingang zu dem Walle befand, 
ist nicht mehr ersichtlich, vermutlich lag er im Nordosten, da diese Stelle 
am besten geschützt gegen Ucberfälle von der südlichen Landseite, dem 
ivaldigen Zotzen, war. Einzelne Gesäßschcrben mit Wellen- und Strich- 
ornamenten zeigten, daß der Burgwall slavischer Herkunft ist, und 
mannigfache gebrannte Knochenreste, sowie zerbröckelte gebrannte Ton- 
reste und einzelne zusammengebackene Lehmpatzen bewiesen, daß die Wall- 
ftältc längere Zeit hindurch bewohnt gewesen sein muß. Vermutlich hat 
man cs mit einer Zufluchtsstätte der Wenden in Kriegszeiten oder bei 
Ueberschwemmungen zu thun, in deren von Dorncngestrüpp und Wasser 
graben geschützten Bollwerk sich primitive' Hütten, von Holz und Stroh 
zusammengefügt und mit Lehm beworfen, erhoben haben. Die Lehm 
patzen dürften von den Außenwänden, die zerbröckelten Tonreste vom 
Estrich herrühren, ans die Herdstellen weisen die Knochen- und Gefäß- 
reste hin. Die Ausbente an Fundstücken war nur gering, da der Burgwall 
schon mehrfach untersucht worden ist, und die Besucher sicherlich zahlreiche 
Scherben mitgenommen haben. Eine Anzahl verzierter und unverzierter 
Scherben, sowie große Lchmpatzcn, die vom Burgwalle herrührten, 
wurden nachher im Dorfe in Privatbesitz gcfnnden und für das Museum 
erworben. Außerdem wurden noch die folgenden Altertümer von den 
Bewohnern des Dorfes dem Märkischen Museum überwiesen: ein 
Bronzekeil von ca. 18 cm Länge mit gerader Schneide und Schaft 
lappen, ein sehr schönes Exemplar, das im Dorfe gefunden worden ist, 
eine wcitbauchige, nach unten verjüngte germanische Urne mit Punkt- 
verzierung von ungefähr 40 cm Höhe aus dem benachbarten Dorfe 
Dcchtow, ein Feuersteindolch, ein wendischer und ein mittelalter 
licher Spinnwirtcl, zahlreiche Scherben vom Burgwall in Wildberg 
(Kr. Ruppin) und verschiedene Bersteincrungcn, besonders Bclemniten, 
aus der Kiesgrube auf dem Weinberg bei Brunne. Dieser Hügel, der 
nördlich vom Torfe liegt und eine hübsche Aussicht über die Umgegend 
gewährt, wurde von den Teilnehmern der Exkursion gleichfalls ausge 
sucht und durchforscht: außer einigen unbedeutenden Versteinerungen 
und dem Fragment eines Schädels fand sich indes dort nichts von 
Belang. — Zufrieden mit ihren Erfolgen, die sic zum großen Teil den 
Bemühungen des dortigen Pastors, Herrn Siemann, und des Lehrers, 
Herrn Nagel, verdankten, kehrten die Teilnehmer der Wanderfahrt am 
Abend nach Berlin zurück. 
Die Gegend um den Stienitzsce bei Hennickendorf (Kreis 
Nicdcrbarnim) wurde am Sonntag, den 23. April, von Mitgliedern 
der Pflegschaft des Märkischen Museums unter Leitung des Gchcimrats 
E. Friede! zu Forfchungszwccken aufgesucht. Nachdem die Teilnehmer 
voni Bahnhof Straußberg aus das schmale, sehr idyllische Thal des 
Mühlenfließes durchwandert hatten, gelangten sie an die Rordosteckc 
des Stienitzsecs, wo zunächst eine ziemlich kreisrunde, stäche Erhebung 
im sumpfigen Wiesenland untersucht wurde. Die mit kleinen Birken 
bestandene, rings von feuchtem Gelände umgebene Stelle erhebt sich 
dicht am See neben der Mündung des erwähnten Fließes und könnte 
ihrer Lage nach wohl als Siedlungsstätte oder als Bnrgwall an 
gesprochen werden; die nähere Untersuchung ergab jedoch keine Anhalts 
punkte dafür. Es fanden sich weder Reste von Gesäßen, Knochen, 
Fischfchuppen oder ähn 
liches, noch Herdstellen 
oder Wohnstätten, selbst 
von Umwällung oder 
einer Vertiefung im In 
nern war keine Spur 
zu entdecken, die Stelle 
ist daher als natürliche 
Erhebung zu betrachten. 
Die Annahme einer An 
siedlungsstätte ist auch 
aus folgenden Gründen 
ausgeschlossen. Auf dem 
ganzen Wiescnlandc bis 
zur Chaussee heran fin 
den sich zahllose Schalen 
von Wassermuscheln zer 
streut, welche als Reste 
des überflutenden Was 
sers zu betrachten sind 
und dadurch anzeigen, 
daß der See sich einst 
über das betreffende 
Wiesenland ausdehtlte, 
und zwar bis in das 
jetzige Jahrhundert hin 
ein: denn es liegen an 
jener Stelle neben an 
deren Schalen auch die 
der Schafklauenmuschel 
(Orsissöna polymor- 
pha), welche erst int An 
fang dieses Jahrhunderts 
in die hiesigen Gewässer 
eingeschleppt worden ist. 
Das betreffende Wiesen 
land wird jetzt teilweise 
als Torfstich benutzt, da 
sich unter einer ca. 60 cm 
hohen Sandschicht ein 
3 bis Z'/r m mächtiges 
Torflager befindet, wel 
ches indes des Sees 
wegen nur etwa 2 m tief 
ausgebeutet werden kann. 
Der Stienitzsce zieht 
sich von dem erwähnten 
Wiescnlandc nach Süd- 
westen zu bis zum Ge 
biet der Rüdersdorfer 
Kalkberge etwa 4 lim 
lang hin und steht durch Wasserläuse sowohl mit de» Seen um Strauß- 
berg herum wie auch südlich mit dem Kalk- und Flakensee in Verbin 
dung. Eine breite Thalmulde, die sich in nördlicher Richtung nach 
Straußberg zu ausdehnt, kennzeichnet den See als Rest eines alten 
Flußlaufes, dessen Bett sich in der erwähnten Richtung nach Süden 
bis zur Spree verfolgen läßt. Die scharfen Thalränder dieses Bettes 
Gedenktafel am Zietenhaus 
in Berlin.
        
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