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Periodical volume 5. November 1898, No. 45

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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Ungeachtet des Zuschusses, welchen die an der Peripherie 
erbauten Markthallen zunächst noch erforderten, war der Ge- 
samtabschluß der Markthallen-Verwaltung immer noch günstig, 
weil die älteren Hallen so reichliche Einnahmen erzielten, daß 
sie nicht nur den eigenen Bedarf deckten, sondern auch erheb 
liche Ueberschüsse gewährten. 
Vermuilich wird sich aber auch bei den neueren Hallen 
der Verkehr heben und damit auch die Finanzlage sich bessern, 
sobald die belreffenden Stadtgegenden vollständiger bebaut 
und von einer mehr kaufkräftigen Bevölkerung bewohnt find. — 
Gleichzeitig mit den Verhandlungen über die Errichtung 
der Markthallen für die äußeren Stadtteile fanden die Unter 
handlungen über die Erweiterung der Centralhalle I (Neue 
Friedrichstraße) statt. 
Die Eröffnung des Erweiterungsbaues der Central- 
Marklhalle (Centralhalle Ia) konnte am 1. Juli 1893 statt 
finden. Die Anschlußgeleise des Erweiterungsbaues find in 
der Nacht vom 20. zum 21. Dezember 1893 zum ersten 
Male in Benutzung genommen worden. Die Ceniralhalle Ia 
bedeckt unter Hinzurechnung des Raumes unter den fiskalischen 
Stadtbahnbogen und unter den älteren Markihallengeleisen 
9826 qm Fläche; das Erdgeschoß enthält 1670,3 gm an 
Ständen für Obst, Gemüse und Räucherwaren, 1794,3 qm 
für Fleisch. 
Die Architektur der neuen Halle ist der der alten 
Centralhalle I entsprechend; fie ist wie diese im Rohbaustil 
aus hellgelben Backsteinen, mit Streifen aus farbig glasierten 
Ziegeln verziert. 
Der für den Großhandel mit Fleisch bestimmte Teil der 
Halle Ia hat Standinseln mit verschließbaren Läden in ver 
zinkter Eiseiikonstruklion. während die für den Großhandel 
mit Obst und Gemüse bestimmte Fläche mit einem durch 
gehenden Pflaster versehen worden ist; beide Teile sind durch 
ein eisernes Gitter und Drah gestecht gegen einander abgegrenzt. 
Besonders hervorzuheben ist in der neuen Halle Ia die 
Kühlanlage, welche es ermöglicht, bei größter Sommerhitze 
Fleisch. Fische. Butler. Käse und Gemüse mindestens sechs 
Wochen lang aufzubewahren. In der von der Maschinenbau 
anstalt Humboldt in Kalk bei Köln ausgeführten Anlage 
wird flüssiges Ammoniak in geschloffenen Rohrschlangen 
systemen verdunstet, wodurch diese bedeutend abgekühlt werden. 
Mit Eröffnung der Centralmarkthalle Ia wurde die schon 
lange beabfichligte räumliche und zeitliche Trennung des 
Großhandels vom Kleinhandel durchgeführt, indem 
Halle Ia nunmehr ausschließlich dem Großhandel mit Fleisch, 
Gemüse. Obst und Räuchecwaren dient. Ebenso wie Central 
halle I ist Halle Ia im Winter von 4 Uhr, im Sommer von 
3 Uhr morgens bis 10 Uhr vormittags für den gesamlen 
Großhandel, außerdem nachmittags von 5—7 Uhr für den 
Großhandel, mit Ausnahme des Fleischgroßhandels, geöffnet. 
Die übrigen Hallen werden für den Engroshandel im 
Winter um 5 Uhr früh, im Sommer uni 4 Uhr. für den 
Detailhandel um 7 bezw. 6 Uhr geöffnet; nachmittags 1 Uhr 
werden alle Hallen für den Kleinhandel geschlossen und nach 
mittags 5 Uhr wieder geöffnet. Abends 7 Uhr, Sonnabends 
8 Uhr ist Schluß für den Kleinhandel. 
In der Centralhalle I wird. wie bisher, der Großhandel 
neben dem Kleinhandel betrieben; für den ersteren find be 
sondere Abteilungen bestimmt, und es gellen für ihn in Bezug 
auf die Zeit dieselben Bestimmungen, wie für den Großhandel 
in Centralhalle Ia. In beiden Fällen wird, wie erwähnt, 
der Großmarkt um 10 Uhr vormittags geschlossen, gleichzeitig 
müssen die Geschäftswagen der Händler abfahren. — 
Ueberblickt man die Entwickelung des Berliner Markt- 
hallenwesens in unserer Berichtsperiode, so wird man sie dahin 
zusammenfaffen können, daß die Hallen im Berliner Lebens- 
mittel-Verkehr ein maßgebender und in ihrer jetzigen Gestalt 
unentbehrlicher Faktor geworden find, daß fie überall da, 
wo bereits eine hinreichend große, kauflustige Bevölkerung 
vorhanden ist. auch die bei ihrer Errichtung gehegten Hoff 
nungen voll erfüllt haben, und daß Fehlschlüge nur da ein 
getreten find, wo jene Vorbedingung sich als noch nicht hin 
reichend vorhanden erwiesen hat. 
Aus Paretz und Umgegeud. 
Untersuchungen und Muchforschungen im 
osthuliellündischen Lkreise. 
Von Ernst Friedet. 
III. Die Germanische Hochburg bei Knoblauch. 
Kreis Ost-Havelland. 
Adalbert Kuhn schreibt in seinem Aufsatz „Ueber 
das Verhältnis Märkischer Sagen und Gebräuche 
zur Altdeutschen Mythologie" (Märkische Forschungen 
I, Berlin 1841, S. 143) über unsere Riesen - Sagen fol 
gendes: 
„Eine gewöhnliche Form, in welche die Sagen das Ent 
stehen der Burgwälle und alten Grabhügel kleidet, ist die, 
daß ein Riese oder noch gewöhnlicher ein Riesenmädchen zu 
irgend einem Zwecke Erde in der Schürze herbeitrug, daß 
ihnen aber das Schürzenband zerrissen, und, nachdem fie alles 
wieder aufgerafft, endlich das, was ihnen zwischen den 
Fingern durchglitt, liegen blieb, und das find dann die allen 
Hügel. So liegt auf der Wachower Feldmark unweit 
Tremmen ein solcher kegelförmiger Hügel, der auf diese Weise 
entstanden sein soll; auch von dem Burgwall bei Knobloch') 
wird es erzählt. Dieser, der auf einer Anhöhe liegt, hat 
in der Mitte eine Erhebung, und es sieht fast aus, als sei 
ein Ouerdamm hindurchgegangen, daher sagen denn auch 
andere, die Riesen hätten das Ganze gebaut, einer von ihnen 
sei aber bei der Arbeit gestorben, und den hätten fie in der 
Mitte begraben." Vgl. dazu Kuhn, Die Riesenhügel, Nr. 132, 
S. 143 der Märkischen Sagen. 
Der Kaufmann Krüger in dem benachbarten Hoppenrade 
teilte im Jahre 1883 Herrn Rektor Otto Monke, einem 
eifrigen märkischen Heimatsforscher, mit: „Den Borgwall bei 
Knobloch haben die Riesen aufgeschüttet. Dazu brauchten ste 
drei Schürzen Erde, deswegen besteht er aus drei Schichten 
oder Stufen."*) **) 
Endlich teilt v. Ledebur in seinen heidnischen Alter 
tümern des Regierungsbezirks Potsdam mit: „Knobloch 
*) Die Generalstabskaite und neueste Landesvermessung schreiben 
Knoblauch, fiühcr hieß es Knobloch; das Landvolk sagt noch 
jetzt so. 
**) Vgl. was Kuhn. Mark. Sagen. 1843,S. XIV sagt: „Die 
Teufclssogkn fallen zuweilen mit Rieicnsagen zusammen, so vom Teufels- 
dämm im Paarstcinschen See, wo auch erzählt wird, eine Hüne hätte 
den Tamm mit drei Schürzen voll Erde gebaut, als sie aber die brüte 
Schürze herbeibrachtc, habe sie ein Bein gebrochen, und da sei das Werk 
unvollendet geblieben. J
        
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