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Periodical volume 17. September 1898, No. 38

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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vordere, mit einem Fenster versehene Raum macht einen ganz wohnlichen 
Eindruck. Es bewohnen etwa ein Dutzend Familien derartige unter 
irdische Wohnungen, verschiedene seit mehreren Jahrzehnten, ohne Schaden 
für ihre Gesundheit. E. K. 
Gedenkfeier an den westfälischen Frieden. Mit der General 
versammlung des Gesamtvereins der deutschen Gcschichts- 
und Altertumsvercine in Münster vom 2. bis 5. Oktober soll 
«ine Gedenkfeier an den westfälischen Frieden verbunden werden. 
Im Friedenssaalc des Rathauses werden Urkunden, Abbildungen und 
Erinnerungen jeder Art vom Jahre 1648 ausgestellt werden, während 
Professor Finke über den westfälischen Frieden einen Vortrag halten 
und Professor Dr. Pieper die Erinnerungen erläutern wird Professor 
Jo st cs spricht über den „Heliand", Archiv-Rat Dr. Philipps über 
„Münsters Vergangenheit in Kunst und Geschichte". In den Abteilungen 
behandelt Hofrat Dr. Piper (München), der Verfasser des Werks über 
die deutschen Burgen, die Entwickelung der Mauertechnik in Deutschland, 
Dr. Tille (Bonn) die Inventarisation kleinerer Archive, Dr. Bailleu 
(Berlins neue Forschungen über die Rosenkreuzer, Prof. Thudichum 
(Tübingen» die Fortführung der historisch-statistischen Grundkarten in 
Deutschland. In einer gemeinsamen Sitzung aller Abteilungen wird 
Architekt P. Walle (Berlin) eine Uebersicht der gegenwärtig in der 
Wiederherstellung befindlichen Monumente, Schlösser und Denkmäler 
geben, wobei mehrere der neuesten Entwürfe und Aufnahmen vorgelegt 
werden. Am 5. Oktober wird die Generalversammlung mit einem Aus 
flug nach Osnabrück zur Besichtigung der dortigen Denkmäler schließen. 
önchertisch. 
Die unheilvolle Erbschaft. Eine Geschichte aus dem norddeutschen 
Küstenüben. Von L. Kreutzer. Hamburg 1898, Verlag des 
Rauhen Hauses. Zweite Auflage. Elegant gebunden Mk. 1,20 
(ungebunden 1 Mk.) 
Eine wunderschöne Schiffergeschichte. Eigentlich eine Illustration 
zu dem Sprichwort: „Unrecht Gut gedeiht nicht" und dem Gotteswort: 
„Die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nütze und hat die Verheikung 
dieses und des zukünftigen Lebens". — Das norddeutsche Schifferleben 
wird uns lebhaft und anschaulich vor die Seele gemalt; neben einigen 
verschmitzten und nur nach zeitlichem Gewinn dürstenden Personen sind 
es edle, hochherzige Menschen, die wir kennen lernen, deren Leben und 
Wandel nicht nur Freude erweckt, sondern auch zur Nachfolge auf 
fordert. Ein echtes Volks- und Familienbuch. 
Der Frack Amors. Der Stipendiat des Frciherrn von Erck. Zwei 
Erzählungen von Otto v. Leixner. Berlin 1898. Verlag 
von Otto Zanke. Preis 3 Mk. 
Daß O. v. Leixner einer unser vornehmsten und elegantesten 
Erzähler ist, beweisen die beiden, nunmehr in Buchform erschienenen 
Geschichten erneut. Sie lösen keine tiefsinnigen Probleme, gehen nicht 
einmal sonderlich in die Tiefe, aber die fesselnde, von fröhlicher Laune 
belebte Darstellung nimmt uns für den warmherzigen Verfasser und die 
gemütvollen, von ihm geschaffenen Gestalten ein; bte flotte, frisch hin 
werfende und doch stets den rechten Ton treffende Art macht sie uns 
lieb und schafft Genuß — so muß erzählt werden. P. B. 
— Mit den Lieferungen 30—35, die jetzt vorliegen, schließt die von 
der Verlagshandlung Ernst Keil's Nachfolgerin Leipzig veranstaltete 
illustrierte Ausgabe der Neuen Folge von W. Heimburgs Schriften ab. 
Diese letzten Lieferungen enthalten die Fortsetzung und den Schluß des 
Romans „Trotzige Herzen", der wiederum alle die fesselnden und 
ergreifenden Eigenschaften ausweist, wie die früheren Erzählungen, welche 
die große Beliebtheit der gemütvollen Verfasserin begründet haben. Es 
ist aber auch ein Werk, das in erfreulicher Weise Zeugnis ablegt, wie 
sich W. Heimburg ihre Ausgaben immer höher steckt und sich nicht daran 
genügen läßt, nach der Schablone ihrer früheren Romane sicheren, aber 
leichten Erfolgen nachzustreben. Der Konflikt, welcher dem Roman 
„Trotzige Herzen" zu Grunde liegt, ist der Welt des großen Kampfes 
entnommen^ der dem weiblichen Geschlecht es heute zu erleichtern sucht, 
den Beruf auszuüben, für den ein besonders begabtes Mädchen von der 
Natur bestimmt ist. Dieser Konflikt ist verwandt mit demjenigen, den 
Hermann Sudermann in seinem vielgegebenen modernen Drama „Heimat" 
gestaltet hat, aber, dem echt weiblich empfindenden Wesen von W. Heim 
burg gemäß, ist er völlig anders aufgefaßt und auf ganz anderen 
Bahnen einer befriedigenden Lösung entgegenführt. Das Schicksal der 
jugendschönen, tapferen Aenne Matz, die unter dem Druck einer schmerz 
lichen Herzenserfahrung gegen den Willen der Eltern sich zur Sängerin 
ausbildet, wirkt doppelt ergreifend durch den Gegensatz, in dem es zu 
dem schweren Prüsungsgang steht, auf welchem der ungetreue Geliebte 
nach erfolgter Läuterung sich zu der einst Verlassenen zurückfindet. Der 
große Erfolg, den sich der Roman „Trotzige Herzen" schon bei seinem 
Erscheinen in der „Gartenlaube" errungen, wird gewiß auch der von 
Wilh. Claudius meisterhaft illustrierten Buchausgabe zu teil werden, 
umsomehr, als die Vcrlagshandlung für dieselbe, trotz der prächtigen 
Ausstattung, einen sehr billigen Preis festgesetzt hat. 
Das soeben erschienene Scptemberhest 1898 der „Deutschen Revue," 
herausgegeben von Richard Fleischer (Stuttgart, Deutsche Verlags- 
Anstalt», hat nachstehenden hochinteressanten Inhalt: Skobclew und 
Dragomirow. Erinnerungen eines Zeitgenossen. Von Graf von Ronzaglia. 
- Sein Ehrentag! Litauische Geschichte. Von M. zur Megede. — 
Das religiöse Amerilanertum und der Vatikan. Von G. M. Fiamingo. 
— Zwei Polarexpeditionen. Von Professor Dr. Ungvar Nielsen 
(Chnstiania). — Künstler, Kunstschreiber und der gesunde Menschen 
verstand. Von Heinrich Deiters. Die Segler der Lüfte. Eine 
meteorologische Studie. Von Dr. E. Kaßner. — Zwei deutsche Staats 
männer. III (Schluß.) Von Heinrich von Poschinger. — Weltmann- 
tum. Von Korvettenkapitän a. D. Rees von Esenbcck. — Ein Blick 
ins Zarenreich zu Beginn unsers Jahrhunderts. Nach bisher nicht 
veröffentlichten Manuskripten bearbeitet. Von Philipp Freiherr von 
Blittcrsdorf. — Zola und das Jahr 1789 in Frankreich. Von Cesarc 
Lombroso. — Heinrich Heines Denkmal. Von Generalmajor Auspitz. 
— Die Memoiren Orcste Baratieris. Von Scipio Sighele. — Herzog 
Friedrich und Dr. Henrici. Eine Entgegnung. Von Dr. Karl Samwer. 
— Berichte aus allen Wissenschaften. Kriegswissenschaft: Kriegerischer 
Geist und kriegerische Tüchtigkeit der romanischen Völker in unserer 
Zeit. Von Hauptmann Dr. Reinhold Günther — Forstwissenschaft: 
De> Einfluß des Waldes auf den Stand und die Wirkung der Gewässer. 
Von Ferdinand Wang. — Litterarische Berichte. — Eingesandte Neuig 
keiten des Büchermarttes — Allmonatlich erscheint ein Heft von 128 
Seiten. Preis vierteljährlich (3 Hefte) 6 Mark. Das Januarheft der 
„Deutschen Revue" ist durch jede Buchhandlung auf Verlangen zur 
Ansicht zu erhallen. 
DieNummer2880 der „Illustrierten Zeitung" inLeipzig enthält 
zunächst ein interessanles Bild nach einem Gemälde von Eduard Grützner: 
„Quarlett im Kloster." In dem das Bild begleitenden Text wird 
Grützner mit Recht der Humor- und liebevollste Darsteller des Kloster 
lebens alter und neuer Zeit genannt. Das neue Ständehaus in 
Dresden »ach dem von der zweiten Kammer angenommenen Entwurf 
Prof. Paul Wallot's (unter Verkürzung der Brühl'schen Tcrr-sse) und 
die im Bau begriffene elektrische Schwebebahn (System Eugen Langen» 
zwischen Elberfeld und Barmen nach ihrer Voll-ndung zeigen die Fort 
schritte der Neuzeit im Bautenwesen. Zwei Feiern: Die Enthüllung 
des Denkmals Kaiser Alexanders II. im Kreml zu Moskau am 28. August 
und Namenstagsfeier Papst Leo'S XIII. am 21. August fesseln durch 
Bild und Text. Die Svitze des Hochkönigs (Salzburger Alpen) mit 
dem neuen Kaiserjubiläums-Schutzhaus wird uns durch zwei Bilder 
nach photographischen Aufnahmen von R. Lechner (Wilh. Müller) in 
Wien vorgeführt. Aus der großen Berliner Kunstausstellung finden 
wir die Gruppe von Hans Everding: „Achilles mit dem Leichnam Hektars" 
wiedergegeben. Ein großes, schönes, st mmungsvolles Bild ist das 
„Ave Maria" nach einem Gemälde von August» Corelli. Zum 70. Ge 
burtstage des vielgenannten russischen Schriftstellers Grafen Leo Tolstoi 
bringt die „Illustrierte Zeitung" das Porträt des Gefeierten nach einem 
Oelgemäldc von Jlga Repin, sowie eine Skizze: Leo Tolstoi in seinem 
Arbeitszimmer. An weiteren Porträts enthält die Nummer: Oberst 
lieutenant Henry, Nalietao, König der Samoa-Inseln (ff am 22 August), 
Muri Bei, Generalsekretär im ottomaniseben Ministerium des Aeußern, und 
Vincenz Stütz, berühmter Meister deutscher Baukunst (ff am 20 August.) 
Der gegenwärtigen Nummer liegt ein Prospekt des 
„Bär" bei. Die Freunde unserer Bestrebungen wollen 
denselben gütigst weitergeben und dem „Bär" für das heran 
nahende IV. Quartul (bcr gegenwärtige historische Roman 
schließt in Nr 30) neue Abonnenten zuzuführen suchen. 
Die Bestellungen können direkt bei dem Verlag des 
„Bär", Berlin X 58, Schönhauser Allee 141, sowie bei 
allen Buchhandlungen und Postämtern (Zcitungsliste 
Nr. 819) erfolgen. 
Inhalt: Stralsund. Erzählung aus dem dreißigjährigen 
Kriege. Von C. Kühns. (Fortsetzung.) — Der Name Bismarck 
in der Geographie Sachsens und Pommerns. Von Dr. Gg. 
Schmidt. — Die Feuersbrünste in Kremmen während des 
17. Jahrhunderts. Von Friede. Werwach. — Brand enburgisch- 
preußische Erinnerungstafel. — Kleine Mitteilungen: Die 
Kirche zu Dahlem (Mit zwei Abbildungen). Friedrich der Große und 
der Professor Franke in Halle. Der Bismarck-Hügel in Japan. Hohen- 
zollersche Erinnerungen aus der Schweiz. Der Fahnenträger von Weißen 
burg. Vom Auerochieii in Preußen. Bewohnte Höhlen in der Provinz 
Sachsen. Gedenkfeier an den westfälisden Flieden. — Büchertisch.
        
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