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Periodical volume 5. Februar 1898, No. 6

Full text: Der Bär Issue 24.1898

der Mark Krandenburg und der angrenzenden Gebiete. 
Unter Mitwirkung von 
Dv. Ernst G. Darder), vi>. K. KSrlnguier, profeffor vr. Krort»rr, vr. A. Drerrdtcke, Theodor Fontarre, 
Stadtrai G. Friedet, Rithard George, Ferd. Meyer. vr. Gg. Kchrnidt, Symnafialdirektor a. v. vr. M. Krtsrvarh 
und E. v. Mtidendrurt» 
herausgegeben von 
Friedrich Zillessen und Paul Marncke. 
XXIV. 
Jahrgang. 
M 6. 
( Der „Bär" erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch jede Postanstalt (Nr. 8(9) Buchhandlung und Zeitungs- 
! spedition für 2 Ulk. 50 Pf. Vierteljahr!, zu beziehen. Auch die Geschäftsstelle—Berlin N. 58,SchöiiI>. AUcc 141—nimmt 
Bestellungen entgegen. Jnseraten-Austräge sind an die letztere zu richten. Die viergesp. Petitzeile kostet 90 Pf. 
5. Februar 
1898. 
Nec soli cedit 
oder 
fflep Ncrivieöenrll ZustuHl. 
Historischer Nomsn auA der Leit de^ großen Rurfürsten. 
Von M Fron- 
(5. Fortsetzung.) 
» u stolz, fich zu beugen, und fest überzeugt, Recht 
und Wahrheit auf seiner Seite zu haben, hätte Camille 
Cheronne es einer Schande gleich erachtet, daß sein Sohn 
mit der Absicht umging, von dem Könige Glaubensfreiheit 
für ihn und seine Genossen zu erbitten. 
Denn nur um eine Bitte handelte es fich. Das wußte 
Alfred Cheronne ganz genau. Der Vater täuschte fich, 
wenn er vermeinte, durch starres Beharren könne seine 
Religionsgemeinschaft alle die Vergünstigungen wieder erlangen, 
die ihr in dem im Jahre 1598 veröffentlichten Edikt von 
Nantes zuerkannt waren. 
Mit außerordentlicher Klugheit hatte man es verstanden, 
alle Seitenwege, welche jenes Edikt offen ließ, zu benutzen, 
um die Protestanten zu schädigen und zu bedrücken. Was war 
aus all den Freiheiten, die ihnen bewilligt waren, geworden? 
Wie lange schon wurde die ihnen verbriefte Organisation nicht 
mehr anerkannt, nicht einmal mehr geduldet! Alle hervor 
ragenden Staatsämler wurden nur mit Katholiken besetzt. 
Durch das Verbot für Andersgläubige, fich eine höhere 
Bildung anzueignen, war es den Söhnen der Protestanten 
geradezu unmöglich gemacht, fich um eine Anstellung tm Staate 
zu bewerben. Das alles übersah der Vater, und es würde 
ihn nur traurig gestimmt haben, wenn der Sohn es ihm 
zum Bewußtsein gebracht hätte. 
So schwieg Alfred notgedrungen. Nur seine Züge ver- 
rieten, was ihn bewegte. 
Camille Cheronne gewahrte den Kampf im Innern seines 
Sohnes, und seine Güte und väterliche Liebe gewannen die 
Oberhand. 
„Laß gut sein, Alfred!" äußerte er weich und gerührt. 
„Ich beabfichtige nicht, Deine ehrgeizigen Pläne zu durch 
kreuzen. Ich halte Dich nicht von Deiner mit Mühe und 
Ausdauer erstrebten Reise zurück. Geh' immerhin an den 
Hof des Königs, und erwirb Dir durch Deine Kunst einen 
Platz an den Stufen des Thrones! Wie ich auch über 
Ludwigs Glaubensrichtung denke, noch bin ich, Camille Cheronne- 
d'Alcourt, kein Gegner der Monarchie, sondern, wie alle meine 
Ahnen, ein guter Royalist. 
Du bist mein Sohn, der Erbe meines Namens und 
hoffentlich, wenn jetzt noch nicht, so doch in der Zukunft, auch 
derjenige meiner Gesinnungen. Vielleicht auch trägt Dein 
Aufenihalt am Königshofe dazu bei. Dich endlich völlig zu 
dem unseren zu machen. 
Ist das der Fall, so würde ich Deinen Entschluß, dorthin 
zu gehen, eines Tages noch segnen. Nur eins versprich mir. 
mein Sohn — Dir dies ans Herz zu legen, war der Grund, 
weshalb ich Dich heute noch zu mir beschied: Halte den 
Glauben Deiner Väter, auch wenn Du ihn noch nicht ganz
        
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