Path:
Periodical volume 5. November 1898, No. 45

Full text: Der Bär Issue 24.1898

537 
Erstens würden nur verstockte Sünder exkommuniziert, seine 
Klienten seien aber nicht einmal sämtlich ordnungsgemäß 
vorgeladen worden; zweitens wären die Insekten vor den 
Menschen geschaffen worden, und Gott-Vater selbst habe es 
ihnen anbefohlen, fruchtbar zu sein, sich zu mehren und die 
Erde zu füllen, hierzu gehöre doch aber auch die nötige 
Nahrung; drittens sei es doch wohl auch nicht ganz richtig, 
unvernünftige Tiere, welche nichts anderes begangen, als 
ihrem tierischen Instinkte blind zu folgen, nun sofort zu 
exkommunizieren. — Aber der energische Anwalt ging noch 
weiter. Indem er der gegnerischen Partei ihre Haupt 
belastungsmomente gleich vorwegnahm. verwahrte er fich 
aus das entschiedenste gegen die etwaige Behauptung, daß 
all seine angeführten Gründe 
nicht stichhaltig seien, weil eben 
der Mensch der Herr der 
Schöpfung sei. und weil, wer 
da säet, auch ernten müffe. 
Nein, das alles hätte in 
vorliegendem Falle gar 
nichts zu besagen; die 
St. Julienner möchten anstatt 
gleich mit gerichtlichen Klagen 
zu kommen, lieber erst einmal 
hübsch hingehen und zuvörderst 
ihre eigenen Sünden gründlich 
bereuen. — Francois Foy, 
der Anwalt der klagenden Ge 
meinde. erbat sich zur Aus 
arbeitung seiner Replik eine 
Frist von sieben Tagen und 
dann, trotz Widerspruchs seines 
Gegners, nochmals eine gleich 
lange, so daß erst am 19. Juni 
wieder ein Termin stattfinden 
konnte, auf welchem Foy mit 
wenig Worten ausführte, die 
Tiere seien lediglich zum Nutzen 
der Menschheit geschaffen wor 
den, und deshalb sei es ganz 
unerhört, wenn sie, wie im 
vorliegenden Falle, ihre natür 
lichen Herren schädigten; die 
Beklagten hätten es deshalb 
voll und ganz verdient, ohne Gnade exkommuniziert zu werden. 
Nach abermals sieben Tagen hielt Ramband seine Gegen 
replik, ohne indessen wesentlich neue Gesichtspunkte ins Feld 
führen zu können. Nun scheint es aber den Klägern selber 
bange um den schließlicheu Ausgang des teueren Prozesses 
geworden zu sein, genug, sie beriefen einen Gemeindeiag ein. 
auf welchem sie den Beschluß faßten, einen Vergleichsvorschlag 
dahin lautend zu machen, daß sie dem Ungeziefer freiwillig 
ein bestimmtes Stück Land abtreten wollten; und zwar be 
stimmte man hierzu ein Brachfeld in der Nähe des Dorfes 
Claret. An diese Schenkung knüpfte man die einzige Be 
dingung, daß den Bauern die freie Paffage zu den dort be 
findlichen Ockerminen freistehe, sowie daß man fich in Kriegs- 
läuften des betreffenden Brachfeldes als Schlupfwinkel be- 
dienen dürfe; „es seien nämlich gar heilkräftige Quellen dort, 
und schon hieraus gehe hervor, wie selbstlos man bei diesem 
Angebot verfahren sei." Der Vergleichsvorschlag selbst er- 
folgte, wie es in dem be- 
treffenden Dokumente heißt: 
„en bon forme et vallable 
ä perpetuite." 
Dies Angebot ward am 
24. Juli an Gerichtsstelle be- 
konnt gegeben, man veriagte 
aber die Verhandlung hierüber, 
und zwar zunächst bis zum 
20. August, und dann, infolge 
eines Durchmarsches von Trup. 
pen des Herzogs von Savoyen, 
bis zum 3. September. Doch 
stehe da, auf dem endlich 
stattfindenden Termine wei- 
gerte fich Antoine Filliol im 
Namen seiner Mündel, den 
Vergleich anzunehmen, da 
„jener Platz völlig unfrucht 
bar sei und absolut nichts her- 
vorbringe." — Da aber der 
gegnerische Anwalt fich gegen 
die Unterstellung der Unfrucht 
barkeit entschieden vermahne 
und behauptete, „es gebe 
dort im Gegenteil eine Un 
menge von Kräutern." blieb 
dem Gerichtshof weiter nichts 
übrig, als eine Lokalbefichtigung 
durch Sachverständige anzu 
ordnen, von denen jeder drei 
Gulden Auslöhnung erhielt. — Leider ist der Schluß des Be 
richtes eme Beute der Zeiten geworden, so daß wir nicht 
darüber belehrt werden, wer damals schließlich obgefiegt hat, 
die Gemeinde St. Julien oder die Schädlinge. 
(Schluß folgt.) 
Milien: Die flMe Eiche non Vst- und Wekprenßrn. 
Auf Grund einer photographischen Aufnahme der Hoiphotographen 
I. S. Schweder in Elbing. 
Srandenburgisch-preußische Erinnerungstafel. 
5. November. 
1757 Schlacht von Roßbach. 
1758 Wolf Fr. von Retzow, General, ch. 
1773 Prinz Friedrich Ludwig Karl geb. 
1818 Eröffnung des deutschen Bundestages. 
1853 Prinz Friedrich Wilhelm tritt in den Freimaurerorden. 
1860 Iah. Freiherr von Minutoli, Diplomat, ch. 
1875 Rob. von Mohl, Jurist, f- 
6. November. 
1678 Kapitulation von Greifswaldc. 
1730 Enthauptung des Hans Hcrm. von Katte. 
1850 Fr. Wilh. Graf von Brandenburg, Minister, t- 
1870 Gefecht bei Chüteaudun. 
7. November. 
1741 Huldigung der Fürsten und Stände von Niederschlefien in 
Breslau. 
1783 Fr. Aug. von Stägemann, Staatsmann und Dichter, geb. 
1806 Blücher kapituliert bei Ratkau. 
1818 Emil du Bois-Reymond, Physiolog, geb. 
8. November. 
1572 Kurfürst Johann Sigismund geb. 
1672 Hinrichtung des Hochverräters Christ. Ludw. von Kalkstein.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.