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Periodical volume 22. Januar 1898, No. 4

Full text: Der Bär Issue 24.1898

durch die Unteroffiziere Clery vom Regiment Möllendors und 
Benstetn vom 1. Garde-Bataillon. In den Jahren 1810—18 
erhielt er in Gemeinschaft mit dem Prinzen Wilhelm in dem 
Hauptmann von Reiche einen vortrefflichen militärischen Lehrer, 
der seinen hohen Schülern folgendes gute Zeugnis ausstellte: 
„Beide Prinzen zeichneten fich durch anhaltenden Fleiß und 
durch Aufmerksamkeit aus, daher fie auch vorzügliche Fort 
schritte machten." Die Stürme und Leiden, welche die unheil 
volle Eroberungssucht Napoleons I. über König und Vater 
land gebracht, hatten auch sein jugendliches Herz auf das 
tiefste erschüttert, aber er war auch Zeuge der glorreichen 
Schilderhebung Preußens und wurde gleich seinen Königlichen 
Vettern ein begeisterter Held 
der Freiheitskriege. 
Mit seinem zehnten Lebens 
jahre zum Fähnrich bei dem 
1. Garde-Bataillon ernannt, 
war er beim Ausbruch des 
Krieges im Jahre 1813 bis 
zum StabSkapitän avanciert. 
Jorks Heldenthat, seine be- 
rühmte Konvention von Tau 
roggen, fand in den jungen 
Zollernsöhnen lebendigen Wider 
hall. und begeistert stimmten fie in 
Blüchers Won ein: „Napoleon 
muß herunter; ehe das geschehen 
ist, will ich nicht sterben!" 
In der alten Zarenstadt hatte 
den stolzen Eroberer endlich 
sein wohlverdientes Geschick er 
eilt. und nun war auch für 
Preußen die Zeit der Abrechnung 
gekommen. Unter den Garden, 
die am 2. Mai 1818 bei 
Groß - Görschen dem Feinde 
gegenüberstanden, befanden fich 
auch der Kronprinz und Prinz 
Friedrich. Mit Freuden Höne 
der König ihre Tapferkeit 
rühmen, doch endlich befahl 
er seinem Flügeladjutanten, fie 
aus dem Gefechte zu holen, 
denn bet dem Ungestüm ihrer 
Jugend begann sein Herz für 
fie zu zittern. Er sagte jedoch ganz gelaffen: „Holen Sie fie 
einmal zu mir. fie find genug im Feuer gewesen!" In 
heiliger Vaterlandsliebe hatten fie jede Gefahr außer acht 
gelassen. 
Bis zur Schlacht bei Bautzen dem Hauptquartier bet- 
gegeben, wurde Prinz Friedrich während des nun folgenden 
Waffenstillstandes in das Hauptquartier des Generals von Jork 
kommandiert. Am 16. Oktober erließ Blücher an alle unter 
seinem Kommando stehenden Korps den Befehl, den Feind 
anzugreifen. Jork hatte seine Offiziere zum Frühstück um 
fich versammelt, als er den Schlachibefehl erhielt. Er 
stand sogleich auf. erhob sein Glas. sagte sein Lieblings- 
sprüchlein: „Anfang. Mitte und Ende. Herr Gott. zum Besten 
wende!", leerte das GlaS und stellte eS still wieder hin. — 
Rurfürsten-Denkmal in Nsrhenodi. 
Sockel-Figur. 
Dann ging es in feierlicher, gehobener Stimmung zur Schlacht, 
die Pferde standen gesattelt vor der Thür. Es galt, das 
fühlten fie alle, die Befteiung des Vaterlandes zu erringen. 
Prinz Friedrich nahm an allen Kämpfen des Jorkschen 
Korps Anteil und befand fich namentlich in der Schlacht bei 
Möckern wiederholt im dichtesten Kugelregen. Dort hatte der 
Feind eine feste Stellung; ein furchtbares Ringen entspann 
fich. und viel edles Blut ward opferfreudig vergoffen. 
Prinz Karl von Mecklenburg, der Bruder der unvergeß 
lichen Königin Luise, setzte fich an die Spitze der Ostpreußen; 
sein Pferd stürzte; im Begriff, ein anderes zu besteigen, sank 
er schwerverwundet zu Boden. 
Seinen Husaren voran, 
wurde Major von Sohr 
in den rechten Arm geschaffen, 
als er ihn mit erhobenem 
Degen zum Hurra schwang; 
er nahm den Säbel in die 
Linke und kämpfte, bis sein 
Antlitz im Tode erblaßte. 
Von zwei Kugeln getroffen, 
schritt Major von Leslie immer 
noch seinen Grenadieren voran, 
bis er sterbend niedersank. 
„Vorwärts. Kinder!" war sein 
letztes Wort. An der Spitze 
seiner Füsiliere stürzte fich 
Major von Krofigk auf den 
Feind und warf den Flügel- 
mann des ersten Karrees mit 
mächtiger Faust zu Boden — da 
traf ihn Kugel und Bajonett. 
Blutend winkle er mit dem 
Degen vorwärts, und als man 
ihn wegtragen wollte, wehrte 
er: „Laßt mich, geht und 
fiegt!" Noch hatte er die Kraft, 
fich nach einem Erdhaufen zu 
schleppen, um da zu verscheiden. 
„Wer rückwärts sähe, den hätte 
die Leiche zurückgedräut", er- 
zählt die Kriegschronik. Auf 
den Tod getroffen, rief Graf 
Wedel seinen Landwehrmännern 
zu: „Kinder, rettet das Vater 
land! Helf' uns Gott!" Doch immer neue Truppen führte 
der Feind in das Treffen, und das Schicksal des Tages hing 
an einem seidenen Faden. Da setzte fich Jork selbst — an 
seiner Seite Prinz Friedrich — mit gezogenem Degen an die 
Spitze der littauischen Dragoner, ließ die Fanfare blasen 
und rief: „Drauf, drauf, alte Littauer! Haut fie nieder! Die 
noch, und alles ist unser!" Grimmig klapperten die littauischen 
Klingen auf die polierten pariser Helme, und das ausge 
zeichnete Jorksche Korps entschied den blutigen, aber glorreichen 
Sieg bet Möckern. 
Das gewaltige Panorama der Völkerschlacht bei Leipzig 
übersah Prinz Friedrich in der Reservestellung, die Jork auf der 
Höhe unweit des Dorfes Gohlis genommen hatte. Gegen Mitte 
November traf der Prinz in Frankfurt a.M.. dem Hanptquar'ier der
        
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