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Periodical volume 22. Januar 1898, No. 4

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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verbündeten Monarchen, ein. Hier sah er auch seine Königlichen 
Vettern wieder und wurde besonders von dem Prinzen Wilhelm 
mit großer Freude begrüßt. Auf einem Kriegerballe sahen 
die Prinzen zu ihrem großen Ergötzen Blücher und 9)ort an 
einer märkischen Kegelquadrille sich launig und frohgemut be- 
teiligen. Der von diesen beiden Helden der Freiheitskriege 
mit viel Grazie ausgeführte Tanz aber erschien wie ein Vor 
spiel des letzten Waffenianzes mit seinem endlichen Kehraus 
für Napoleon. 
In der Neujahrsnacht 1813/14 überschritten die Ver 
bündeten den Rhein. Am 30. März errangen sie bekanntlich 
auf dem Montmartre einen letzten großen Sieg. Als nun 
die Heere dort oben bei 
den Windmühlen standen, die 
Batallione Gewehr bei t Fuß, 
die Kavallerie zum Teil abge 
sessen, da kam plötzlich Obrist 
von Below mit seinen alten 
Littauern herauf, ritt in langem 
Zuge um den Montmartre 
herum und zeigte den 
tapferen Kämpfern die im 
Glanze der Abendsonne schim 
mernde Stadt Paris. Aork 
sah es erstaunt und ließ 
durch Adjutanten fragen, 
was das zu bedeuten habe. 
Da entgegnen von Below: 
„Das habe er seinen Leuten 
schon in Tilsit versprochen; 
man wisse doch nicht, ob sie die 
Stadt sonst zu sehen bekämen." 
Ueberaus prachtvoll gestaltete 
sich am 3 l. März der feter-'s 
ltche Stegeseinzug in Paris.' 
Unmittelbar hinter den Mo 
narchen ritten die drei jungen 
Zollernsöhne, ein jeder trug 
einen Buchsbaumzwetg auf dem 
Tschako und als Zeichen der 
Verbündeten eine weiße Binde 
um den Arm. In Paris 
lernten sie die Wankelmütigkeit 
des französischen Volkes kennen, 
das jetzt den Einziehenden als 
seinen Befreiern vom Joche des Korsen zujubelte. 
Im Jahre 1815 führte Prinz Friedrich auf dem Marsch 
nach Paris das 1. Bataillon des 2. Garderegiments, war in 
Paris kurze Zeit als Oberst dem Regiment der Gardes du 
Korps aggregiert, führte als solcher das Garde-Dragoner- 
Regiment und wurde dann zum Chef des Schlesischen Kürassier- 
Regiments ernannt, indem der König zu ihm sagte: „Ich 
will Dich zum Chef der schwarzen Retter machen; stoße 
Dich nicht an den schwarzen Kragen, das Regiment ist 
das bravste Kavallerieregiment in der Armee. Ich nenne 
nur die Tage von Hainau, Liebertwolkwitz, Leipzig und 
Laon, und das Heer weiß, welche Thaten die schwarzen Reiter 
auszeichneten." 
Am 4. Februar 1816 wurde das Regiment aus dem 
Exerzierplatz im Tiergarten zu Berlin zum ersten Mal von 
seinem hohen Chef in der Uniform des Regiments geführt 
und vom König besichtigt, wobei es sich sowohl durch „Haltung 
wie Propretät" die allerhöchste Zufriedenheit erwarb. Prinz 
Friedrich bewahrte seinem Regimenie stets Liebe und An 
hänglichkeit und widmete demselben gelegentlich seines 
25 jährigen Chefjubiläums sein Bild zu Pferde, indem er 
an den Regimentskommandeur schrieb: 
„Dies Geschenk wird dadurch erst seinen Wert erhalten. 
daß es als Vermächtnis 
unseres höchstseligen Königs 
anzusehen ist, indem er mir 
noch im vorigen Jahre ausdrück 
lich befahl, an dem 25jährigen 
Jahrestage dem Regimenie ein 
Andenken zu geben. Ich wähle 
dies, indem Ich nicht selbst 
immer unter Ihnen allen sein 
kann. hoffend, so die Züge des 
Chefs mehr Ihrem Gedächtnis 
zu vergegenwärtigen, desien 
große Freude es ist. im treuen 
Andenken seiner Kameraden 
fortzuleben. 
Düffeldorf. 
den 21. Dezember 1840. 
gez. Prinz Friedrich 
von Preußen." 
Bereits im Jahre 1817 
zum Generalmajor avanciert, 
verlegte Prinz Friedrich im 
Jahre 1821 seinen Wohnsitz 
nach Düsseldorf. Er erwarb 
die Burg Rheinstein, ließ sie 
wohnlich einrichten und blieb 
während eines langen Zeit 
raums in der Rhelnprovinz, 
wo er sich in den höchsten 
militärischen Stellungen die 
allgemeine Liebe und Ver 
ehrung der rheinischen Bevöl 
kerung erwarb. 
Im Jahre 1860 nach Berlin zurückberufen, wurde ihm im 
Jahre 1854 der Vorsitz im Kapitel des König!. Hausordens 
von Hohenzollern übertragen. Schon seit Jahren vielfach an 
das Krankenlager gefesselt, machte der Tod seinem Leben am 
27. Juli 1863 ein sanftes Ende. Die edlen Eigenschaften 
des Verewigten, die stets bewährte Pflichttreue und Hingebung 
an König und Vaterland, eine herzgewinnende Leutseligkeit 
und immer bereite Wohlthätigkeit sicherten ihm, dem Freund 
und Jugendgenossen Kaiser Wilhelms des Großen, ein unver 
gängliches Andenken im Königlichen Hause, bei der Armee 
und in den weitesten Kreisen der Bürgerschaft. 
Lrurfürsteii-Dcnlrin.il in Nsrhenow. 
Sockel-Figur.
        
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