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Periodical volume 17. September 1898, No. 38

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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Der Name Bismarck ist offenbar dem erwähnten alt- 
märklschen Siädtchen entlehnt, welches, um 1370 den v. Alvens- 
leben gehörig, einige Zeit einen Sammelpunkt für die Gläubigen 
bildete, indem ein dort vom Himmel gefallenes Kreuz viele 
Wunder verrichtete. 1209 wird der Ort — wenn nicht etwa 
ein anderes Dorf darunter zu verstehe» ist!? — Biscopesmarck 
genannt, hindeutend auf einen bischöflichen Sprengel (ähnliche 
Namen: Bischofswerda, Bischofsweiler — Bischweiler, Bis- 
copesdorf — Biesdorf rc). Einfacher und natürlicher erscheint 
die Beziehung auf die vorbeifließende Biese, denn da die 
Mensäen den Flüssen einen Namen beizulegen pflegten, ehe 
sie an deren Ufern feste Niederlassungen gründeten, so hat 
sicherlich der Ort vom Flüßchen, und nicht umgekehrt dieses 
von jenem, den Namen empfangen, wie ja auch unweit des 
wie die Sage will, dem Orte, sondern daß umgekehrt dieser 
der Familie den Namen gegeben hat. 
Auch in Pommern findet sich unweit Löcknitz ein gleich 
namiges Dorf. Die Wiederkehr derselben Ortsnamen ist 
durch den vom Westen nach Osten gerichteten Kolonisations- 
zug zu erklären. Im Gefolge geistlicher und weltlicher Fürsten 
zum Zwecke des Christianifierens und Germanifierens gingen 
kriegerische Scharen in größerer oder geringerer Zahl über 
die Elbe. Die sich unterwerfenden slavischen Freien blieben 
in ihrem Besitzstand. Mit den Gürern anderer, welche aus 
Widerwillen gegen die fremde Herrschaft das Land verließen, 
wurden deutsche Mannen zur Belohnung für ihre Kriegsthaten, 
wesentlich aber auch zu dem Zwecke belehnt, die Strecke nach 
der Oder hin und über diese hinaus für das Deutschtum und 
Lirche zu Dahlem. 
Nach einer photographischen Aufnahme des Geheimsekretärs R. Köhler in Berlin. 
Städtchens ein Dorf Biesenthal sich findet. Die philologischen 
Bedenken, daß das Wort Bismarck mit dem kurzen Vokal 
sich nicht aus Btesemarke mit dem langen Laut entwickelt 
haben könne, werden dadurch widerlegt, daß gerade die Namen 
sich vielfach allen phonetischen Gesetzen entziehen. Jeder 
Sprachforscher muß aber auch zugeben, daß durch Ausstoßung 
des „e" mitten im Worte sich der vorhergehende Konsonant 
verschärft und durch solche Verschärfung eine Verkürzung des 
r-Lautes erfolgt. 
Der Name dürfte sonach aus der Topographie herzuleiten 
sein, wie sich ähnliche Namen mannigfach in der Provinz 
Sachsen finden: Ostermarke bei Briest, Neuermark bei Schön 
hausen, Wendemark bei Werben, Wüstermarke im Kreise 
Schweinitz und Kaltenmark am Petersberge. Tie Wahr 
scheinlichkeit. wie gesagt, spricht dafür, daß nicht die Familie, 
für die Kirche weiter zu gewinnen. Die ganze Priegnitz, 
Mittelmark und Uckermark ist von der Altmark aus unter- 
morsen worden. Wegen der Unfähigkeit der deutschen Zunge 
zum Aussprechen wendischer Namen übertrugen die neuen 
Besitzer auf die ihnen überlassenen Güter nicht selten den 
Namen der alten Heimat. Diese hochinteressante Wiederkehr 
altmärkischer Ortsnamen in den östlich gelegenen Landen bis 
nach Preußen hinauf bezeugt eine Kolonisation der Familien 
im Slavenrum, welche durch die Wappen der kolonisierenden 
Geschlechter bestätigt wird, nachdem vielleicht Kaufmanns- 
Karawanen schon früher denselben Weg gezogen. Während 
links der Elbe, wo das Land zur Zeit feststehender Familien- 
namen unterworfen wurde, der Herr zumeist von seinem Besitz 
tum und der Burgmann von der Burg den Namen annahm 
(Bismark in der Altmark), erhielt östlich der Elbe, wohin
        
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