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Periodical volume 22.April 1899 Nr, 16

Full text: Der Bär Issue 25.1899

Me sah Berlin nach den Freiheitskriegen aus? 
Non 
(Fortsetzung.) 
ErnK Friede!. 
^Reitdem ist daS Straßeupflaster auf alleinige städtische Kosten 
8^ derartig verbessert worden, daß Berlin den Vergleich mit sämt 
lichen Großstädten der Erde aushält. Das war aber nur möglich 
durch Beseitigung der oberirdischen Entwässerung, 
d. h. der übelriechenden, häßlich aussehenden, offenen 
Rinnsteine, über welche sich viele Berichterstatter und Reisende 
während unserer Berichtsperiode in Klagen und in Spötteleien 
Das Münzgrbändr. 
die kleinen, dreieckigen Laternen, welche auf Holzpfählen standen, 
in die entlegeneren Gassen und die Vorstädte versetzt, in den leb 
hafteren Straßen aber durch größere Laternen mit Reverberen 
ersetzt. Jeder Beleuchtungskörper enthielt zwei Lichter und war 
auf eisernen Stangen an den Häusern oder auf Granitpfählen 
oder an quer über den Damm gezogenen Stricken, in dessen Mitte 
hängend, angebracht. Die eisernen Träger für letztere Belcuch- 
tungsform hatten sich an der älteren 
Weidendammer Brücke bis etwa 
1843 erhalten. 
Dennoch erkannten allmählich 
selbst die konservativsten Altberliner 
die heilsamen Folgen des polizei- 
licherseits mit der Imperial Con 
tinental Gas-Association zu London 
1825 abgeschlossenenB eleu ch tun gs- 
vertrages an. „Am 19. Sep 
tember 1826 verbreiteten die ersten 
Gasflammen ihr magisches Licht 
unter dem langen Laubendache 
unserer Linden" schreibt S.H. Spiker 
(Berlin 1833, S. 21) und gewiß 
erschien unseren damaligen Vätern 
das GaS ebenso lange magisch, wie 
uns die erste elektrische Straßen 
beleuchtung, nämlich bis das Auge 
sich daran gewöhnt. Denn all der 
gleichen ist Gewohnheitssache. 
Der veredelnde Einfluß des 
genialen Bauküustlers Friedrich 
Schinkel erstreckte sich bis auf die 
Formgebung der Beleuchtungs- 
gcgenstände. So rührte die Zeich 
nung zu dem mit neun schönen 
Gaslaternen geschmückte gußeiserne 
mit vollem Recht ergehen. Diese Besserung wurde bekanntermaßen 
ermöglicht durch Uebernahme der Englischen Wasserwerke 
in städtischen Betrieb, und durch die von James Hobrecht ein 
geführte unterirdische Kanalisation Berlins mit Abführung 
der Spühljauche re. nach Rieselfeldern in der weitern Umgebung 
unserer Hauptstadt. 
Das Wasserbedürfnis wurde um 1815 und noch lange nachher 
durch Pumpcnbrunuen einfachsten 
Aussehens bestritten. Das Wasser 
war je nach der Beschaffenheit des 
Untergrundes besser oder schlechter. 
Als vorzüglich galt das Wasser 
des öffentlichen Brunnens, welcher 
am Königlichen Schloß nach der 
Lustgartenscitc angebracht war: aus 
großen Entfernungen ließen manche 
Berliner sich von hier das köstliche 
Raß holen. Allmählich trat aber 
infolge der durch die Wirtschafts- 
abgänge bewirkten Verjauchung der 
Höfe, auf der Straße infolge der 
durchlässigen Rinnsteine und der 
undichten Gasleitungen eine solche 
Verschlechterung der Brunnen ein, 
daß der durch das Polizei-Präsidium 
auf Drängen des Feuerwehr-Di 
rektors Scabell mit einer Englischen 
Gesellschaft abgeschlossene Vertrag 
wegen Einführung einer öffentlichen 
Wasserleitung in der Bürgerschaft 
lebhaft begrüßt wurde. Trotzdem 
hat man die öffentlichen Straßeu- 
chrunnen nicht nur beibehalten, 
sondern sogar vermehrt, um im Falle 
einer Störung iin Betriebe der 
Wasserleitung einen Ersatz zu haben. Die jetzigen gußeisernen 
Brunnengehäuse zeichnen sich vor den hölzernen aus den ersten 
Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts durch weit gefälligere, künstlerisch 
empfundene Gestaltung aus. 
Man versteht es vom heutigen Standpunkt nicht, wenn man 
liest, wie die Oel- und Thranlampen-Beleuchtung unserer 
Straßen mitunter vo>l enthusiastischen Schriftstellern geradezu ge 
priesen wurde. Die Verbesserung der Beleuchtung des Lustgartens 
ist bereits erwähnt. In demselben Jahre, wo sie eintrat, wurden 
Kandelaber ans dem Schloßplatz, 1830 gegenüber von Portal I des 
Schlosses errichtet, von ihm her. Erst vor wenigen Jahren ist 
dieser Kandelaber aus Verkehrs-Gründen, und um einer noch 
besseren Erhellung Platz zu machen, versetzt worden. 
Infolge der Städteordnung vom 19. November 1808 und der 
schärferen Trennung zwischen den polizeilichen, durch den Staat 
wahrzunehmenden Aussichtsrechten und der Kämmerei-Verwaltung 
Frirdrichsbrücke und Börse. 
wurde auch die vernachlässigte Straßenreinigung zur Verbesserung 
des Straßenbildes eine gründlichere. Die Hausbesitzer hatten nicht 
bloß, wie noch jetzt, ihre Bürgersteige von Schnee und Eis zu be 
freien, sondern sie auch sonst, sowie die Dämme und den Rinnstein 
zu reinigen. In einigen Straßen fing man au, die Bürgersteige 
mit Granitplatten in 6 Fuß Breite zu belegen. Schließlich ist das 
Verhältnis der Art geregelt worden, daß bei allen Neubauten der 
Unternehmer die Bürgersteige zu regulieren und mit einer 2 m 
breiten Granitplattenbnhn zu belegen haben. Daneben werden
        
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