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Periodical volume 10. September 1898, No. 37

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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die Stille hinein klingt nur noch der taklmäßige Ruderschlag 
des Fährmanns und das Plätschern des Wassers. 
Es wird kühler, es wird dunkler. 
Die Frische des Herbstabends steigert sich zu nächtlicher 
Kühle, ein Frösteln überläuft uns. 
Da, der schmale Waldfluß, der uns solange durch düsteres 
Waldreoicr getragen hat, mündet in eine dunkle, breite 
Wasserfläche, in der sich die Lichter aus Häusern und Villen 
von Erkner und Woltersdorf spiegeln. 
Wir find am Ziel. 
„Späte Lichter verhauchen 
Und das Herz und die Welt ins Dunkel tauchen." 
Kleine Mitteilungen. 
König Friedrich Wilhelm I. als Jäger. Der Soldatenkönig 
Friedrich Wilhelm I. von Preußen suchte bekanntlich außer der Abend 
gesellschaft, die er sein Tabakskollegium nannte, und an welcher Vor 
nehme und Geringe, je nach ihrer geselligen Brauchbarkeit, teilnehmen 
durften, Erholung und Freude in der Jagd, der er sehr ergeben war. 
Aus Leidenschaft für das Woidwerk ließ er in seinen Forsten Hirsche 
und Wildschweine sich in ungeheurer Menge vermehren. Bei Potsdam 
und KönigS-Wusterhausen, das vorher Wendisch-Wnsterhauscn hieß, legte 
der König ausgedehnte „Parforce-Gärten" an, wo er jährlich 20 bis 
30 mal jagte und dabei jedesmal mindestens 10 Stück Wild eigen 
händig abschoß. Auf mancher Hofjagd in der Mark und in Pommern 
sollen nach der Geschichte Preußens von William Pierson 1000, einmal 
sogar <im Jahre 1729) 3600 Wildschweine auf der Strecke gezählt worden 
sein. Die erlegten Wildschweine mußten zu festen Taxen Händler, be- 
Gebüsche vor dem brennenden Sand; alle Gärten und einzelne Häuser 
wimmeln von Menschen. Die Mietspferde haben einen ihrer beschwer 
lichsten Tage; junge Reserendarien und Kaufmannsdiener, welche letztere 
unter dem Namen der Ellenreuter zum Teil bekannt sind, lösten die Zügel 
auf Leben und Tod schießen; die Fische der Spree verbergen sich vor dem 
betäubenden Geräusche in ihren tiefsten Abgrund, und wenn die Wirts 
leute nicht die Nacht vorher welche aus der Stadt holten — die sie 
alsdann für frisch gefangen auftischen — so würde es an diesem 
Gerichte gänzlich mangeln. Da dieses Volksfest gerade vor dem Sonn 
tage Petri Fiichzug begangen wird, so ist es wahrscheinlich durch die 
Kirchengeschichte veranlaßt. Es wird auch nach Petri Beispiel eine Zeit 
lang gefischt und nichts gefangen. Gleich nach sechs Uhr früh des 
Morgens geschieht der erste feierliche Zug von den Fischern des Dorfes 
für dm Magistrat der Stadt Berlin; der zweite Zug gilt dem Prediger 
Nsgel sm Wsberoiofee. 
sonders die Juden, kaufen. Letztere konnten sich hiervon nur dadurch 
befreien, daß sie jährliche Beiträge an die Armenhäuser zahlten. — Zu 
jener Zeit waren in Preußen Wölfe noch eine allgemeine Landplage. 
Zu ihrer Vernichtung wurden deshalb vom Könige Preise ausgesetzt, die 
sich auf 6 Thaler für einen alten, 3 Thaler für einen jungen Wolf be 
liefen. Die Städte mußten aber in ihrem Gebiet das Dreifache zahlen. 
In dem jetzigen Ostpreußen, wo es damals fast mehr Wölfe als Schafe 
gab, ließ Friedrich Wilhelm I. besonders große Wolfsjagden abhalten. 
Zn diesem Landesteile hat der König auch deshalb mit Vorliebe selbst 
gejagt, weil daselbst zu seiner Zeit noch Auerochsen und Elentiere in 
Fülle vorhanden waren. E. E. 
Vom Stralauer Fischzug im Jahre 1798 schrieb, wie wir 
dem „Berl. Lokal-Anz." entnehmen, ein Franzose Namens Mcrcier ein 
interessantes Stimmungsbild in einem vor gerade 100 Jahren in „Kölln 
bey Peter Hammer" erschienenen Buch, das er .Neuestes Gemälde 
von Berlin auf das Jahr 1798" betitelte. Der geistreiche Verfaster 
klagt zunächst: „Unglücklicherweise sind die Volksfeste in Deutschland so 
selten geworden, als Frohsinn und Gemeingeist. Wolken von Sand 
bedecken die Züge froher Gesellschaften, und die Unbeständigkeit der 
Witterung vereitelt oder verdirbt alle Plane der Lustpartien. Dieses 
ist gewöhnlich auch das Los des 24. Augusts, der wegen des sogenannten 
Stralauer FischzugeS bei den Berlinern so berühmt ist." Dann fährt 
der Franzose mit genauer Orts- und Sachkenntnis fort: „Das Dorf 
Stralau liegt eine halbe Meile von der Hauptstadt an der Spree, nach 
Sonnenaufgang: da es aber nur eine einzige Straße enthält, so ver 
sammeln sich die Menschen an diesem Tage an beiden Ufern entlang; 
alle Schiffe und Gondeln der Stadt und Nachbarschaft werden mit 
Weib und Kindern, alles bunt untereinander, beladen; malerische Gruppen 
lagern sich in dem schon sterbenden Grün oder suchen das Dunkel der 
des Ortes, welcher sich aber gegen ein jedesmal zu erhaltendes, bares 
Sümmchen von zehn Thalern ein für allemal dafür abgefunden hat, 
weil er die Trägheit und List der Fischer aus Erfahrung kennt; dieses 
Wasservölklein ist auch eine Art von Geistlichkeit, die gerne nimmt, aber 
ungern giebt. Der dritte und letzte Zug gelingt, wie billig, am besten, 
denn er ist für die Gemeine des Dorfe». Und nun wird geschmaust, 
getrunken und getanzt bis zum Aufgang der Sonne, diesseits und 
jenseits des Ufer» in allen Schänken." Zum Schluß erzählt der zur 
Satire aufgelegte Chronist von einem reichen Berliner Bankier, „der 
die schönste Besitzung in Stralau hat und allemal an diesem Tage auch 
vornehme Gesellschaft hinzieht, die er standesmäßig bewirtet, und die bei 
Musik und Tanz von dem Balkon auf das schwimmende Bürgcr- 
Völklein gnädig hcrabblickt." Der „Berl. Lok.-Anz" bemerkt dazu: 
„ES ist des eine Schilderung aus der „guten alten Zeit" des Stralauer 
Fischzuges, als er noch ein echtes Berliner Volkfest war, dem Hoch und 
Niedrig, Reich und Arm ihr Wohlwollen entgegenbrachten." 
Bismarcks Arbeitsthätigkeit. Ueber Bismarcks ArbeitSthätigkeit 
schreibt die „Parole": Daß der eiserne Kanzler eine eiserne Arbeitskraft 
besaß, weiß unser Volk, welches dieser Arbeitskraft so köstliche Früchte 
verdankt. Es ist Thatsache, daß der erste Beamte des Deutschen Rrichs 
nic vor 2 Uhr nachts sein Lager aufsuchte. Selbst in Kissingen während 
der Badekur pflegte er bis 14/r Uhr nachts am Schreibtische zu sitze» 
und den Staatsgeschäften obzuliegen. Während dieser Nachtarbeit trank 
Fürst Bismarck nicht etwa Wein, sondern ab und zu einen Schluck 
Grünkernsuppe, die seinem Körper besonders zuträglich war. Weilte er 
in Berlin, so mußten nicht nur Subalternbeamte, sondern auch hoch 
stehende Beamte bis gegen 2 Uhr nachts und Sonntags bis gegen 7 Uhr 
abends im Dienste bleiben, da der Kanzler bald diese, bald jMBekichtc 
und Akten einforderte, Depeschen chiffrieren Änd entziffernund
        
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