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Periodical volume 17. Dezember 1898, No. 51 Abbildung: Schloß Marienburg. Hochmeisterpalait

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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ein einfaches Pfeilerthor darstellte, freigemacht. Hinter dem 
Thor wurde das sogenannte Quarre, der spätere Pariser 
Platz, angelegt, das bald ebenso wie die Wilhelmstraße mit 
den Palästen vornehmer Leute bebaut wurde. 
Aufnahme von Ferdinand Schwarz in Maricuburg, 
Andere durchgreifende Umgestaltungen beziehen sich aus 
eine der verkehrsreichsten Li tun der Gegenwart, die Leipziger 
Strahe. Das alte. Leipziger Thor war bis dahin in der 
Gegend der Friedrichs-Werderschen Oberrealschule in der 
Wallstraße gewesen. Es verschwand jetzt, und die Esplanaden 
davor, die Gegend des jetzigen Dönhoffplatzes und Gensdarmen- 
Marktes, wurden mit Häusern besetzt. Auch das alte Potsdamer 
Thor. va, wo jetzt die Mauerstcaße die Leipzigerstraße kreuzt, 
wurde abgebrochen und dahin gesetzt, wo es bis zu 
seiner gänzlichen Entfernung, bei Abbruch der Stadt, 
mauer, gestanden hat. Hinter dem Thor wurde das 
„Achteck" (der Lupzigcrplatz) angelegt. Es verdient 
noch erwähnt zu werden, daß jetzt schon zwei Stellen zu 
bezeichnen find, wo sich in späterer Zeit vielbesuchte 
Erholungsstätten der Berliner aufthaten. 
In der Ecke zwischen Landwehrgraben und Tier, 
gartengrenze, dort, wo dann unter Friedrich II. die große 
Slernallee auslief, wurde 1716 eine Ackerwirtschafl gegründet, 
aus der nachmals das beliebte Hofjäger-Etablissement 
entstand, dessen Name daher rührte, daß ein Hofjäger, 
der durch Heirat in Besitz dieser Grundstücke gekommen 
war, darauf eine Gastwirtschaft betrieb. Dienstland war 
diese Meierei, wie man annehmen könnte, niemals. 
Der Plan, den die Königliche Akademie der Wissen- 
schäften im Jahre 1765 stechen ließ, und den G. W. von 
Raumer in verkleinertem Maßstabe seiner Beschreibung 
des Tiergartens beifügte, zeigt in der Ecke zwischen 
Bellevue-, Lenne- und Köntggrätzer-(Schulgarten°)Siraße 
eine Baum- und Gartenanlage, die die Bezeichnung „Real- 
Schulgarten" trägt. Man braucht ituc dieses kleine 
Fleckchen Erde historisch zu betrachten, um den unab 
lässigen Wandel zu erkennen, dem unser Dasein unter 
worfen ist. Geschlechter auf Geschlechter, die sich einst 
lebenskräftig wie wir in Arbeit und Genuß getummelt 
haben, finken in einem Zeitraum von anderthalb Jahr- 
hunderten Schicht auf Schicht dahin. 
Zur Zeit Friedrich Wilhelms I. war das bezeichnete 
Dreieck noch ein wüstes Ackerland, wo die Leichen des 
neugestifteten theatrum anatomicum der Erde übergeben 
wurden. Unter Friedrich II. pachtete die von Hecker be 
gründete Realschule auf der Friedrichsladt, mit der die 
Ausbildung von Volksschullehrern verbunden war, diese 
Grundstücke von der Kirche von Lietzow und legte zum 
Zwecke des Unterrichts Pflanzungen von Maulbeerbäumen 
. und eine Art botanischen Garten darauf an. Nach dieser 
Zeit ist noch zwischen den dreißiger und vierziger Jahren 
dieses Jahrhunderts ein großes, vielbesuchtes Konzert- 
und Vergnügungslokal der Berliner, „der Schulgarten", 
hier gewesen. Heut erheben sich hier glänzende öffent. 
liche und Privathäuser, in denen auch schon Generationen 
gelebt, geliebt und gelitten haben, um schließlich zu er 
löschen wie jene, die nach ihrem Tode dem Rektor des 
tlrsatrurn anatomicum überliefert wurden. 
Unter dem großen König wurde der Tiergarten immer 
mehr Erholungspark. Kein Baum durfte ohne den Willen 
Friedrichs entfernt werden, und durch Einsetzung einer Art 
königlicherKommisfion, deren Seele derFreiherr von Knobels 
dorff war. wurde systematisch für die weitere Verschönerung 
des Parkes Sorge getragen. Aber es liegen auch zahlreiche 
Beweise dafür vor, wie diese Erholungsstätte für die Berliner 
aller Stände immer mehr an Wert gewann, ja. wie sich der 
Ruf des Tiergartens auch in der Fremde verbreitete. Wir 
wollen statt aller anderen nur einen bekannten Berliner
        
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