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Periodical volume 5. November 1898, No. 45

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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Die oberste Schanze des Knoblaucher Riesenbergs hat 
etwa 50 Schritt Durchmesser; es scheint gegen Norden hin 
noch ein zweiter Halbrtng und vielleicht hinter diesem nach 
dem Blachfelde zu noch ein dritter Schanzenring an den 
schwächsten Stellen vorgelegen zu haben. Im Innern der 
vertieften Haupt-Schanze erhebt sich weithin sichtbar ein ein 
samer einzelner Baum. 
Bei einem erneuten Besuch der Knoblaucher Hochburg 
seitens der Pflegschaft des Märkischen Museums unter meiner 
Leitung am 17. Oktober 1897 verglich einer der Teilnehmer 
die stolze Beste mit Recht mit einem modernen Fort, und 
zwar ladet dieselbe aus der Ferne zu einem Vergleich mit 
dem benachbarten Fort der Festung Spandau, welches auf 
dem Hahneberg angelegt ist, ein?) Die Knoblaucher Schweden 
schanze ist leicht sturmfrei zu machen und würde, mit modernen 
Geschützen besetzt, eine formidable Verteidigungskraft besitzen. 
In germanischer Zeit muß man sich denken, daß der Anberg 
mit Verhauen und Palisaden, die Krone des Walls mit 
Dornhecken oder Gebücken ausgerüstet und dadurch wohl ver 
wahrt war. 
Zu Anfang dieses Jahr 
hunderts, wahrscheinlich 
im Sommer 1802, be 
suchte die Königin 
Luise mit ihrem er 
lauchten Gemahl die 
Knoblaucher Höhen. 
Herr Bürgermeister 
Zech in Ketzin, dessen 
schöne Altertümersamm 
lung wir am genannten 
Tage besichtigten, beab 
sichtigt, ein Relief der 
leider so wenig in ar 
chäologischen Kreisen be 
kannten Schwedenschanze 
von Knoblauch herzu- 
stellen, das Märkische 
Provinzial-Museum, da 
selbst im Jahre 1898 eine umfassende Untersuchung vorzu 
nehmen. Daß die Bezeichnung Schweden-Schanze mit 
den Schweden hier so wenig wie bei den meisten übrigen 
derartigen Verwallungen etwas zu thun hat, braucht wohl 
kaum erwähnt zu werden. 
Tierproresse. 
(Fortsetzung statt Schluß). 
Ein anderer Chronist, Felix Malleolus. erzählt in seinem 
„Tractatus de Exorcismis", daß zu seiner Zeit (1451) 
der Bischof von Lausanne die Aale verflucht habe, weil sie 
die andern Fische des Sees allzu stark belästigt hätten. 
Obgleich nun dieses Anathema sich als äußerst wirksam 
erwiesen, hätten sich doch Spötter über ein derartiges Ver 
fluchen von Fischen lustig gemacht, und der Bischof habe sich 
*) Herr Dr. Gustav Albrecht, Teilnehmer dieser Exkursion, hat 
darüber einen längeren Bericht in der „Frankfurter Oderzeitung" vom 
24. Oktober 1897 vcröffentlickt. — Nachträglich hat unser eifriger 
märkischer Forscher Robert Miclke in der Brandenburgia 1898 
S. 60 eine Abbildung der Knoblaucher Hochburg im Grundriß nebst 
kurzem Text dazu geliefert. 
daher an die Universität Heidelberg um ein Gutachten gewandt, 
die sich dann auch einstimmig mit solcher Maßnahme 
einverstanden erklärt habe. 
Zu der gleichen Zeit wurde eine andere Tiöcese der 
Schweiz von fingerdicken Raupen mit schwarzen Köpfen arg 
heimgesucht. „Im Winter (so erzählt Malleolus) leben diese 
Tiere in der Erde und fressen dort die Wurzeln der Gräser 
und Kräuter so radikal ab, daß dann, wenn es Frühling 
wird, die Felder völlig kahl liegen. Im Sommer aber be 
kommen sie Flügel und schwingen sich damit auf die Bäume 
und Sträucher, um vort Blüten und Früchte zu verzehren." 
— Diese Raupen wurden ob besagter Uebelthaten vor Gericht 
geladen, und wegen ihres gar so jugendlichen Alters fühlten 
sich die gerechten Richter bewogen, ihnen nicht nur den üblichen 
Offizial-Verteidiger, sondern obendrein auch noch einen Vormund 
beizuordnen. Diese beiden wiesen nun auf dem Termine 
darauf hin, daß ihre Schutzbefohlenen doch schon seit 
undenklichen Zeiten in jenen Gegenden heimatsberechtigi 
seien, und wenn sie sich auch wirklich einmal eine Kleinigkeit 
zu Schulden kommen 
ließen, so handelten fie 
doch jedenfalls nicht aus 
bösem Willen, sondern 
lediglich aus kindlichem 
Unverstand. Das alles 
möge ein hochweisn 
Magistrat doch ja recht 
reiflich erwägen, ehe 
er einen vielleicht zu 
harten Urteilsspruch 
fälle. Und wirklich, das 
Ende vom Liede war, 
daß mit den Sachwaltern 
der Raupen ein Vergleich 
abgeschlossen wurde, ge 
mäß welchem die In 
sekten ein ganz be 
stimmtes Stück Land an 
gewiesen erhielten, aus 
dem fie völlig nach freiem Ermessen schalten konnten. 
Aehnliches weiß Menabrea aus den Annalen des be 
kannten Wetnorts St. Julien zu berichten: 
Im Jahre 1645 wurden die dortigen Weinberge von 
einer Larve, Rhynchites auratus, arg heimgesucht. Die 
Gemeinde verlangte vom Bischofsstuhl zu St. Jean de 
Maurienne Exkommunikation des Ungeziefers, erhielt hier 
aber den üblichen Bescheid, zunächst einmal aufrichtig Buße 
zu thun und vor allem den schon lange rückständigen Zehnten 
zu entrichten. Nun brächten die von St. Julien ihre Sache 
vor den Richter Francois Bonnivard, welcher zunächst den 
Insekten zwei Rechtsbeistände zuordnete. Ehe aber die An 
gelegenheit zum Austrag gelangen konnte, war das Unge 
ziefer verschwunden. Als es jedoch bald wieder, und zwar 
in weit größeren Massen auftrat und alle Kirchengebete und 
Prozessionen nichts halfen, wurde definitiv das ordentliche 
Gerichtsverfahren eingeleitet, in welchem Antoine Filliol als 
Vormund, Pierre Ramband aber als Anwalt die Interessen 
der Beklagten zu wahren hatten. Der erste Termin fand am 
5. Juni statt. Auf ihm plaidierte Pierre Ramband wie folgt: 
Cabinen: DaS Herrenhaus. 
Auf Grund einer Pfotographischen Aufnahme des Hofphoiographen I. S. Schwede! in Elbing.
        
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