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Periodical volume 22. Oktober 1898, No. 43

Full text: Der Bär Issue 24.1898

Illustrierte Anschrift 
für oaterlündlsche Geschichte, vorzüglich für die Geschichte der Dohenzollm, der Laiserülldt Kerlin. 
oer Mark Krandendurg und der angrenzenden Gebiete. 
sj* 
St 
Unter Mitwirkung von 
Dr. ffieuji G. Kardeg, Dp. R- $6ritt guter, Professor Dr. Krerffer, Dr. A. Kreudtcke, 
Sta-trat G. Friedet, Ntttzard George, Ferd. Meger, Dr. Wg. Sgirntdt, «Symnafialdirektor a. D. Dr. M. Krtftvarlt 
unk G. v. Wttdeut'rurti 
keransgeaeben von 
Friedrich IMefsrn und Paul Marnckr. 
XXIV. 
Jahrgang. 
M 43. 
Der „Bär" erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch jede Postanstalt (Nr. 8(9) Buchhandlung und Zeitungs- II «2 Oktober 
spedition für 2 Mk. 50 Pf. vierteljährl. zu beziehen. Auch die Geschäftsstelle —Berlin 8.58,Schönh. Allee 141—nimmt j 
Bestellungen entgegen. Jnseraten-Aufträge sind an die letztere zu richten. Die viergesp. Petitzeile kostet 90 Pf. 18 ^8. 
Wer Uogalist. 
Historische LrzZtzlung von Hermsn Hirschfeld. 
(3. Fortsetzung.) 
Worte des Kapitäns wurden durch Jacquinet unter- 
(3^ brachen, der sich auf der Schwelle des Zimmers zeigte 
und. von den übrigen unbemerkt, Myrlha zuwinkte. Das junge 
Mädchen las in den verstörten Zügen des Hausgenoffen, daß 
es etwas von Wichtigkeit geben müffe, und wollte sich eben 
unauffällig entfernen, als Paul den Burschen gewahrte und 
sich nach seinem Wagen erkundigte. Zu seiner Befriedigung 
vernahm er. daß das Gefährt schon in kürzester Zeit zum 
Weiterfahren bereit stehe. 
In seiner gewinnenden Art schüttelte Paul die Hand 
des jungen Menschen. „Als Du mir die Thür aufgemacht, 
ahnten wir beide nicht, daß Du Paul Barnouille aus den 
Boden seines Vaterhauses führtest, mein Braver/ sagte er. 
„Aber ich danke Dir mehr. Jacquinet," fügte er warm hinzu; 
»ich weiß, was Du den Meinen gewesen bist in langen 
Jahren. Du gehörst zum Hause wie ein Glied desselben, 
und so auch zu mir — als Freund, als jüngerer Bruder. Und nun 
geh'," sagte er zuletzt, den Burschen sanft von sich schiebend, 
um ihn nicht die Rührung merken zu lassen, die den abge 
härteten Krieger überkam, „geh', mein Junge!" 
Jacquinet wollte antworten, aber die Worte blieben ihm 
in der Kehle stecken. Heiße Thränen rannen ihm die ge- 
bräunten Wangen herab. 
„Totschlagen laffe ich mich für Euch alle." stammelte er; 
dann zog er fich eiligst zurück und folgte Myrtha, die bereits 
im Gange seiner harrte. 
„Um Gottes willen, was giebt es?" flüsterte sie Jacquinet 
M. „Ich fürchte, nichts Gutes!" 
„Pierre Bordin ist draußen auf dem Hof," erwiderte 
der junge Mensch ebenso leise. „Er hat von dem Burschen 
herausgelockt, daß ein Offizier drinnen im Zimmer fitzt, der 
noch heute nach Schloß Marsan fahren will. Ich soll Euch 
sagen, daß er Euch heimlich in einer wichtigen Sache sprechen 
möchte. Ihr würdet es ihm danken," sagte er. 
Myrlha begriff sofort, daß es fich um Armand handelte. 
Die Besorgnis um den jungen Edelmann kämpfte aber mit dem 
Widerwillen gegen Bordin, und sie zögerte mit der Antwort. 
„Ich kann ihn nur in meinem Zimmer ungestört sprechen," 
sagte sie zuletzt. „Bring' ihn hinauf, Jacquinet, ohne daß 
sie es im Wohnzimmer merken, und bleibe dann draußen 
in der Nähe! Mir graut, wenn ich daran denke, mit Pierre 
Bordin allein zu sein, ohne einen treuen Schutz zur Seite zu 
haben." 
Sie schritt die kleine Stiege hinan, wo fich unterhalb deS 
Zimmers, in dem fich der Schützling des Hauses der Ruhe 
erfreute, zwei kleine, für ein Landmädchen fast allzu zier 
liche Räume befanden, die Vater Barnouille seinem Kinde 
als Eigentum ausgestattet hatte. Mynha zündete ein mit 
Oel gefülltes Lämpchen an, dessen Schein ein mattes Licht 
verbreitete. Schon knarrte, trotz aller Versuche, so geräusch 
los als möglich aufzutreten, die Stiege unter dem schweren 
Tritt Pierre Bordtns. Myrtha öffnete die Thür — sie 
konnte völlig ruhig sein: von dem Kommenden unbemerkt, 
zeigte fich hinter ihm die schlanke Gestalt Jacquinets auf der 
Treppe. 
Pierre trat ein.
        
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