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Periodical volume 15. Oktober 1898, No. 42

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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erobert und sein Gebiet nach Norden durch die festen Orte 
Bötzow (Oranienburg). Liebenwalde und Zehdenick gesichert. 
Er scheint auch das große Waldrevier um den Werbellinsee 
besesien und an der Stelle der späteren Burgen Werbellin, 
Breden und Grimnitz bereits Warten errichtet zu haben. Nach 
Osten schützte er sein Land gegen die Pommern, indem er 
auf steilem Bergkegel über dem Wendendorfe Bardzin, dem 
heutigen Oderberg, 1216 eine Grenzseste, die Albrechtsburg, 
erbaute. Genauere Nachrichten über Albrechts Thätigkeit 
fehlen, doch scheint er seinen Besitz nicht dauernd behauptet 
zu haben, da die Grenzfeste bei Oderberg einige Jahre darauf 
von dem Pommernfürsten Bogislaw zerstört wurde. Als im 
Jahre 1319 der Papst zu einem Kreuzzuge gegen die 
heidnischen Preußen aufforderte, schloß Albrecht, der sich an 
dem Zuge beteiligen wollte. Frieden mit den Dänen und 
Pommern und zog gen Osten. Im nächsten Jahre starb er 
und wurde zu Lehnin beigesetzt. 
Durch seinen Kreuzzug gegen die Preußen und seine 
früheren Kämpfe im Osten der Mark trat Albrecht II. in 
nahe Beziehung zum Deulschritter-Orden. welcher die gleiche 
Mission wie die Askanier verfolgte und deutsche Kultur und 
Sitte in die heidnischen Gebiete Polens und Preußens tragen 
wollte. Diese Beziehungen des Markgrafen von Branden 
burg sollen durch Aufstellung der Büste des Hochmeisters 
Hermann von Salza verkörpert werden. Der Hochmeister 
ist in ritterlicher Kleidung mit Ordenskreuz und Ordensmantel 
dargestelli; das biedere deutsche Mannesanibtz umrahmt ein 
lang herabwallender Bart, das Kennzeichen der Deutschritter; 
die rechte Hand hält die Schenkungsurkunde des preußischen 
Ordenslandes. Albrecht II. war mit Hermann von Salza 
auf seinem Kreuzzuge in Palästina bekannt geworden und 
trat ihm auch später während seiner Hochmeisterperiode 
(1210—39) näher. Hermanns Interesse für den Orden 
erstreckte sich sowohl auf das Morgen- wie auf das Abend 
land, und nachdem der Fürst Konrad von Masovien 1226 
dem Orden das Kulmer Land geschenkt hatte, richtete Her. 
mann seine ganze Aufmerksamkeit auf die Gründung und 
Befestigung des Ordenslandes Preußen. Was die Deutsch- 
ritter hier in der Kolonisation des heidnischen Gebietes ge 
leistet haben, hat die herrlichsten Früchte getragen: aus dem 
Ordenslande Preußen erstand das Herzogtum und dann das 
Königreich Preußen. Hermanns Büste soll daher nicht nur 
an die Beziehungen Albrechts II. zum Hochmeister des 
deutschen Ordens, sondern auch an die in jener Zeit be 
ginnenden Beziehungen Brandenburgs zum späteren König 
reiche Preußen erinnern. Hermann von Salza starb 1239 
in Salerno. 
Als zweite Seitenfigur ist der Vertreter der deutschen 
Rechtsweisheit. Eyke von Repkow, der Verfasser des 
Sachsenspiegels, gewählt worden. Der Künstler hat ihn im 
pelzverbrämten Gewände barhäuptig dargestellt, wie er mit 
sinnender Miene an der Abfassung seines Werkes beschäftigt 
ist. Eyke von Repkow har zur Mark in keinen Beziehungen 
gestanden und ist höchstens als Mitglied einer anhaltinischen 
Schöffenfamilie mit dem askanischen Fürstenhause in Be 
rührung gekommen, aber durch sein Werk hat er einen großen 
Einfluß auf ganz Noiddeutschland und auch auf Brandenburg 
ausgeübt. Im „Sachsenspiegel", dem sächsischen Landrecht, 
welches Eyke 1230 auf Wunsch seines Gerichtsherrn, des 
Grafen Hoyer von Falkenstein, erst in lateinischer, dann in 
niederdeutscher Sprache aufzeichnete, werden neben den 
sächsischen auch die märkischen Verhältnisse vielfach erörtert 
und die Rechtsgrundsätze in so volkstümlicher Auffassung kurz 
und deutlich zum Ausdruck gebracht, daß das Werk bald 
populär wurde und in ganz Norddeutschland bis nach Preußen 
hin allgemeine Verbreitung fand. Germanische Kraft und 
gesundes deutsches Rechtsbewußtsein leuchten aus dem Sachsen 
spiegel hervor. Eyke von Repkow verdient deshalb als erster 
Bearbeiter des deutschen Rechts in deutscher Sprache einen 
Ehrenplatz in der Reihe jener Männer, welche sich um die 
Wohlfahrt des deutschen Volkes und des deutschen Vaterlandes 
verdient gemacht haben. 
Der Berliner Tiergarten einst und jetzt. 
Von E. Ewerlien. 
(Schluß., 
Friedrich Wilhelm II. veranlaßte die Verschönerung 
weiterer Teile des Tiergartens. Er ließ besonders einen 
sumpfigen Teil desselben entwässern und legte als Nachahmung 
der Grabstätte des Philosophen Rousseau in Ermenonville die 
Rousseau-Insel an. Unter diesem König wurde auch der 
Ausgang aus der Residenz zum Tiergarten durch den in den 
Jahren 1789—1793 von Langhans nach dem Muster der 
Propyläen der Akropolis geschaffenen herrlichen Bau des 
Brandenburger Thors verschönt. Am Anfange der großen 
Fahrstraße nach Charlottenburg, welche zu jener Zeit in eine 
Chaussee bis zur Stadt und später bis zum Schlosse daselbst 
umgebaut wurde, standen damals zu den Seiten der 
Promenadenwege zwei kolossale Statuen: zur Rechten der 
Herkules als Führer der Musen mit Leier und Keule, zur 
Linken der pythische Apollo mit dem Bogen. Fuhrleute 
hielten tagüber am Biandenburger Thor, um in so 
genannten Thorwagen Passagiere nach und von Charlottenburg 
für einen personenweise zahlbaren Preis zu fahren. 
Die regierende Königin hielt sich mit ihren Kindern gern 
in der Fasanerie auf, wo öfter das Frühstück eingenommen 
wurde, und die kleinen Prinzen sich mit Gartenarbeiten 
beschäftigten. Sie ließ in der Fasanerie Gräben ziehen, 
Inseln Herstellen, einen englischen Garten anlegen, mehrere 
chinesische Lusthäuschen und Hütten aus Baumrinde erbauen. 
Aus dem Jahre 1788 sei noch erwähnt, daß auf dem 
zu den Uebungen und Paraden der Garnison dienenden, für 
die Heerschau von 30 000 Mann ausreichenden Exerzierplatz 
der Luflschiffer Blanchard in einem Ballon aufstieg, der bei 
dem Dorfe Französisch-Buchholz im Norden der Stadt nieder 
ging. Blanchard war bekanntlich einer der ersten Luflschiffer; 
die Zahl seiner Luftreifen, die er alle glücklich vollbrachte, 
beträgt 66. Er nannte sich Aeronaut der beiden Henri- 
sphären und Bürger der vorzüglichsten Städte beider Welten. 
Die Besucher des Tiergartens bevorzugten fortan imme' 
mehr seine linke Seite, welche durch geschlängelte Gäng« 
„Berceaux", „Salons", „Bassins" und die Gärten an d> 
südlichen Grenze größere Reize bot als die rechte. 
Neben dem Tiergarten zur Linken befanden sich, wie 
G. Hauchecorne 1792 schreibt, mehrere Gärten, deren Befij 
meistens die Nachkommen französischer Refugies waren, 
hier ein neues Vaterland gefunden hatten. Ihr Land wurde 
von der Straße nach Potsdam durchzogen, welche
        
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