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Periodical volume 25.März 1899 Nr, 12

Full text: Der Bär Issue 25.1899

Kunde von seiner wahrhaften Größe als Arzt und als Mensch. Weiter 
folgen die Büsten von Philipp Conrad Marheineke (geboren 
1780 in Hildesheim, gestorben 1846 in Berlin), dem hervorragenden 
Theologen und Kanzelredner, dem begeisterten Hegelianer, von 
Johannes Müller (geboren 1801 zu Coblenz, gestorben 1858 
zu Berlin), dem berühmten Physiologen, Begründer der physikalisch- 
chemischen Schule und Verfasser des weitverbreiteten „Handbuches 
der Physiologie des Menschen", von Peter Gustav Lejenne- 
Dirichlet «geboren 1805 in Düren, gestorben 1859 in Göttingen), 
dem bedeutenden Mathematiker, der 1855 von Berlin abberufen 
wurde und als Nachfolger des berühmten Gauß nach Göttingen 
ging, endlich von Karl Wilhelm Ferdinand Solger, dem ge 
schätzten Philosophen und Sprachforscher, dem mnstergiltigen 
Uebersetzer des Sophokles, der, 1780 in Schwedt a. O, geboren, 
schon im Alter von 39 Jahren, am 25, Oktober 1819, in 
Berlin starb. 
Dann stehen wir vor den Büsten Jacob und Wilhelm 
Grimms, des im Leben unzertrennlichen Brüderpaars, das man 
auch hier pietätvoll beieinander gelassen hat. Was sie dem 
Deutschen Volke geworden, das wissen lernbegierige Kinder der 
Schule ebenso gut wie die ernsten Männer der Wissenschaft, Jacob 
Grimm (geboren 1785 in Hanau, gestorben 1863 in Berlin), der 
große Sprachforscher, der Schöpfer der Deutschen Sprach- und 
Altertumswissenschaft, der Deutsche Märchenerzähler, Wilhelm 
Grimm (geboren 1786 in Hanau, gestorben 1859 in Berlin), der 
ausgezeichnete Germanist, der Herausgeber der „Deutschen Helden 
sage", der treueste Mitarbeiter seines Bruders •— so lebt das 
litterarische Dioskurenpaar fort in der Geschichte und Litteratur 
unseres Volkes, 
Weiter folgen in der Gelehrten-Galerie: Friedrich Adolph 
Trendelenbnrg (geboren 1802 zu Eutin, gestorben 1872 zu 
Berlin), der hervorragende Philosoph, der sich namentlich durch 
seine „Logischen Untersuchungen" weitverbreiteten Ruhm erwarb, 
Heinrich Gustav Magnus, der große Chemiker und Physiker 
«geboren 1802 in Berlin, gestorben 1872 ebendaselbst), Christoph 
Wilhelm Huscland, der verdienstvolle Arzt und Menschenfreund, 
der durch seine „Makrobiotik", die Kunst, das menschliche Leben 
zu verlängern ein unvergängliches Werk stiftete, geboren 1762 zu 
Langensalza, gestorben 1836 in Berlin als Universitätsprofessor, 
Geheimer Staatsrat im Kultusministerium, erster Leibarzt des 
regierenden Königs und Mitglied der Akademie der Wissenschaften, 
Heinrich Rose, der ausgezeichnete Chemiker und Begründer der 
neueren analytischen Chemie (geboren 6, August 1795 in Berlin, 
gestorben 27, Januar 1864 ebendaselbst) und die beiden Fach 
genossen des Vorgenannten, Martin Heinrich Klaproth (ge 
boren 1, Dezember 1753 in Wernigerode, gestorben 1, Januar 1817 
in Berlin) und Eilhard Mitscherlich (geboren 7. Januar 1794 
in Nenende, gestorben 28, August 1863 in Berlin), der letztere 
berühmt als Entdecker des Isomorphismus und Verfasser eines 
ausgezeichneten Lehrbuchs der Chemie, der erstere hervorragend 
als Naturforscher und Entdecker des Uran, Titan, Cer und der 
Zirkonerde, 
Dann sehen wir Karl Gustav Homeyer (geboren 1795 in 
Wolgast, gestorben 1874 in Berlin), den verdienstvollen Germanisten 
und Herausgeber des „Sachsenspiegel", Georg .Friedrich 
Pnchta, den ausgezeichneten Kenner des Römischen Rechts, dessen 
„Pandekten" und „Institutionen" zahlreiche Auflagen erlebten 
(geboren 1798 zu Kadolzberg, gestorben 1846 zu Berlin als Uni 
versitätsprofessor und Geheimer Obertribunalsrat), Franz Bopp, 
den Begründer der vergleichenden Philologie (geboren 1791 in 
Mainz, gestorben 1867 in Berlin), der mit 29 Jahren als ordent 
licher Professor an die Universität Berlin berufen und schon ein 
Jahr später zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt 
wurde, Eduard Gerhard (geboren 1795 in Posen, gestorben 
1867 in Berlin), den verdienstvollen Archäologen, der im Jahre 
1829 das Archäologische Institut in Rom gründete und bald 
darauf den ehrenvollen Ruf nach Berlin erhielt, und neben ihm 
seinen großen Lehrmeister Friedrich August Wolf (geboren 
15, Februar 1759 zu Hainrode bei Nordhausen, gestorben am 
8. August 1824 zu Marseille), der als der größte Philologe seiner 
Zeit angesehen wird und namentlich auch als Uebersetzer der alten 
Klassiker Mnstergiltiges leistete. Eine Professur an der Berliner 
Universität im Sinne der Jetztzeit hat Wolf nie bekleidet, seine 
Vorlesungen, die großen Zulauf fanden, hielt er als freier Aka- 
dcniiker mit der Würde eines ordentlichen Mitgliedes der Akademie 
der Wissenschaften. Von seinen zahlreichen Werken ist besonders 
seine „Geschichte der römischen Litteratur" zu erwähnen. Auf einer 
wissenschaftlichen Reise durch Frankreich verschied der berühmte 
Gelehrte als Fünfundsechzigjähriger zu Marseille, 
Zwei hervorragende Juristen sind die jüngsten Zierden der 
Gelehrten-Galerie in der Aula der Berliner Universität: Kar! 
Georg Bruns, der berühmte Romanist und Verfasser des epoche 
machenden Werkes „Das Recht des Besitzes im Witteralter" 
(geboren 24, Februar 1816 zu Helmstedt, gestorben 1880 zu Berlin! 
und Georg Beseler (geboren 2, November 1809 zu Rödemis in 
Schleswig, gestorben 28. August 1888 zu Harzburg), der, als 
Jurist ebenso bedeutend, wie als Staatsmann, hervorragenden 
Anteil hatte an der politischen Entwickelung Preußens und Deutsch 
lands, der in sturmbewegtex Zeit Mitglied der Frankfurter National 
versammlung, und in den Jahren des Friedens Mitglied des 
Deutschen Reichstages und Vicepräsident des Preußischen Herren 
hauses war. In seiner „Lehre von den Erbverträgen" hat Beseler 
sein bedeutendstes juristisches Werk, in seinem inhaltreichen Buche 
„Erlebtes und Erstrebtes" den wichtigsten Inhalt seines ereignis 
reichen Lebens niedergelegt. 
Viele von den einstigen Universitätslehrern, die nach dieser 
Zeit zum Hades hinabgestiegen, werden auch noch ihren Ehrenplatz 
erhalten. Man braucht nur an Rndölf von Gneist, Ernst Curtius, 
Dnbois-Rcymond, an Helmholtz u. a, zu denken. Aber ihre Zeit 
ist noch nicht gekommen. Mindestens ein Jahrzehnt muß ver 
gangen sein seit dem Tode des Erwählten, ehe sein Name für die 
Gelehrten-Galerie in Vorschlag gebracht wird, che die maßgebenden 
Persönlichkeiten der Universität ihre Zustimmung geben und ihm 
den Platz der Unsterblichkeit anweisen. 
Von der chemischen Industrie in der Mark, 
Von 
Paul Mirschs'eld. 
VI, 
-Tactenn man ans die Geschichte der neueren Naturwissenschaft 
zurückblickt, wird man crkennnen, daß ein wesentlicher Teil 
der ihr entsprossenen Errungenschaften, namentlich auf dem Gebiete 
der Botanik und Chemie, aus der ehemals vielumfassenden Wirk 
samkeit in den pharmazeutischen Laboratorien hervorgegangen ist. 
Noch ant Anfang des neunzehnten Jahrhunderts gehörte cs zu 
den bedeutsam?» Aufgaben des Apothekers, sämtliche Chemikalien, 
die zur Erzeugung der Heilmittel dienten, selbständig herzustellen, 
ebenso ans de» Arzneipflanzen, deren Einsammlung, ja deren 
Kultur ihm znineist ebenfalls oblag, die wirksamen Stoffx zu 
ertrahieren. Zu dieser Thätigkeit war natürlich eine streng wissen 
schaftliche Grundlage erforderlich, die jenen bemerkenswerten 
Forschnngstrieb ausbildete, der bis in die neueste Zeit den phar 
mazeutischen Kreisen, besonders in Deutschland, eigen war. Die 
zahlreichen Entdeckungen, welche die Welt einem Karl Wilhelm 
Scheele z» danken hat, das von Andreas Marggraf erschlossene 
Fundament, auf welchem später die Rübenznckerindnstrie aufgebaut 
werden konnte, die analytischen Schöpfungen eines Martin 
Heinrich Klaproth, eines Valentin und Heinrich Rose, kurz, 
die bahnbrechenden Werke der berühmtesten Forscher und Förderer 
der Chemie sind in den Arbeitsstätten von Apotheken entstanden. 
So waren es auch fast durchgehend Pharmazeuten, von welchen 
die Begründung der deutschen chemischen Industrie ausging, und 
I , 
die dazu beigetragen haben, die chemische Technologie, welche in 
Gemeinschaft mit den Früchten der physikalischen Technik eine 
vollständige Umgestaltung aller Knltnrverhältnisse hervorrief, zu 
einer Macht des heutigen wirtschaftlichen Lebens zu erheben, 
DaS eifrigste Streben der pharmazeutischen Chemie war 
zunächst dahin gerichtet, für die Zwecke der Heilkunde reinere 
Chemikalien in größeren Mengen zu produzieren. Diesem Bestreben 
entsprang auch das erste industrielle Unternehmen in der preußischen 
Hauptstadt zur Erzeugung bereits durchforschter chemischer Sub 
stanzen für den Bedarf des pharmazeutischen Betriebes, Es wurde 
im Jahre 1812 von dem Apotheker Johann David Riedel, 
dem Großvater der jetzigen Inhaber der weitbekannten Firma 
I. D, Riedel, ins Leben gerufen. Dieses Etablissement errang 
weit über die Mark hinaus einen ehrenvollen Namen, als es 1826 
von der preußischen Regierung den Auftrag erhielt, das wenige 
Jahre zuvor von Pelletier und Caventon in der Chinarinde 
als deren wirksamsten Bestandteil entdeckte Chinin zu einer mög 
lichst reinen Darstellung zu bringen. Wohl galt die Chinarinde, 
die während der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts von den 
Spaniern aus Peru in Europa eingeführt wurde, schon seit langer 
Zeit als ein sicheres Heilmittel gegen Fieber, Dennoch vermochte 
sich dieses Medikament in der deutschen Pharmakopöe nicht ein 
zubürgern, weil man ärztlicherseits feststellen konnte, daß mit der
        
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