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Periodical volume 19. Februar 1898, No. 8

Full text: Der Bär Issue 24.1898

NicolaS Malebranche, ein Jünger des Cartefius, den Aus 
führungen der übrigen, während ihm gegenüber der 
durch etwas verwegenen, aber interessanten Gefichtsausdruck 
auffallende Weltumsegler und Lustspieldichter Jean Francois 
Regnard satirische Bemerkungen über die Unterhaltung aus 
streute. 
In der fröhlichen Tafelrunde war ferner zu gewahren 
das schöne, gedankenvolle Haupt des kaum dreißigjährigen 
bedeutenden Geschichtsschreibers Abbe Rene de Vertat, dazu 
viele andere mehr oder minder bekannte Autoren. 
(Fortsetzung folgt.) 
Die Klojierruine VaulinMe, ein Denkmal 
romanischer Architektur. 
Von C. Götter. 
(Mit vier Abbildungen.) 
(Schluß.) 
Treten wir jetzt den stummen und doch so beredten 
Zeugen vergangener Jahrhunderte etwas näher! 
reinigen. In der romanischen Zeit finden wir diesen ge 
räumigen. offenen Vorhof nicht mehr, sondern durch die An. 
läge der Türme zu beiden Seiten des Eingangs ist der 
Vorraum entsprechend kleiner geworden. Auch der Brunnen 
ist verschwunden, und ein einfaches Weihwasserbecken in einer 
kleinen Nische ist an seine Stelle getreten. 
Statt des Vorhofes finden wir bei der Paultnzeller 
Kirche eine sogenannte Vorkirche. Ursprünglich war auch diese 
nicht vorhanden, die Kirche war vielmehr ohne jede Vorhalle 
und ohne Türme gebaut. Dies beweist die sorgfältige Be- 
Handlung des Porials, die Anlage der Fenster in der West 
front, überhaupt die ganz verschiedene Bauweise zwischen der 
eigentlichen Kirche und dieser Vorhalle (s. Abbildung auf 
Seite 89). Erst 50 Jahre nach Vollendung des Hauplbaues 
— als das Mönchskloster errichtet war — brachte die 
Hirsauer Schule die ihr eigentümliche Anlage der großen 
Vorkirche auch nach Paulinzelle. Die letztere war nicht bloß 
als Bußkirche errichtet und für den Besuch unvollständig Auf 
genommener bestimmt, sondern fie diente auch zu ganz be- 
Wosterruine Paulinzelle. Grundriß der Liirche. 
(Die schraffierten Teile zeigen die noch erhaltenen Mauern an; die anderen Teile sind zu 
1. Mittelschiff, 2. Seitenschiff, 3. Portal, 4. Vorkirche, 5. Vorhof, 6. Turm, 7. Vierung, 8. Chor, 9. ApflS, 
Schon die geschichtlichen Mitteilungen, die wir brachten, 
beweisen, daß wir es in den Ruinen von Paulinzelle mit den 
Ueberresten eines Baues zu thun haben, der fich aus der früh 
romanischen Zeit dis in die spätromanische erstreckt. 
Trotz des Verfalls der Paulinzeller Kirche find Grundriß 
und Anlage derselben deutlich zu erkennen (siehe die vor 
stehende Abbildung). 
Den Ausgangspunkt für die mittelalterliche Architektur 
bildete, wie bekannt, die altchristliche Basilika, die überall 
als die kanonische Form des Kirchenbaus aufgenommen war 
und im Laufe einer halblausendjährigen Entwicklung eine solche 
Ausgestaltung gewann, daß aus dem anfangs so schlichten, 
selbst rohen Keim eine der vollendetsten Schöpfungen der Bau 
kunst aller Zeilen hervorging. 
Bei ihr. der altchristlichen Basilika, gelangte man durch 
den Eingang vom Westen — die alten Gotteshäuser waren 
alle orientiert, d. h. in der Weise gebaut, daß der Eingang 
fich im Westen, der Chor mit der Apfis fich im Osten befand — 
zunächst in einen von Säulen umgebenen Hof, in deffen Mitte 
fich ein Brunnen befand, der den weit hergewanderten Pilgern 
Gelegenheit bot. fich vor dem Eintritt in das Gotteshaus zu 
stimmten gottesdienstlichen Handlungen, welche die Benediktiner- 
regel vorschrieb. Ueber der Vorhalle befand fich ein großer 
Saal für die Konventualinnen. Da Mönche und Nonnen 
wohl dasselbe Gotteshaus benutzten, einander aber nicht sehen 
durften, so waren in allen Kirchen, die von beiden besucht 
wurden. Emporen angebracht, die fich mit kleinen Fenstern 
(Arkaden) nach dem Innern des Gotteshauses öffneten. 
Andächtig und feierlich wird jeder gestimmt, der aus der 
Vorhalle in das Langhaus mit seinen drei Schiffen tritt. 
Herrliche Säulenreihen, durch mächtige Halbkceisbogen mit 
einander verbunden, auf denen die hohe und schwere Ober 
mauer ruht, trennen Mittel- und Seitenschiffe voneinander. 
Das erste Paar der Stützen von Osten her ist ein Pfetlerpaar; 
die übrigen sechs find Säulen (s. Abbildung auf Seite 92). 
Das ist auch eine besondere Bauweise der Hirsauer Schule, 
die ihre Erklärung darin findet, daß jene Pfeiler als Stützen 
für Türme dienten, die fich über den Seitenschiffen erhoben. 
Die Obermauer wurde in gemessenen Abständen durch eine 
Reihe großer, weiter, im Rundbogen schließender Fenster durch 
brochen, welche dem Raum ein mächtiges seitliches Oberlicht 
zuführten. Auch in den niedrigeren Umfassungsmauern der
        
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