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Periodical volume 15. Oktober 1898, No. 42

Full text: Der Bär Issue 24.1898

Wasser zu Licht, so stark und klar, daß es mit dem Sonnenlicht um die 
Ebenbürtigkeit ringen kann." Wir wünschen dem .XIX. Jahrhundert 
in Wort und Bild" die weiteste Verbreitung. 
Allerlei zur Palästinafahrt unseres Kaiserpaarcs. Das Geschwader, 
welches für die Kaiserreise bestimmt ist, besteht aus der Kaiserlichen Dacht 
„Hohenzollern", Kommandant Kontreadmiral Freiherr von Bodenhausen, 
dem Kreuzer „Hertha", Kommandant Korvettenkapitän von Usedom, 
und dem Aviso „Hela", Kommandant Korvettenkapitän Rampold. Alle 
drei Schiffe haben den bekannten weißen Tropenanstrich erhalten und 
zeichnen sich sowohl durch Eleganz wie auch durch große Fahrgcschwindig- 
keit aus. Die Flotille wird sicherlich im Orient einen sehr guten Ein 
druck machen. Die „Hohenzollern" läuft 22, „Hertha" 19 und „Hela" 
23 Seemeilen in der Stunde. An Besatzung hat die Kaiseryacht 308 
Mann, „Hertha" ist mit 439 und „Hela" mit 178 Mann besetzt. Der 
Kreuzer „Hertha", als das größte der Schiffe, hat naturgemäß auch die 
stärkste Artillerie und ist mit Panzerdeck, Panzerdrehtürmen und Panzer- 
kasematten versehen. Die Armierung des Kreuzers besteht aus 30 Schnell- 
seuergeschützen, während sich an Bord der „Hela" nur zwölf und an 
Bord der „Hohenzollern" nur sechs Geschütze befinden. Das Kaiser 
geschwader hat eine Besatzung von 925 Mann. — Aus Berlin sind 
bereits 90 Personen mit 6 Leibpferden, mit Reit- und Kutschpferden nebst 
Wagen nach Konstantinopel abgegangen; die Kaiserliche Leib-Gendarmerie 
und die Leib-Garde der Kaiserin begeben sich erst wenige Tage vor der 
Abreise des Kaiserpaares nach Italien, um von dort aus zu Schiffe 
die Reise nach Palästina anzutreten. — In Venedig wird König 
Humbert seine hohen Gäste begrüßen, und von dort aus treten die 
Majestäten die Seereise auf der bereits im Bassin von S. Marco 
liegenden Dacht „Hohenzollern" an. — In Jaffa ist am 1. Oktober ein 
deutsches Postamt in Wirksamkeit getreten. Parole. 
Bismarck und Simson. In seiner bei dem Jubiläum des 
Friedrich Wilhelm-Kollegiums zu Königsberg gehaltenen Rede erwähnte 
Amtsgerichtsrat Stürmer, daß er in seiner Jugend oft Gelegenheit 
gehabt habe, in dem gastlichen Hause eines berühmten Schülers des 
Midericianums, des Reichsgerichtrprästdenten a. D. Simson, zu ver 
kehren. Demselben verdanke er auch die Kenntnis einiger interessanter 
Episoden aus dem persönlichen Verkehr Simsons mit dem 
Fürsten Bismarck. Unter anderem erzählte er: 
.„Herr v. Bismarck-Schönbausen, durch seine Offenheit und die 
verblüffende Originalität der von ihm vorgebrachten neuen Gesichts 
punkte sozusagen das Schreckenskind der eigenen Partei, war durch das 
Vertrauen seiner Standcsgenossen auch in den preußischen Landtag 
entsandt, wo er alsbald mit der Ordnung des Hauses und dem darüber 
wachenden Schriftführer in Konflikt geriet. Vor das Tribunal des 
Präsidenten Simson citiert, war dieser ernstlich bemüht, ihn zu einem 
gütlichen Ausgleich zu bewegen, bis Herr v. Bismarck die Verhandlung 
mit dem ungeduldigen Ausruf unterbrach: „Das verstehen Sie 
nicht! Das kann nur ein Edelmann verstehen!" Ein erstaunter 
Ausblick des Präsidenten traf ihn, und es erfolgte die prompte Ant 
wort: „Und das sagen Sie mir, dessen Stammbaum mehr 
c als 2000. Jahre zurückreicht?" Diese schlagfertige Antwort, die 
t zugleich eine Abwehr einer verborgenen weiteren Insinuation enthielt, 
hatte ihm die Achtung seines Widerparts erworben, die ihm von nun 
an in seiner ganzen politischen Laufbahn verblieb und bei mehrfachen 
i Gelegenheiten bethätigt wurde. Als im Jahre der Trauer 1888 der 
todmüde ritterliche Kaiser Friedrich darauf bedacht war, den 
' Männern, deren Verdienste nach seiner Ansicht bisher wohl nicht volle 
c Würdigung gefunden, die verdiente Anerkennung zu teil werden zu lassen, 
, undSimsonzurVerleihung des Schwarzen Adlerordens designierte, 
. da fragte er den Reichskanzler über dessen Ansicht und erhielt die volle 
, Zustimmung mit der Begründung: „Simson ist ein Gefäß, in dem ich 
< jederzeit die lauterste Gesinnung enthalten gefunden." Und als in 
; diesem Jahre bei der Feier der fünfzigjährigen Wiederkehr des Zu- 
c sammentritts des Frankfurter Parlaments von den wenigen über- 
- lebenden Teilnehmern der Auftrag an Simson, den einstigen Führer der 
, ersten Kaiserdeputation, erteilt wurde, dem eisernen Kanzler die Gefühle 
der Dankbarkeit zu übermitteln, da war der Ausdruck uneingeschränkter 
i Hochachtung die Erwiderung des Fürsten." 
Fürst Bismarck über das Rauche». Gelegentlich der Fricdens- 
i Verhandlungen von 1871 bot Bismarck Favre eine Havanna an, die 
t dieser ablehnte, weil er nicht rauche. Darauf erwiderte Bismarck: 
: „Sie verlieren dadurch recht viel. Wenn man eine Unterhaltung 
beginnt, die zuweilen zu Diskussionen führt, Heftigkeiten in der Sprache 
! hervorruft, ist es besser, daß man beim Sprechen raucht. Wenn man 
! raucht, sehen Sie, so lähmt die Zigarre, die man hält, die man in den 
Händen wirbelt, die man nicht fallen lassen will, ein wenig die physischen 
Bewegungen. Moralisch, ohne uns in keiner Weis« unserer geistigen 
Fähigkeiten zu berauben, beruhigt sie uns. Die Zigarre ist eine Ab 
lenkung; dieser blaue Rauch, der in Spiralen emporsteigt und dem man 
wider Willen mit seinen Augen folgt, erfreut Sie, macht Sie versöhn 
licher. Man ist glücklich. Der Blick ist beschäftigt, die Hand hat etwas 
zu thun, und der Geruchssinn ist befriedigt. Man ist geneigt, sich 
gegenseitige Konzessionen zu machen, und unser Geschäft als Diplomaten 
besteht aus gegenseitigen Konzessionen. Sie, der Sie nicht rauchen, 
haben über mich, den Raucher, einen Vorteil: Sie sind wachsamer, — 
und einen Nachteil: Sie sind eher geneigt, sich hinreißen zu lassen, 
einer ersten Bewegung zu folgen." 
Peter der Große und Fürst Dolgoruky. Bekanntlich schuf die 
eiserne Hand Peters des Großen das neu errichtete Staatsgebäude des 
russischen Reiches, deffen Fundament die Selbstherrschaft des Zaren 
bildete. Rach der Vernichtung des Strelitzenkorps fand der Kaiser bei der 
Gefügigkeit des Senats nur schwachen Widerstand gegen seine gewaltigen 
Reformationspläne. Der einzige, der ungescheut dem Gebieter zu 
l widersprechen wagte, war der Fürst Jakob Dolgoruky, der auch 
meistens den oft allzu absoluten Willen des Monarchen im Sinne der 
Gerechtigkeit zu beschränken vermochte. Eines Tages lag dem Senat 
ein Ukas Peters vor, dem der Fürst seine Zustimmung aus Gründen 
der Billigkeit verweigerte. Von dem leicht aufbrausenden Zar gedrängt 
und selbst beleidigt, ließ sich der unerschrockene Verfechter des Rechtes 
Fernsprechvernnttclungsinnt in seiner neuesten Gestalt. 
(AuS: Hans Krämer, Das XIX. Jahrhundert in Wort und Bild. Berlin, Deutsches Verlagshaus Bong & Co.)
        
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