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Periodical volume 18.Februar 1899 Nr, 7

Full text: Der Bär Issue 25.1899

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strengste 
nachgeahmt worden. Das Kostüm 
des Wallenstein ist teils deni nach 
gebildet, welches , fich auf einem 
Bildnisse dieses Helden, im Schlosse 
Friedland in Böhmen befindet, 
teils haben einige andere Bilder 
zum Leitfaden gedient. 
Unsere Abbildung zeigt den 
Wallenstein in glänzender 
Staatskleidnng mit dem rot- 
sammctncn Herzogshute, sowie er 
in der Versammlung der Generale 
und vor Onestenberg erscheint. 
Es hat notwendig geschienen, den 
stolzen, pracht- und glanzlicbcndcn 
Herzog, da, wo er in jedem Fall 
imponieren will, auch imposant 
zu kleiden. Das meiste Collct, mit 
Gold gestickt, wird durch die pur 
purfarbenen Aufschlitze in den 
Aermeln und die purpurfarbenen, 
, gebauschten Beinkleider gehoben, 
Aermel und Bauschhose» sind von 
geblümtem Sammet mit Gold durch 
wirkt, welcher in jener Zeit vor 
züglich zu Pruukklcidcrn gewählt 
wurde. Das Schwert, weiches in 
Hinsicht der Forni ganz demjenigen 
ähnlich sieht, das noch gegen 
wärtig in der Rüstkammer zu Dur 
in Böhmen aufbewahrt wird, 
hängt au einem breiten, mit Gold 
gestickten Bandelier, wie es denn 
überhaupt bei Kostümen ans denr 
30jährigen Kriege charakteristisch ist, 
das; Degengehänge .und Schärpe 
nicht um den Leib als Gurt, son 
dern jederzeit über die Schultern 
getragen worden. Das Feldzeichen 
der Kaiserlich-Oesterrcichischen Armee bestand srühcrhin aus einer roten 
Feldbiude über der Schulter, deshalb müssen es auch alle Kaiserlichen 
Vklavio Pirrotoinini. 
Osstzierc tragen, 
Theklas Kleid ist von wcistcm Atlas mit Purpursammet und Gold 
besetzt, ’ Als Tochter des stolzen Herzogs von Friedland trägt sie die 
fürstliche Auszeichnung, nämlich einen Hermelinstreif um das Kleid. 
Ter Hut von purpurfarbigem Sammet ist mit kleinen weißen Strauß 
federn ringsum belegt. Das Mützchcn von weißem Atlas, darunter 
mit einer "Spitze, welche mitten auf der Stirn endigt, ist mit Perlen 
eingefaßt und mit einer goldenen Schleife geziert. 
Das Kostüm des Max Piccolomini besteht ans einem schön 
ponccauroten Sammet-Manchester, Die Federn auf dem Helme sollten 
eigentlich schwarz und gelb sein nach den kaiserlichen Wappen-Farben. 
Oktavio Piccolomini trägt ein Wamms von schwarzem geblümten 
Sammet-Manchester, Die gebauschten Beinkleider und Aufschlitze an den 
Aermeln sind von violettem, gleichfalls geblümten Sammet-Manchester Ter 
schwarze Mantel ist „so wie das Collct mit Gold verziert. Die Form 
des Hutes war bei diesem, wie bei allen übrigen Figuren, überein 
stimmend, nämlich ein nicht zu hoher 
Kopf und eine breite Krempe, bei Personen 
von höherem Range mit Gold verbrämt: im 
Innern der Krempe lag eine Straußfeder 
(sogenannte Plumc). Der Busch von Strauß 
federn mußte mehr liegend als aufrecht 
stehend am Hute befestigt sein. 
Buttlcrs Kleidung ist rot gewählt 
worden, da er selbst als geborner Irländer 
ein Regiment irländischer leichter Reiter 
befehligte. Man hat deshalb nicht zu fehlen 
geglaubt, ihm die Farbe der englischen Kriegs 
kleidung zu geben. Im Schnitt ist diese 
Kleidung einem Bildnisse des sächsischen Ge 
nerals Arnheim . nachgeahmt, welches sich 
gleichfalls in dev königlichen sächsischen 
Kupferstichsammlung zu Dresden befindet. 
Er und alle übrigen Generale tragen eiserne 
Ringkragen. Diese leichte Schußwaffe war 
im 80jährigen Kriege bei den Offizieren von 
höherem Range fast allgemein eingeführt 
worden, da sie wenigstens Schultern und 
Brust bedeckte und nicht so beschwerlich zu 
tragen war wie der gewichtige Panzer. 
Die leichten Reiter, damals schon Dragoner 
genannt, welche ihre Entstehung dem Könige 
Gustav Adolf von Schweden verdanken, 
trugen vorzüglich dergleichen Ringkragcn. 
Es erschien zweckmäßig und mit dem Cha 
rakter des Bnttlcr passend, die Farbe seiner 
Kleidung grell zu wählen, darum ist sein 
rotes Sollet schwarz besetzt, _ sein ledernes 
llnterwamms schwarz gestreift, und sogar 
schwarze Handschuhe sind ihm gegeben worden. 
Graf Terzky trägt hier, als Ehef eines 
Karabiniers-Regiments, ein ledcrgelbcs Collct. 
Rach der früheren. Entstehung dieses Collets 
sollte dasselbe hier von wirklichem Leder sei», 
toulUrv denn so trug sie gewöhnlich die Reiterei in 
Graf Trrxky. 
jener Zeit. Beinkleider und Aernrcl 
sind von rotem geblümten Sammet- 
Manchester. In dieser Kleidung 
zeigt sich die Eigentümlichkeit, 
welche in vielen Abbildungen vor 
kommt, daß das lederne Collct 
keine Aermel hat, sondern nur 
über ein anders farbiges Wamms 
von beliebigem Stoffe übergezogen 
ist. Man kann in der Regei an 
nehmen, daß bei Offizieren höheren 
Ranges die Unterkleider gewöhnlich 
von Sammet und selbst oft von 
reicherem Zeuge waren, Knöpfe 
und silberne Knopflöcher von oben 
bis unten zieren das Collct, der 
Besatz ans dem rotsammctncn 
Aermel besteht aus einer breiten, 
silbernen Tresse, welche in gleich 
mäßigen Abteilungen eingebogen 
oder geknifft ist, und ans einer 
jeden Abteilung sitzt ein kleiner 
metallener Knopf. Diese Art Ber- 
zicrnng ist einem alten Bilde 
wirklich entlehnt. Terzkq trug zwar 
eine goldene Kette, jedoch durfte das 
keine bestimmte Ordenskette sein; 
denn das goldene Bliest gehört 
nur für Wallciistein und Picco 
lomini, 
Zur Kleidung des Feldmar 
schalls Jllo sind mit Absicht bunte 
Farben gewählt, da sein ganzer 
Charakter sich so äußert, daß ihm 
äußerer Glanz und Lebenslust 
als Hauptsachen gelten. Das 
Collct von grünem geblümten 
Sammet, reich mit Silber besetzt, 
die orangefarbenen Aermel und 
Beinkleider sind von eben diesem Zeuge. Zu bemerken ist, daß bei dieser 
Abbildung, wie bei allen übrigen, die langen Collets vom 
Zeichner nach unten hin zu eng angedeutet sind, indem sie die 
Form des Körpers zu sehr bilden. Bon der Brust bis zu den Hüften 
wurden diese Collets knapp anliegend, nach unten hin aber weit und 
faltenreich gemacht. Als Feldmarschall ist ihm eine weiße sogenannte 
Plumc in die Hutkrempe gelegt worden, welche Tcrzkr; nicht trägt. Es 
ist nicht überflüssig zu bemerken, daß die eigentlichen bestimmten Uniforms- 
sarbcn in dieser Zeit noch nicht durchaus eingeführt waren, und daß nament 
lich die Generale die Farben ihrer Kleider oft ganz willkürlich wählten. 
Gustav Adolf fing zuerst an, seine Regimenter nach den verschiedenen 
Farben zu kleiden und zu benennen, — In der Kaiserlichen und fast 
allen übrigen Armeen dienten bloß die Schärpen, die Feldzeichen am 
Hut und oft die Farben der Federn zur Unterscheidung der verschiedenen 
Truppen. Die kurzen Stiefeln mit weiten Stulpen, oben herum mit 
einem weißen Spitzenbesatz, wurden in jener Zeit schon häufig getragen, 
und sind deshalb der leichten Reiterei des Bnttlcr sowie dem Feld- 
marschall Jllo gegeben worden. 
Onestenberg trug die Zivil- 
Kleidung damaliger Zeit, d. h. ein 
kürzeres Wamms als die KricgS- 
leutc und ivcitc Beinkleider, welche 
bis unter das Knie gingen. Das 
Ganze war von violettem geblümten 
Sammet mit hellgrünen, seidenen 
Aufschlitzen in den Aermel». Das 
Wamms warmit schwarzsammetncn 
Ouerstreifen besetzt, und eben so wie 
der schwarze pelzvcrbrämtc Mantel 
reich mit Goid verziert. General 
Jsolan spielt darauf an, indem er 
im ersten Akte der Piccolomini, 
ans den Kriegsrat Onestenberg 
hindeutend, spottweisc bemerkt: 
noch sei nicht alles Gold gemünzt! 
Die Kleidung der Fürstin 
Fried land ist genau einem alten 
Bilde nachgeahmt. Das Unter 
kleid von Silbcrstoff, das Ober- 
kleid ist von karmoisin Sammet mit 
Hermelin und reich mit Gold be 
setzt; das Unterkleid mit schwarzem 
Sammet und Stickerei von bunter 
Folio und Gold verziert. Glän 
zende Stcinknöpfe zeigen sich aus 
den schwarzen, vorn herunter 
laufenden Streifen, 
Gräfin Tcrzkh trug das 
Unterkleid von eben so dunkler 
Violctfarbe wie das Obcrklcid, nur 
mit dem Unterschiede, daß cs ans 
einem reiche», mit Goldlahn durch 
zogenen seidenen Stoff gemacht 
war. Schivarze Sammctstrcisen, 
mit Gold gestickt, faßten das ganze 
Kleid ein. Das Obcrklcid war 
von violettem Sammet, mir Gold- 
slittcrn reich besetzt. 3»°.
        
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