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Periodical volume 24. September 1898, No. 39

Full text: Der Bär Issue 24.1898

Miistrierte Wochenschrift “ c 
für natcrlSnütsctjc Geslhilhte, norjüglidi für die Geschichte der DohenMern. der WsersM ßerlin, 
der Mark Krandenburg und der aagrenseildra Gebiete. 
Unter Mitwirkung von 
Dr. Evnst G. Kcrvdeq, Dr. R> Professor Dr. gJrrrfjer, Dr. A. gJrenMtfce, ®ljet>bov fautrot«, 
Stabtrat Fvievet. Jlirtjarb Goc-Vgo, Ford. Moqev. Dr. GA. Selinridt, Gymnafialdirektor a. v. Dr. M. Kct,»vavtj 
und E. t*. Milderrt'vrrct, 
herausgegeben von 
Friedrich Zillrffen und Paul Warncke. 
XXIV. IlDer „Bär" erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch jede Postanstalt (Nr. 8ty) Buchhandlung und Zeitungs- ! 24.September 
Jahrgang. L spedition für 2 Mk. 50 Pf. vierteljährl. zu beziehen. Auch die Geschäftsstelle — Berlin N. 58,Schönt«. Allee 141 —nimmt > 
M 39. jj Bestellungen entgegen. Inseraten-Aufträge sind an die letztere zu richten. Oie viergesp. Petitzeile kostet -zo Pf. : 18J8. 
ffvalsunö. 
Lrzähliiny guK dem dreißigjährigen Lrriegc. 
Bon C. K ü l) «». 
(Schluß.) 
s ie kurze Sommernacht begann zu weichen, und im Ost 
dämmerte fahl das erste, schwache Morgengrau. 
Joachim stand spähend auf der Schanze, doch sein Herz 
klopfte noch immer unruhig, und das Fernglas in seiner 
Hand zitterte. 
Raun auch ihm eine Thräne in den Bart? Manches 
Menschen Leben ist ein dunkler, trüber Tag, und nur einen 
einzigen kurzen Augenblick bricht der Sonne goldener Schein 
purpurn durch die Wolken. Wer hält ihn — den flüchtigen? 
Manchem auch ist gar keine Sonne beschieden! — 
„Halt! Wer da?" klang vorn der Ruf eines Postens. 
Gleich darauf knallten Schüsse. 
„An die Gewehre!" kommandierte Joachim; und un 
verzüglich eilte er mit seinen Leuten vor. 
Die Hauptmacht Wallensteins drang jetzt gegen das 
Frankenthor vor. und trotz des verzweifeltsten Widerstandes 
wurde Joachim mit seiner Maunschaft Schritt für Schritt 
zurückgedrängt. 
Jetzt standen sie im Hauptwerk, das den zum Thore 
führenden, zwischen dem Frankenteich und dem Sunde sich 
hinziehenden Damm verteidigte. 
„Holt fast, Jungs!" feuerte Joachim die Seinen an. 
Fürchterlich war der Ansturm und der Kugelregen. 
Da erscholl Geschrei in ihrer linken Flanke. Der Feind 
glitte vom Strand aus unbemerkt den Wall erstiegen und 
drang mit füchterlicher Uebermacht ein. Ein grauenhaftes 
Gemetzel entstand. Joachim wußte, mit dieser Schanze war 
auch das Thor verloren, und damii die Stadt! 
Er kommandierte: „Die Geschütze zurück!" und ließ 
blasen: „Das Ganze avaiieierenl" Eine letzte fürchterliche 
Anstrengung. An der Spitze von Hunde, t zum Tode ent 
schlossenen Bürgern warf sich Rauow in rasendem Ansturm 
auf die Kaiserlichen. Sie wankten. Doch ein kaltblütiger 
Obrist hatte die kleine Schar schnell umzingelt und zermalmte 
sie in seiner waffenstarrenden Umarmung. Kein Quartier 
wurde gegeben. Jeder wehrte sich bis zum letzten Atemzuge. 
Aus sechs Wunden blutend, empfing Joachim Ranow den 
Todesstoß durch die Brust. 
Er brach zusammen, den Degen in der festgeballten 
Faust. Vorüber Kampf und Qual! Er hörte nicht mehr 
das Siegesgeschrei der Kaiserlichen, mit dem sie die erstürmte 
Schanze erstiegen, er sah nicht mehr Leichen und Blut um 
sich herum. Vor sein brechendes Auge trat eine süße, eine 
edle Mädchengestalt; seine Brust hob sich, er lächelte. „Ich 
bin ein ehrlicher Mann!" murmelte er und verschied. — 
* * 
* 
Vom Triebseer Thor aus hatte man die bedrängte Lage 
der Frankenschanze bemerkt, und der Bürgermeister selbst eilte 
mit einigen Fähnlein Bürgerwehr dorthin.
        
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