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Periodical volume 3. Dezember 1898, No. 49

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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Instrumente aus der Mark überführt harten, verfehlte zwar 
nicht, in seiner Antwort seinen Dank für die ehrenvolle Ein 
ladung abzustatten, erbat aber zugleich eine Verlängerung 
seines Urlaubs bis zum April 1580. Er war mit des 
Junkers Mattheus Hrrbrotl Tochter zur zweiten Ehe ge 
schritten, sollte aber auch jetzt wieder die Erfahrung machen, 
daß ihm wohl Pallas Athene gewogen, doch nicht Aphrodite 
,hm huldreich sei. Zwanzig Jahre jünger, als ihr Ehegatte, 
bildete die edle Herbrotlin sich alsbald zur Xanthippe par 
excellence heran, so daß eine abermalige Aufforderung des 
Kurfürsten, nach Berlin zu kommen, unseren Leonhard um 
vieles willfähriger fand. Er traf noch gerade rechtzeitig für 
die Entbindung der Knrfürstin in Berlin ein, doch war seines 
Bleibens hier nur kurze Zeit, schon nach 8 Monaten trieb 
es den Ruhelosen wieder dem Süden zu. Bei seinem 
Scheiden unterließ der humane Monarch es nicht, ihm noch 
einen Beweis fürsorglichen Wohlwollens mit auf den Weg 
zu geben: in weiser Voraussicht des Kommenden bestellte er 
den Grafen Lynar, den Hosprediger Hartwig und den 
Magister Steinbrecht zu Vormündern der Thurneyßerschen 
Kinder. Noch ein letztes Thurneyßeriches Schreiben lief 
späterhin bei dem Kurfürstlichen Hofe ein. Er beklagt sich 
3. Dezember. 
1644 Schlacht bei Jüterbogk. 
1808 Abzug der Franzosen aus Berlin. 
1811 Ed. Bendemann, Maler, geb 
1838 Prinzessin Luise Marie Elisabeth (Gcoßherzogin von Baden) geb. 
1857 Christian Rauch, Bildhauer, ch. 
1866 Ernst von Pfuel, General, f- 
1868 Wilh. Ad. Lette, Staatsmann, i 
4. Dezember. 
1801 Karl Ludw. Michelet, Philosoph, geb. 
1815 Aug. Wilh. Zuinpt, Archäolog, geb. 
1870 Besetzung von Orleans. 
1871 Gesetz bctr. das Prägen von Goldmünzen. 
5. Dezember. 
1757 Schlacht bei Leuthen 
1806 Königin Luise schreibt in Ortelsburg: „Wer nie sein Brot" u. s. w 
— Napoleon I. läßt den Siegeswagen des Brandenburger Thores 
nach Paris schaffen. 
1848 Auflösung der Nationalversammlung. 
1860 Fr. Christoph Dahlmann, Historiker, ch. 
1878 Heimkedr des Kaisers Wilhelm I. nach Berlin. 
1894 Schlußstcinlegung zum Reichstagsgebäude. 
6. Dezember. 
1742 Grenzrezeß von Ratibor. 
I806 Kapitulation von Thorn. — Napoleon 1. läßt die Güter Steins 
mit Beschlag belegen. 
1827 Karl Frenzel, Schriftsteller, geb. 
in demselben bitter über die Verleumdungen und die Undank 
barkeit gewisser Berliner Kreise und sucht sich gegen die 
Beschuldigung, er habe feinen fürstlichen Herrn um 100 000 
Kronen gebracht, durch den Nachweis zu rechtfertigen, daß er 
bei der Herstellung der märkischen Charte (Landtasel), sowie 
bet der Herausgabe seiner zahlreichen Werke das Seine zu 
gesetzt und außerdem in der Kloster-Straße noch 32 000 
Kronen verbaut habe. Hiermit enden Thurneyßers Beziehungen 
zum Brandenburgischen Hofe. Einige Jahre später taucht er 
zu Köln am Rhein noch wieder auf, seine letzten Spuren 
aber führen uns über Rom nach Florenz. Wir vernehmen 
von freundschaftlichem Umgänge, den er mit dem Kardinal 
Franciscus von Medici pflegte, zu dem wohl die Vorliebe 
beider Männer für wissenschaftliche Erörterungen den Anstoß 
gegeben haben mag. Häufig soll der nunmehr silberhaarige 
Greis, in die Betrachtung einer ihm besonders werten Mappe 
versunken, die Landschaftsbilder der Mark Brandenburg 
enthielt, leise zu sich selbst gesprochen haben. Waren es 
Seufzer über sein verlorenes glückliches Leben im hohen 
Hause der Kloster-Straße zu Berlin? Oder waren es Er 
wägungen über das Unzulängliche aller menschlichen Mühen, 
alles irdischen Seins? 
Erinnerungstafel. 
Ludw. Ad. Wilh. Freiherr von Lützow, Generalmajor, f- 
Ernst Werner von Siemens, Erfinder, f. 
7. Dezember. 
Vermählung des Großen Kurfürsten mitLuise Henriette von Oranien. 
Einweihung des alten Opernhauses in Berlin. 
Die Nachricht von dem»Siege bei Leuthen kommt nach Berlin. 
Karl Ad. Menzel, Historiker, geb. 
Größte Kälte im russischen Feldzuge (24 Grad Reaumur). 
Prinzessin Luise Radziwill ch. 
Einweihung des neuen Opernhauses in Berlin. 
Hohenzollern kommt an Preußen. 
(u. 12.) Truppeneinzug in Berlin. 
8. Dezember. 
Ad. Menzel, Maler, geb. 
Fr. Siemens, Großindustrieller, geb. 
Friedrich Wilhelm IV. genehmigt das Statut des Kölner Dom 
bauvereins. 
Jos. Heinr. Beruh. Dräseke, Theolog, ch. 
(bis 11.) Schlacht bei Beaugcncy. 
9. Dezember. 
Joh. Joachim Winckelmann, Archäolog, geb. 
Kongreß von Rastatt. 
Joh. Reinh. Förster, Naturforscher, ch. 
Wilh. Gentz, Maler, geb. 
Joh. Nikolaus von Dreysc, Erfinder des Zündnadelgewehrs, ch. 
Besetzung von Dieppe. 
Otto Michaelis, Nationalökonom, ff. 
Brandenburgifch-preußifche 
1834 
1892 
1646 
1742 
1757 
1784 
1812 
1836 
1844 
1849 
1864 
1815 
1826 
1841 
1849 
1870 
1717 
1797 
1798 
1822 
1867 
1870 
>890 
Kleine Mitteilungen 
Das alte Reichstagsgebäude ist dem Erdboden gleichgemacht. 
Verschwunden sind damit auch die Medaillonporträts, die in der 
Vorhalle des Reichstagssaales angebracht waren: Bilder von sieben 
deutschen Männern, jedes Bild mit einer Unterschrift versehen. Zur 
Erinnerung seien die Namen dieser Männer und die Unterschriften mit 
geteilt: Schiller: Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in 
keiner Not uns trennen und Gefahr. — W. von Humboldt: Meiner 
Idee nach ist Energie die erste Tugend der Menschen. — Frech. vom 
und zum Stein: Ich habe nur Ein Vaterland, das heißt Deutsch 
land; so bin auch ich nur ihm und nicht einem Teile davon ergeben. — 
Scharnhorst: 8 1. Alle Bewohner des Staates sind geborene Ver 
teidiger desselben. — Mathy: Die Freiheit ist der Preis des Sieges, 
den wir über uns s.lbst erringen. — Dahlmann: Die Aufgabe ist, 
den Staat im Volksöewußtsein zu vollenden. — Fichte: Auch im 
Kriege und durch gemeinschaftliches Durchkämpfen desselben wird ein 
Volk zum Volke. 
Fürst Blücher und Klopstocks Witwe. Als der Feldmarschall 
Fürst Blücher von der Stadt Hamburg im Jahre 1817 eingeladen 
war, dorthin zu kommen, benutzie er diesen Besuch zugleich dazu, die 
Witwe des berühmten Dichters Klopstock aufzusuchen. Blücher hatte den 
Dichter noch gekannt und hochgeschätzt. Und diese Freundschaft bewahrte 
er ihm getreu. Er ließ sich bei der Witwe, einer geborenen 
von Winthem, anmelden. Die ehrwürdige ftvaii war sehr erfreut 
über diese Auszeichnung und eiupfing ihn in Trauerkleidern persönlich 
an der Thür der einfachen Wohnung, in der sie mit ihrem Gatten so 
manches Jahr gelebt und die noch jetzt mit der Inschrift: „Hier lebte 
und starb Klopstock" versehen ist. Sie halte für ein einfaches Frühstück 
gesorgt und nahm neben dem berühmten Kriegshelden an dem Tische 
Platz. Mit wehmüliger Liebe gedachten die beiden schon Hochbetagten 
des Heimgegangenen und innig verehrten Sängers, der schon lange 
im Grabe zu Ottensen ruhte. Blücher kannte dessen Gedichte und be 
sonders die Oden, an denen er großes Gefallen fand. Zu dem ein 
fachen Frühstück wurde Portwein getrunken. Mit diesem Wein hatte es 
seine besondere Bewandtnis. Vor einer langen Reihe von Jahren 
hatte nämlich, wie jetzt die Witwe ihrem Gast erzählte, der 
König von Dänemark, ein großer Verehrer von Klopstock, demselben 
mehrere Flaschen dieses Weins zum Geschenk gemacht. Nur bei festlichen 
und außerordentlichen Veranlassungen hatte der Dichter diesen vorzüg-
        
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