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Periodical volume 12. November 1898, No. 46

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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Zeugnis geben, daß Glaube und Liebe unzertrennlich sind und in Christo 
Jesu nichts gilt als nur der Glaube, der durch die Liebe thätig ist. 
Dankerfüllten HerzcnS bitten wir Gott, er wolle sein scligmachendes 
Wort allezeit erhalten und verleihen, daß es hier und allerorten lauter 
und rein gepredigt werde und viel Frucht der Liebe schaffe, damit sein 
Name geheiliget werde, sein Reich komme, sein Wille geschehe; er wolle 
unsere teure evangelische Kirche bauen und schirmen und unser deutsches 
Vaierland segnen aus der Fülle seiner Gnade. Von dem Jerusalem 
hier unten beben wir unsere Augen aus zu dem Jerusalem, das da 
droben ist. Der Herr und Erlöser der Welt verleihe uns und allen, 
die gläubig zu ihm beten im Glauben und brünstiger Liebe, also zu 
wandeln, daß wir dereinst eingehen in die obere Gottesstadt, dort ihm 
zu danken und ihn zu preisen in Ewigkeit." 
Kaiser Wilhelm II. auf dem Berge Zion. Die feierliche Ucber- 
gade des auf dem Berge Zion neben dem Coenaculum, in dem sich 
Hierauf befahl Sc. Majestät der Kaiser, zum Matrosen-Detachcment, 
das auf dem Platz Aufstellung genommen hatte, gewendet: „Präsentiert 
das Gewehr!" und ließ unter den Klängen des Präsentiermarschcs auf 
dem Platze die königliche Standarte hissen. Der lateinische Patriarch 
von Jerusalem, Monsignore Piavi, sprach alsdann in wärmsten Worten 
seinen Dank aus, und der Direktor des deutschen katholischen Hospizes 
in Jerusalem, Pater Schmidt, der als Husar den Feldzug von 1870/71 
mitgemacht, hielt eine längere Rede, in der er u. a. sagte: „Wir stehen 
auf dem heiligen Berge Zion, von welchem geschrieben steht »non commo- 
vebitur“, ebenso fest und stark soll stehen die Treue der katholischen 
Unterthanen Eurer Majestät, sie soll immer und immer unerschüttert und 
fest stehen. Der Berg Zion ruft auch die Gedanken an König 
David und König Salomo wach; am heutigen Tage darf ich wohl im 
Namen des Vereins vom heiligen Lande den Wunsch aussprechen: „Gott 
gebe Ew. Majestät die Weisheit Salomos und zu dieser eine glorreiche 
Die evangelische Lrlöserlrirche in Jerusalem. Mordwestansichr. 
Aus der gleichnamigen Schrift des Wirkl. Geheimen Ober-BauratS Adler. 
Erweiterter Sonderdruck aus dem CcntralblatI der Bauverwaitnng. Verlag von Wilh. Ernst u. Sohn in Berlin. 
angeblich das Grab Davids befindet, gelegenen Grundstücks, welches 
der Kaiser durch die Vermittelung des Sultans erworben und dem 
dcutschin Palästinoverein übcrwiestn hat, fand am Dienstag Nachmittag 
statt. Se. Majestät der Kaiser hielt dabei folgende Ansprache: 
„Wie vor 29 Jahren Se. Majestät der Sultan Abdul Aziz 
Meinem Hochseligen Vater das Terrain übergeben bat, wo die heute 
eingeweihte evangelische Kirche steht, so hat Se. Majestät der jetzt 
regierende Sultan in Freundschaft sich bewogen gefunden, Mir dieses 
Terrain zu überlassen, auf daß für die deutschen Katholiken zu deren 
Rutz und Frommen Gebäude darauf entstehen können. Indem Ich mit 
tiefem Dank an Se. Majestät den Sultan das Terrain übernehme, hoffe 
Ich, daß diese Gabe, die der Ausdruck inniger Freundschaft und zu 
gleicher Zeit eingehenden Interesses für Meine deutschen Unterthanen ist, 
nunmehr in der Pand des deutschen katholischen Palästina-Vereins zu 
einem Segen für Meine katholischen Unterthanen, speziell auch für die 
Bestrebungen im Heiligen Lande werden möge. Ich, Wilhelm II., 
Deutscher Kaiser und König von Preußen, übernehme hiermit nunmehr 
dieses Terrain." 
und kraftvolle Regierung wie diejenige König Davids!" Endlich, wenn 
ich von mir selbst sprechen darf, so haben Ew. Majestät Sich herbei 
gelassen, meine Brust mit einem Allerhöchstm Ehrenzeichen zu schmücken. 
Ich spreche meinen innigsten Dank dafür aus. Unter dieser Dekoration 
schlägt ein gut deutsches, gut preußisches Herz; diese Auszeichnung wird 
dazu dienen, die Bande der Liebe und Anhänglichkeit an Kaiser, Reich 
und Kirche noch zu festigen." 
Voraussichtliche wirtschaftliche Erfolge der Palästinafahrt Kaiser 
Wilhelms II. An den Besuch des deutschen Kaiserpaares m Konktantinopel 
und in Jerusalem knüpfen sich auch allerlei wirtschaftliche Hoffnungen. In 
der Türkei haben sich deutscher Unternehmungsgeist und Handclssinn bei der 
Erschließung der Kräfte dieses Landes besonder« hervorgethan; sie haben 
dort sogar Erfolge einengen, an die niemand zu denken gewagt hätte. 
Wir haben dort eifrigen Konkurrenten den Rang abgelaufen. Dahin 
zählt u. a. England im Waffcn-Gewerbe. 
Ehe die Beziehungen Deutschlands zur Türkei intim wurden, war 
Goßbritannien für die Türkei der Lieferant von Geschützen und Gewehren.
        
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