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Periodical volume 5. November 1898, No. 45

Full text: Der Bär Issue 24.1898

oer Mark Krmdenburg md der Mgrenzenden Gebiete. 
Unter lNitwirkung von 
Dr. Ernst G Kardex, Dr. K- Kört,, girier. Professor Dr. Krertzer, Dr. A. Krent-tgre. 
Stadtrat E. Friede!, Richard George, Ferd. Wer,er, Dr. Eg. Krstnridt, Symnafialdirektor a. v. Dr. W. Kri,n»rrr!j 
und G. t». Wilde,rt'rrrrt) 
herausgegeben von 
Friedrich ZiUessen und Maul Marncke. 
XXIV. 
Jahrgang. 
M 45. 
Der „Bär" erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch jede Postanstalt (Nr. 8(9) Buchhandlung und Zcitungs- 
spedition für 2 Isis. 50 Pf. vierteljährl. zu beziehen. Auch die Geschäftsstelle—Berti» kl. 58,Schönt». Allee 141—nimmt 
Bestellungen entgegen. Jnseraten-Aufträge sind an die letztere zu richte». Die viergesp. Petitzeile kostet 90 Pf. 
5. November 
1888. 
Der Bogslist. 
Historische Erzählung von Heriii.ru Hirschfeid. 
(Schluß.) 
e vom Blitz getroffen, sank der elende Verleumder 
in die Knie. Auf diesen Ausgang war er nicht ge- 
faßt. — Der Oberst bewegte die Glocke. 
„Zwei Mann für diesen Menschen da!" befahl er der 
eintretenden Ordonnanz. „Man soll ihn in einem Zimmer 
bewachen, bis das Kriegsgericht versammelt ist, das lch sofort 
berufe." 
„Ich protestiere, ich stehe unter dem bürgerlichen Gesetz!" 
schrie Bordin. „Ich bin Gemeindevorsteher! Ich appelliere 
an den Wohlfahrtsausschuß in Paris!" 
„Die Gewalt des Kriegsrechts ist mir verliehen," ent. 
gegnele der Oberst, „und ich mache davon Gebrauch, um die 
soldaiische Ehre eines meiner bravsten Offiziere vor dem Geifer 
eines Verleumders zu schützen." 
In der straffen, militärischen Haltung, für deren Aufrecht- 
erhaltung Oberst Crebeau mit Strenge bei seinen Leuten 
sorgte — im Gegensatz zu dem nachläsfigen Sichgehenlaffen, 
das sonst vielfach in der siegreichen Revolulionsarmce Frank 
reichs herrschte. — stellten sich die heranbeorderten zwei 
Man» am Eingänge auf. Mit ihnen war der Ordonnanz- 
soldat zurückgekehrt, der dem Obersten ein mit einem großen 
Siegel versehenes Schreiben überreichte. 
„Ich gehe nicht mit den Soldaten." stieß Bordin, außer 
sich vor Wut und Furcht, hervor. „Ich ahne eine Ver 
schwörung; man will mich unschädlich machen, um dem 
Aristokraten zu helfen! Aber der Wohlfahrtsausschuß muß 
einen treuen Diener schützen, und ich werde diesen milch- 
gefichtigen Fant noch unter der Guillotine sehen, die er meiner 
Wachsamkeit, meinem Eifer verdaaki!" 
Der Oberst hatte das Schreiben erbrochen und durch- 
flogen. 
„Pierre Bordin," sagte er in beinahe feierlichem Ton. der 
gegen die kreischende Stimme des Gemeindevorstehers doppelt 
eindrucksvoll erklang. „Ihr Eifer war nutzlos. Nach dem Fall 
des blutigen Diktators Nobespierre hat das Direktorium zu 
Paris verschiedene Anordnungen desselben zurückgezogen. 
Eine neue Liste der Personen, die dem Gedeihen der jungen 
Republik gefährlich find, ist soeben veröffentlicht worden, 
von der Gerechtigkeit, nicht von der blinden Leidenschaft 
diktiert. Auf dieser Liste ist der Name Armand Saint Leux 
nicht mehr zu finden." 
Keuchend vor innerm Grimm hob fich die Brust des 
elenden Verleumders, ein Fluch kam halb erstickt aus seinem 
Munde. Aber schon hatten die handfesten Soldaten fich seiner 
bemächtigt; fie schleppten den gewaltsam Widerstrebenden 
nicht allzu sanft aus dem Zimmer. 
* * 
* 
Auf die Einladung des Obersten war Armand aufs neue 
eingetreten; bewegt ergriff er die Hand, die ihm Cräbeau 
entgegenstreckte. 
„Ich wollte an Gott verzweifeln." sagte er tief erschüttet, 
„aber Sie find mir wie ein Engel Gottes. Was habe ich 
gethan, den Sonnenschein zu verdienen, mit dem seine Güte 
mein finsteres Dasein plötzlich erhellt?" 
„Streben Sie, was Sie Gutes erfahren, zu verdienen,"
        
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